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NHL-History: Das Jahrzehnt von 1970 bis 1979

Mit den Philadelphia Flyers gewann zum ersten Mal ein Expansionsteam den Stanley Cup

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Die NHL feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Zum Jubiläum blickt NHL.com/de an jedem ersten Samstag eines Monats in chronologischer Reihenfolge auf jeweils ein Jahrzehnt in der ruhmreichen Geschichte der NHL zurück.

Die Jahre 1970 bis 1979:

Die 70er Jahre waren ein Jahrzehnt der Umbrüche und Veränderungen auf politischer, wirtschaftlicher, musikalischer, aber auch auf sportlicher Ebene. 1971 erhält der damalige deutsche Bundeskanzler Willy Brandt den Friedensnobelpreis. Im Jahr darauf wurden die Olympischen Sommerspiele in München von einer grausamen Geiselnahme, bei der insgesamt 17 Menschen ums Leben kamen, überschattet. Der Vietnamkrieg fand nach Abzug der US-Truppen aus Südvietnam mit der Einnahme von Saigon am 1. Mai 1975 sein Ende und mit der Unterzeichnung des Israelisch-ägyptischen Friedensvertrages im März 1979 war ein seit 1948 bestehender Kriegszustand Geschichte.

Der Glam Rock gab in seiner ursprünglichen Form ein kurzes Intermezzo, hatte aber maßgeblichen Einfluss auf den Mitte der 1970er Jahre entstandenen Punk. Ende des Jahrzehnts feierte die Disco-Musik ihre Blütezeit mit Interpreten wie Donna Summer oder Diana Ross und deren Hit Upside Down.

Die NHL wurde in diesem Jahrzehnt der Veränderungen vor einigen Herausforderungen gestellt. Zum einen musste sie sich mit der 1972 gegründeten World Hockey Association (WHA), einer nordamerikanischen Profikonkurrenzliga, die in ihre Märkte drang, auseinandersetzen (1979 hatte mit dem finanziellen Kollaps der WHA der Spuk ein Ende), und zum anderen erwies sich der ein oder andere auserwählte Standort für eine neue Franchise als auf die Dauer nicht rentabel. Die 1967 gegründeten Oakland Seals wurden 1970 in California Golden Seals umbenannt. Der Zuspruch im Norden Kaliforniens hielt sich ebenso stark in Grenzen wie der sportliche Erfolg (sechsmal in Folge verpassten die Golden Seals die Playoffs) und somit wurde der Umzug der Franchise nach Cleveland, dem Heimatort der Miteigentümer Gordon und George Gund, beschlossen. Die Cleveland Barons fusionierten nach zwei NHL-Spielzeiten 1978 mit den Minnesota North Stars, den jetzigen Dallas Stars.

Die NHL expandiert in neue Märkten

Zur Saison 1970/71 nahmen die Vancouver Canucks und die Buffalo Sabres den Spielbetrieb auf. Im Jahre 1972 folgten die New York Islanders und die Atlanta Flames und weitere zwei Jahre danach die Washington Capitals sowie die Kansas City Scouts, die 1976 als Colorado Rockies in Denver ihr Glück versuchten. Aus der aufgelösten WHA bekamen 1979 die Edmonton Oilers, die Hartford Whalers, die Quebec Nordiques und die Winnipeg Jets eine Lizenz für die NHL. Von der Saison 1970/71 bis zur Saison 1979/80 erhöhte sich die Anzahl der am Spielbetrieb der NHL teilnehmenden Clubs von 14 auf 21. Zur Spielzeit 1974/75 wurde die Liga umstrukturiert. Fortan traten die Teams nicht mehr in der Eastern oder Western Division sondern in einer Wales Conference bestehend aus der Norris und Adams Division und in einer Campbell Conference mit der Patrick und Smythe Division an.

Das berühmteste Tor der Eishockeygeschichte

Das sportliche Geschehen bestimmten zunächst weiterhin Mannschaften der Original Six. Das Stanley Cup Finale 1970 bestritten die Boston Bruins und die St. Louis Blues. Die dritte Finalteilnahme in Folge der Blues war dem Umstand geschuldet, dass sie mit den weiteren fünf Neulingen in der Western Division eine eigenständige Playoffrunde austragen durften und somit erst im Endspiel auf eine der sechs etablierten Mannschaften treffen konnten. Die Blues hatten gegen die von Harry Sinden gecoachten Bruins nicht den Hauch einer Chance und unterlagen in der Best-of-7 Serie mit 0-4. Zu besonderer Berühmtheit gelang diese Finalserie durch ein Foto des Overtimesiegtors von Bruins überragenden Verteidiger Bobby Orr gegen Glenn Hall in Spiel 4. Die Aufnahme, welche zur bekanntesten Fotografie des Welteishockeysports wurde, hielt fest wie der Verteidiger der Bruins nach seinem Schuss, bei dem ihm von Blues Noel Picard ein Bein gestellt wurde, durch die Luft fliegt und die Arme zum Torjubel ausbreitet. Durch diesen Treffer durften die Bruins zum ersten Mal seit 29 Jahren wieder einmal die begehrte Trophäe in Empfang nehmen. 1972 wiederholten sie den Erfolg, indem sie im Finale die New York Rangers mit 4-2 Siegen bezwangen. Wie schon zwei Jahre zuvor erzielte Orr das Siegtor zum Cup-Gewinn und wurde erneut mit der Conn Smythe Trophy als wertvollster Spieler in den Playoffs geehrt.

Dominante Canadiens

In den Jahren von 1970 bis 1979 stand Boston fünfmal (70,72,74,77,78) im Stanley Cup Finale, die Chicago Black Hawks (71,73) sowie die Rangers (72,79) je zweimal und die Montreal Canadiens (71,73,76,77,78,79) sagenhafte sechsmal. Die Frankokanadier konnten dabei ihre Stanley Cup Siege 17 bis 22 feiern. Zum dritten Mal in ihrer Franchisegeschichte konnten sich die Fans der Canadiens über Cup-Gewinne in vier aufeinanderfolgenden Jahren freuen. In dieser bis dato letzten großen Epoche der Canadiens bildeten Spielerpersönlichkeiten wie ein Yvan Cournoyer, Ken Dryden, Bob Gainey, Doug Jarvis, Guy Lafleur, Guy Lapointe, Jacques Lemaire, Larry Robinson, Steve Shutt und Mario Tremblay, um nur einige zu nennen, das Mannschaftsgerüst. Als Cheftrainer fungierte seit der Saison 1971/72 Scotty Bowman, einer der erfolgreichsten Trainer in der NHL-Geschichte.

Eine junge Franchise gewinnt den Cup

Als erstes Expansionsteam, das einen Stanley Cup Triumph feiern konnte, gingen die Philadelphia Flyers im Jahre 1974 in die NHL-Historie ein. Im Finale bezwangen die 'Broad Street Bullies' die hochfavorisierten Bruins in sechs Spielen. Boston ging mit Heimvorteil in die Finalserie. Des Weiteren konnten sie eine beeindruckende Bilanz gegen die Flyers vorweisen: Von 19 Aufeinandertreffen im Boston Garden gewannen sie 17. Nur zweimal mussten sie sich mit einem Unentschieden begnügen.

Die Bruins verließen in Spiel 1 das Eis als Sieger, doch in der zweiten Begegnung wendete sich das Blatt zu Gunsten der Flyers. Nach einem 0-2 Rückstand war Flyers Teamkapitän Bobby Clarke nicht mehr zu halten und bescherte seinem Team mit zwei Toren und einem Assist einen 3-2 Overtimesieg. Nachdem in den folgenden drei Partien jede Mannschaft ihre Heimspiele gewann, lag Philadelphia vor Spiel 6 mit 3-2 Siegen vorne. Das sechste Aufeinandertreffen fand wiederum im Philadelphia Spectrum statt. Dort gelang Rick MacLeish nach einer knappen Viertelstunde im ersten Drittel das goldene Tor des Abends zum 1-0 Sieg und zum ersten Cup-Gewinn der Flyers.

Im Folgejahr schaffte es die erst 1967 gegründete Franchise gegen die ins Endspiel eingezogenen Buffalo Sabres, die im Halbfinale überraschend die Canadiens bezwingen konnten, ihren Titel zu verteidigen. Nach 4-2 Siegen - die Flyers gewannen Spiel 6 im Buffalo Memorial Auditorium mit 2-0 Toren - hatte Clarke, der Mann mit dem herrlichen zahnlosen Lächeln, erneut Grund zur Freude. Philadelphias Schlussmann Bernie Parent gewann als erster Spieler in der Geschichte der Liga zweimal in Folge die Conn Smythe Trophy.

Im folgenden Jahrzehnt sollten noch weitere Expansionsteams für Furore und Titelgewinne sorgen.

Namhafte Spieler aus dieser Epoche:

Bobby Clarke, Stürmer, Stanley Cup Champion (1974, 1975), HHOF (1987)

Ken Dryden, Torwart, Stanley Cup Champion (1971, 1973, 1976, 1977, 1978, 1979), HHOF (1983)

Phil Esposito, Stürmer, Stanley Cup Champion (1970, 1972), HHOF (1984)
Tony Esposito, Torwart, Stanley Cup Champion (1969), HHOF (1988)
Guy Lafleur, Stürmer, Stanley Cup Champion (1973, 1976, 1977, 1978, 1979), HHOF (1988)

Guy Lapointe, Verteidiger, Stanley Cup Champion (1971, 1973, 1976, 1977, 1978, 1979), HHOF (1993)

Jacques Lemaire, Stürmer, Stanley Cup Champion (1968, 1969, 1971, 1973, 1976, 1977, 1978, 1979), HHOF (1984)

Bobby Orr, Verteidiger, Stanley Cup Champion (1970, 1972), HHOF (1979)

Bernie Parent, Torwart, Stanley Cup Champion (1974, 1975), HHOF (1984)

Gilbert Perreault, Stürmer, Stanley Cup Champion (-), HHOF (1990)

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