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NHL-History: Das Jahrzehnt von 1910 bis 1919

Von der Dominanz des Ostens über den ersten Champion aus den USA bis zur Gründung der NHL

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Die NHL feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Zum Jubiläum blickt NHL.com/de an jedem ersten Samstag eines Monats in chronologischer Reihenfolge auf jeweils ein Jahrzehnt in der ruhmreichen Geschichte der NHL zurück.

Die Jahre 1910 bis 1919:

Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts dominierten Mannschaften aus Ontario und Quebec das kanadische Eishockey. Teams wie die Montreal AAA, Montreal Wanderer und Ottawa Silver Seven gewannen in zehn von 14 möglichen Fällen zwischen 1900 und 1910 den Stanley Cup (in manchen Jahren gab es mehr als ein Finale). Von einem regelmäßigen Spielbetrieb mit Vorrunde und Playoffs war in dieser Zeit noch nicht zu denken. Das sollte sich erst in der zweiten Dekade des vergangenen Jahrhunderts ändern.

Ab 1910 setzten die ziemlich professionell organisierte National Hockey Association (NHA) und die Ontario Hockey League (OHL) durch ein angepasstes Regelwerk den Standard im 'modernen' Eishockey. Da die Amateurteams in schöner Regelmäßigkeit gegen die Profis unterlagen, hatte Sir Montagu Allen bereits 1908 den Allan Cup eingeführt, der dem besten Amateurteam Kanadas überreicht werden sollte. Der Stanley Cup sollte dagegen der stärksten Mannschaft, unabhängig von ihrer Ligazugehörigkeit, vorbehalten sein.

Im Westen Kanadas gründeten Frank und Lester Patrick 1912 die Pacific Coast Hockey Association (PCHA) mit drei Teams, den New Westminster Royals, Vancouver Millionaires und Victoria Senators. In der NHA traten die Montreal Canadiens, die Montreal Wanderers, die Ottawa Senators, die Quebec Bulldogs, die Toronto Blueshirts und die Toronto Tecumsehs gegeneinander an. Die PCHA forderte das Recht ein, ebenfalls um den Stanley Cup spielen zu dürfen, was ihnen jedoch so lange verwehrt wurde bis sie 1914 damit drohten eine eigene Trophäe zu gründen. Die ersten Partien zwischen zwei Teams der rivalisierenden Verbände fanden vom 14. bis 19. März 1914 in Toronto statt. Die Toronto Blueshirts trafen auf die Victoria Aristocrats und gewannen die Serie mit 3-0 Siegen. Doch bereits im darauffolgenden Jahr sollte der Cup zum ersten Mal an eine Mannschaft im Westen gehen. Fast 20000 Zuschauer sahen in Vancouver die Best-of-5 Serie zwischen den Millionaires und Ottawa Senators, welche die Gastgeber mit 3-0 für sich entschieden.

Die PCHA expandierte in Richtung USA und nahm die Portland Rosebuds und Seattle Metropolitans mit auf, was im Jahre 1916 zu dem Kuriosum führte, dass um den Stanley Cup, der ursprünglich an das beste kanadische Eishockeyteam verliehen werden sollte, eine US-amerikanische Mannschaft spielte. Die Rosebuds, die den Cup von den Millionaires bekommen hatten, ließen sich schon vor dem Finale gegen die Montreal Canadiens ihre Namen darauf gravieren. Die Bestrafung für dieses 'Sakrileg' folgte auf dem Fuß: Sie unterlagen im fünften Spiel der Finalserie, in der Canadiens Schlussmann Georges Vezina sein Debüt gab, den Frankokanadiern mit 2-1 Toren. Somit blieb der Cup noch ein weiteres Jahr im Mutterland des Eishockeys. 1917 war es doch soweit: Zum ersten Mal in der Geschichte des Stanley Cups gewann ihn mit den Seattle Metropolitans eine Mannschaft südlich des 49. Breitengrades. Das Team aus dem Bundesstaat Washington hatte im Finale den Titelverteidiger aus Montreal in vier Spielen mit 3-1 Siegen bezwingen können.

Nach der Saison 1916/17 kämpfte die NHA mit finanziellen Problemen und befand sich in der Auflösung. Es sollte die letzte Spielzeit der NHA gewesen sein. Im November 1917 entschieden sich die Eigentümer der Bulldogs, Canadiens, Senators und Wanderers die NHA zu verlassen und eine eigene Liga zu gründen. Es war die Geburtsstunde der National Hockey League (NHL), in die auch noch die Toronto Arenas mit aufgenommen wurden. Die Bulldogs hatten zwar eine Lizenz bekommen, konnten aber aus finanziellen Gründen nicht am Spielbetrieb teilnehmen.

Gleich in ihrer ersten Saison qualifizierten sich die Arenas als NHL-Champion für das Stanley Cup Finale gegen die Millionaires, dem Vertreter der PCHL. Zuvor hatten die Arenas in einer 2-Spiele Serie die Canadiens mit 10-7 Toren bezwungen. Da im Westen Eishockey noch mit sieben Spielern pro Mannschaft gespielt wurde und im Osten schon seit geraumer Zeit mit sechs, entschied man sich für einen Kompromiss nach dem die Stanley Cup Endspiele ausgetragen werden sollten. Spiel 1 und 3 des Finales wurde mit sechs, Spiel 2 und 4 mit sieben und das entscheidende Spiel 5 erneut mit sechs Akteuren auf dem Eis bestritten. Die Arenas gewannen die drei Partien, die nach ihren Regeln gespielt wurden und holten als erstes NHL-Team den Stanley Cup.

Nur zweimal in der 124-jährigen Geschichte des Stanley Cups gab es keinen Gewinner. Zum ersten Mal im Jahre 1919: Die Montreal Canadiens hatten die zweite NHL-Saison als Meister abgeschlossen und mussten gegen die Seattle Metropolitans, dem Champion der PCHL, das Stanley Cup Finale austragen. Die Canadiens machten sich auf den langen Weg zur Westküste und absolvierten während der Reise noch einige Vorbereitungsspiele. Schließlich begannen die Finalspiele am 19. März. Das erste und dritte Aufeinandertreffen, gespielt nach 'Western Rules' gewann Seattle. Das zweite Finalspiel, gespielt nach 'Eastern Rules', konnte Montreal mit 4-2 für sich entscheiden. In der vierten Begegnung gab es ein torloses Unentschieden. Als schließlich Montreal das fünfte Spiel erneut gewann wurde für den 1. April eine weitere Finalpartie angesetzt. Unglücklicherweise brach kurz vorher unter den Canadiens eine Grippeepidemie aus, so dass fünf ihrer Spieler ausfielen. Die Canadiens entschieden sich einige Eishockeycracks aus dem nahegelegenen Victoria zu engagieren, doch die Metropolitains waren damit nicht einverstanden und weigerten sich zum entscheidenden Spiel anzutreten, was dazu führte, dass der Cup an keine Mannschaft vergeben wurde.

Namhafte Spieler aus dieser Epoche:

Silas Griffis, Verteidiger, Stanley Cup Champion (1907, 1915), HHOF (1950/51)
Frederick Taylor, Stanley Cup Champion (1909, 1915), HHOF (1947/48)
Frank Patrick, Verteidiger, Stanley Cup Champion (1915), HHOF (1958 Builder)
Lester Patrick, Verteidiger, Stanley Cup Champion (1907, 1928), HHOF (1947/48)
Art Ross, Verteidiger, HHOF (1945/46)
Newsy Lalonde, Stürmer, Stanley Cup Champion (1916), HHOF (1950/51)
Joe Malone, Stürmer, Stanley Cup Champion (1912), HHOF (1950/51)
Georges Vezina, Torwart, Stanley Cup Champion (1924), HHOF (1945/46)

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