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Die Calgary Flames greifen an

Das Team aus Alberta hat seine Defensive über den Sommer gestärkt und möchte nun ein ernstes Wort mitreden

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

Der Startschuss zur NHL-Saison 2017-18 steht zwar noch nicht unmittelbar vor der Türe, doch die Nachwuchs-Camps sind geschafft und die Trainingscamps in Sichtweite. Wir denken, dass es das Beste sei, die Sommerhitze im August mit Analysen Eurer Lieblingsteams zu bekämpfen.

Jeden Tag wird euch NHL.com/de im Rahmen der 31 in 31 Serie mit fundierten Einschätzungen der Mannschaften versorgen.

Wo wird die Reise für den Liganeuling Las Vegas Golden Knights hingehen? Können die Pittsburgh Penguins ihre dritte Meisterschaft in Folge feiern? Welche Teams könnten uns alle überraschen?

Alle diese Fragen werden in den täglichen Artikeln beantwortet.

Heute analysieren wir die Calgary Flames:

2016-17 Bilanz: 45- 33- 4, 7. Platz in der Western Conference

Playoffs 2017: 0:4 Niederlage in der 1. Runde gegen die Anaheim Ducks

Trainer: Glen Gulutzan, 2. Saison seit seinem Amtsantritt im Sommer 2016

Neuzugänge: Eddie Lack, Ryan Murphy, Spencer Foo, Travis Harmonic, Mike Smith, Marek Hrivik, Luke Gazdic, Micheal Ferland, Curtis Lazar, Garnet Hathaway, Jon Gillies, David Rittich

Abgänge: Keegan Kanzig, Chad Johnson, Brandon Hickey, Brian Elliott, Brandon Bollig, Ladislav Smid, Linden Vey, Tom McCollum

Die Calgary Flames haben in der diesjährigen Off-Season einige große Veränderungen in ihrem Kader vorgenommen. Viele Beobachter im Umfeld des Teams gehen aktuell davon aus, dass sie in dieser Zusammensetzung nun ein ernsthaftes Wort bei der Titelvergabe werden mitsprechen können. Doch worauf begründet sich dieser Optimismus?

General Manager Brad Treliving war in den letzten Wochen sicherlich einer der vielbeschäftigten Männer der Branche.

Streng genommen waren die Flames bereits in der vergangenen Spielzeit schon gut aufgestellt. Trotzdem hätte sie damals wohl noch niemand ernsthaft zu einem Titelanwärter erklärt. Und obwohl eine ganze Anzahl von Veränderungen beim Team vorgenommen wurde, wirkt der Kader auf den ersten Blick gar nicht so sehr verändert, was die Spielstärke betrifft.

Es waren jedoch nur einige Kleinigkeiten, einige unglückliche Entscheidungen, ein paar persönliche Fehler, welche zum allzu frühen Ausscheiden in den letzten Playoffs geführt haben.

Doch nun vor dem Start der neuen Saison, da wächst das Selbstvertrauen rund um die Franchise, sowohl bei den Verantwortlichen als auch an der Basis bei den Fans der Flames.

Derzeit kommen die Kanadier mit zwei absolut soliden ersten Reihen daher. Während Johnny Gaudreau und Sean Monahan zum Beginn der letzten Runde noch Probleme hatten, sprang die 3M-Reihe (Mikael Backlund, Michael Frolik, and Matthew Tkachuk) in die Bresche. Seit diese Formation Ende Oktober zusammengestellt wurde, bildeten sie über die gesamte restliche Saison hinweg rasch die dominante und konstanteste Reihe des Teams.

Im Februar dann, als Trainer Glen Gulutzan sich dazu entschied, Micheal Ferland in die Top-Reihe neben Gaudreau und Monahan zu stellen, nahm das Team so richtig Fahrt auf. Es folgte eine Siegesserie von zehn Spielen. Ferland entwickelte sich zu einem Top-Akteur auf dem Flügel.

Gulutzan bestätigte bereits, dass Ferland im Trainingscamp und in der Preseason im Normalfall wieder für die Top-Reihe eingeplant sei.

Und obwohl viele Leute mit den abgelieferten Leistungen von Gaudreau im Vorjahr enttäuscht waren, reichte es für ihn doch letztendlich noch zu immerhin 61 Punkten in 72 Spielen.  

Video: SJS@CGY: Gaudreau vollendet Bennetts Vorlage

Der Gewinner der Lady Byng Trophäe machte seit seiner Premierensaison in der Liga stets das 60 Punkte-Plateau voll.

Und wenn auch die 3M-Reihe nun erneut an die Form der vergangenen Monate wird anknüpfen können, dann braucht den Flames in dieser Beziehung nicht bange sein.

Das Pfund der Flames in der neuen Saison dürfte die in den letzten Wochen deutlich verbesserte Abwehrreihe bilden. Und hier ist der Hauptgrund dafür zu sehen, warum viele Beobachter Calgary wieder im Umfeld der Teams sehen, welche ernsthafte Ambitionen im kommenden Frühjahr anmelden dürfen.

Am zweiten Tag des Drafts tradeten die Flames drei Draft-Picks für Verteidiger Travis Hamonic von den New York Islanders, der im Gegenzug einen Draft Pick mit zurück zur Organisation brachte.

Somit bilden die Top-Vier Verteidiger aktuell eine Einheit, welche in der absoluten Ligaspitze angesiedelt sein dürfte. Mit Mark Giordano und Dougie Hamilton stellt ein absolut dynamisches Pärchen die Top-Formation. Die Kollegen von Sportsnet bezeichneten sie sogar als das beste Verteidigerpärchen aller kanadischen Mannschaften, die von TSN kürten sie sogar zum besten Duo der gesamten Liga.

Zusammen mit Neuzugang Hamonic neben T.J. Brodie nimmt eine absolute Top-Verteidigerformation in der besten Eishockeyliga der Welt endgültig Form an. Doch damit nicht genug der guten Nachrichten für die Fans des Teams aus Alberta. Auch der Vertrag mit Michael Stone konnte von den Verantwortlichen über den Sommer um drei Jahre verlängert werden. Damit steht der Kern der Verteidiger der Franchise mit fünf absoluten Spitzenleuten geschlossen langfristig zur Verfügung.

Im Falle, dass sich einer der Stars verletzt, kann Stone als vierter Verteidiger aufrücken. In diesem Bereich sind die Fundamente für einen ernsthaften Angriff auf den Cup durchaus gelegt, wie es aktuell scheint.

Große Veränderungen gab es besonders auf der Torhüterposition. Veteran Mike Smith wurde von den Arizona Coyotes verpflichtet, dem ehemaligen Team von Treliving. Er wird die neue Nummer Eins des Teams werden. Chad Johnson wurde somit entbehrlich, seine Rechte kurzzeitig an Arizona weitergereicht. Ersetzt wurde damit auch Elliott, der in den Playoffs doch so einige Defizite offenbarte. Zudem wurde Eddie Lack aus Carolina als zukünftiger Backup verpflichtet. Hier liegt vielleicht der Knackpunkt für die kommende Spielzeit. Können die beiden wirklich ein Niveau abrufen, welches dem Team gerecht würde? Das gilt es noch abzuwarten. Viele Fans der Franchise sehen die Torwartsituation aktuell noch durchaus kritisch.

Video: COL@ARI: Smith stoppt Beauchemin mit Blocker

In den Augen vieler ist die Offensive für jedes Team sehr entscheidend. Doch was nützt der beste Sturm, wenn die Beteiligten nicht entsprechend in der Abwehr mitarbeiten. Das ist nicht nur im Eishockey so, das wird auch vielen Fans aus dem Fußball bekannt vorkommen.

Sean Monahan, Mikael Backlund, Sam Bennett und Matt Stajan sind alles solide Zwei-Wege-Center. Backlund, Bennett und Stajan sind es zudem gewohnt beim Unterzahlspiel aktiv zu werden, in der eigenen Zone mitzuarbeiten, wenn es notwendig wird. Monahan hingegen ist in diesem Bereich noch nicht ganz so präsent.

Backlund und Frolik waren während der letzten Saison hier führend, zeigte große Verbesserungen über den Saisonverlauf. Wenn sie an diese Leistungen stabilisieren können, dann dürfte den Flames auch der Saisonstart in diesem Bereich deutlich besser gelingen als noch vor einem Jahr.

Durch die Tatsache, dass alle vier Top-Center inzwischen gut in beide Richtungen agieren, werden sie auch den Torhütern zukünftig das Leben erleichtern. Und eine stabilere Defensive ist beim Kampf um Meisterschaften naturgemäß von Vorteil.

Kleinigkeiten hatte Calgary im Vorjahr noch gefehlt. An diesen wurde nun sehr zielstrebig gearbeitet, wie es scheint. Mit etwas Glück ist aus dem Underdog der vergangenen Jahre nun tatsächlich ein Team geworden, welches in den Playoffs weit kommen kann. Wie weit, das ist natürlich immer auch ein Stück weit eine Frage des Glücks. Aber die Grundlagen dafür wurden nun gelegt.

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