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NHL-History: Das Jahrzehnt von 1940 bis 1949

Maple Leafs mit furioser Aufholjagd im Finale '42 und die Geburtsstunde der 'Original Six'

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Die NHL feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Zum Jubiläum blickt NHL.com/de an jedem ersten Samstag eines Monats in chronologischer Reihenfolge auf jeweils ein Jahrzehnt in der ruhmreichen Geschichte der NHL zurück.

Die Jahre 1940 bis 1949:

In der ersten Hälfte der 40er Jahre wurde die Welt durch den größten militärischen Konflikt der Menschheitsgeschichte, den Zweiten Weltkrieg, vollends ins Chaos gestürzt. Die NHL konnte jedoch während dieser schrecklichen Zeit ihren Spielbetrieb aufrechterhalten. 1940 und 1941 setzten die New York Rangers und die Boston Bruins mit dem Gewinn des Stanley Cup die Dominanz der US-amerikanischen Franchisnehmer über jene aus Kanada fort. Sechs Jahre in Folge hatte keine Mannschaft aus dem Mutterland des Eishockeys die Trophäe gewinnen können.

Maple Leafs holen im Finale 0-3 Serienrückstand auf

Die Toronto Maple Leafs, die zwischen 1935 und 1940 fünfmal im Finale den Kürzeren gezogen hatten, sollten 1942 endlich mal wieder ihren Fans richtig Grund zum Feiern geben. Nachdem die Maple Leafs die reguläre Saison 1941/42 als zweitbeste Mannschaft abgeschlossen hatten, waren sie direkt für das Halbfinale qualifiziert gewesen. Dort trafen sie auf die Rangers und gaben ihnen mit 4-2 Siegen das Nachsehen. Im darauffolgenden Stanley Cup Finale bekamen es die Ahornblätter mit den Detroit Red Wings zu tun, die als fünftbeste Mannschaft der Saison über zwei gewonnene Best-of-3 Serien gegen die Montreal Canadiens (2-1) und Boston Bruins (2-0) ins Finale eingezogen waren. Es sollte sich eine ganz bemerkenswerte Finalserie entwickeln. Die Außenseiter aus Detroit gewannen die ersten zwei Auftritte in Toronto (3-2, 4-2) und legten vor heimischer Kulisse noch einen 5-2 Sieg drauf. 3-0 lagen sie nun in der Serie vorne, schafften es aber dreimal nicht den Sack zuzumachen (3-4, 3-9, 0-3). Zum ersten Mal in der Geschichte der NHL wurde ein Stanley Cup Finale über sieben Spiele ausgetragen. Spiel 7 fand vor der Rekordkulisse von über 16.000 Zuschauern im Maple Leaf Gardens von Toronto statt. Nach einem torlosen Unentschieden zur ersten Pause brachte Syd Howe im Mittelabschnitt die Gäste mit 1-0 in Front. Erst im Schlussabschnitt hatten auch die Maple Leafs Grund zur Freude - und das gleich dreimal durch zwei Tore von Sweeney Schriner, dem ersten in Russland geborenen Spieler in der NHL, und einem Treffer von Pete Langelle. Sie gewannen die alles entscheidende Partie mit 3-1. Zum ersten Mal in der Geschichte der NHL konnte eine Mannschaft nach einem 0-3 Rückstand eine Playoff-Serie noch für sich entscheiden. Bis zum heutigen Tage ist keinem Team eine solche Wende in einem Stanley Cup Finale mehr gelungen. Rookie Gaye Stewart, der in Spiel 5 zu einem Einsatz kam, wurde mit 18 Jahren, neun Monaten und 21 Tagen der jüngste Spieler, der jemals den Stanley Cup gewinnen konnte. Erst 13 Jahre später wurde Stewart von Larry Hillman (DET, 18 Jahre, 2 Monate, 9 Tage) abgelöst.

Die 'Original Six'

Am Ende der Spielzeit 1941/42 gab die von New York Americans auf Brooklyn Americans umbenannte Franchise aus finanziellen Gründen ihr Ende bekannt, so dass in der folgenden Saison nur noch sechs Mannschaften am NHL-Spielbetrieb teilnahmen. Es war die Geburtsstunde der 'Original Six' bestehend aus den Bruins, Canadiens, Leafs, Rangers, Red Wings und Chicago Black Hawks. Ein Vierteljahrhundert lang, bis zum Jahr 1967, bestand die Liga aus diesen sechs Teams. Im Anschluss der ersten 'Original Six' Saison konnte Detroit mit einem Sweep (4-0 Siege) das Stanley Cup Finale gegen Boston für sich entscheiden, doch in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts dominierten die zwei kanadischen, in Montreal und Toronto beheimateten Franchises, die Titelkämpfe.

1944, 13 Jahre nach ihrem letzten Stanley Cup Triumph, bezwangen die Canadiens im Finale Chicago. Mit Maurice "Rocket" Richard gab eine NHL-Legende sein Stanley Cup Debüt. Fünf Tore gelangen dem Rechtsaußen in der Serie. Die mit Richard, Toe Blake und Elmer Lach besetzte erste Sturmreihe der Canadiens zeichnete sich für zehn von Montreals 16 Treffer verantwortlich. Das Tor der Canadiens hütete Bill Durnan, der in seiner kurzen Karriere von sieben Spielzeiten zwischen 1943/44 und 1949/50 zweimal den Stanley Cup und sechsmal die Vezina Trophy als bester Torhüter der Liga in Empfang nehmen konnte. Ihren Erfolg wiederholen konnten die Canadiens zwei Jahre später, wobei erneut ihre 'Punch Line' mit 19 Toren in fünf Finalspielen gegen Boston überragend war.

Im Jahr darauf zogen die beiden kanadischen Teams in das Stanley Cup Finale ein. Toronto konnte wieder auf Spieler wie Syl Apps, die vom Militärdienst zurückgekehrt waren, zurückgreifen und war in der Tiefe besser besetzt als die Canadiens, die hauptsächlich von ihrer ersten Sturmformation lebten. Die Maple Leafs gewannen die Serie mit 4-2. Es war ihr erster von drei Titelgewinnen in Folge (1947, 1948, 1949). Mit ihren acht Championships konnten sie Ende der 40er Jahre Montreal als bisherigen Rekord Stanley Cup Gewinner (6) überholen. Doch das Blatt sollte sich im folgenden Jahrzehnt wieder zu Gunsten der Frankokanadier wenden

Namhafte Spieler aus dieser Epoche:

Sid Abel, Stürmer, Stanley Cup Champion (1943, 1950, 1952), HHOF (69/70)
Syl Apps, Stürmer, Stanley Cup Champion (1942, 1947, 1948), HHOF (61/62)
Toe Blake, Stürmer, Stanley Cup Champion (1935, 1944, 1946), HHOF (69/70)
Frank Brimsek, Torhüter, Stanley Cup Champion (1939, 1941), HHOF (66/67)
Turk Broda, Torhüter, Stanley Cup Champion (1942, 1947, 1948, 1949, 1951), HHOF (67/68)
Roy Conacher, Stürmer, Stanley Cup Champion (1939, 1941), HHOF (98/99)
Bill Durnan, Torhüter, Stanley Cup Champion (1944, 1946), HHOF (64/65)
Ted Kennedy, Stürmer, Stanley Cup Champion (1945, 1947, 1948, 1949, 1951), HHOF (66/67)
Elmer Lach, Stürmer, Stanley Cup Champion (1944, 1946, 1953), HHOF (66/67)
Babe Pratt, Verteidiger, Stanley Cup Champion (1940, 1945), HHOF (66/67)
Maurice Richard, Stürmer, Stanley Cup Champion (1944, 1946, 1953, 1956, 1957, 1958, 1959, 1960), HHOF (61/62)

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