CGY 4, EDM 3

Die 'Battle of Alberta', also das NHL-Duell zwischen den Edmonton Oilers und den Calgary Flames, fasziniert seit Jahrzehnten jedes Mal aufs Neue. Da bildete auch die Begegnung am Samstag, welche die Flames im Rogers Place in Edmonton am Ende mit 4:3 gewannen, keine Ausnahme. Und auch wenn das Ergebnis Leon Draisaitl und seinen Oilers nicht gepasst hat, konnten beide Seiten daraus viel Positives mitnehmen.

Die Kontrahenten haben in der ersten Auflage der neuen Spielzeit gezeigt, dass mit ihnen gerechnet werden muss, wenn im Frühjahr 2023 die nächsten Stanley Cup Playoffs anstehen. Die Begegnung erinnerte in dieser frühen Phase der Saison bereits zeitweise an Spiel 1 der zweiten Runde der Playoffs im vergangenen Mai, als sich die Flames im Scotiabank Saddledome in Calgary nach einem wilden Ritt mit 9:6 durchsetzen konnten. Ein Sieg, der ihnen schließlich nur wenig brachte, siegten die Oilers in der Best-of-7-Serie letztendlich doch ungefährdet mit 4:1 nach Spielen und zogen in das Western Conference Finale ein.

Tkachuk mit einem Hattrick in Spiel 1

Wie damals gingen die Flames am Samstag in den ersten Minuten frühzeitig in Führung. Und wie im Mai stand es nach gespielten 7:41 Minuten bereits 3:1 für Calgary. Neu war, dass Michael Stone am Samstag an allen drei Treffern Calgarys beteiligt war. Er wurde damit zum ersten Flames-Verteidiger seit mehr als 15 Jahren, der im ersten Drittel eines Spiels mindestens drei Punkte erzielte, und der zweite, dem dies gegen die Oilers gelang (nach Al MacInnis am 28. März 1991: 1-3-4). Stones Drei-Punkte-Spiel war zudem sein erstes in der NHL (506. Spiel).
Die Partie entwickelte sich auch dieses Mal im weiteren Spielverlauf noch zu einer Zitterpartie, auch wenn sie nicht ganz so torreich ausfiel. Für einige weitere statistische Besonderheiten reichte es dennoch. So war es erst das dritte Mal in 296 Begegnungen (reguläre Saison und Playoffs), dass die Flames und die Oilers in den ersten fünf Minuten ihrer Duelle mindestens drei Tore erzielten. Die anderen Begegnungen fanden am 3. Dezember 2011 (EDM 2, CGY 1) und am 13. Januar 1988 (CGY 3, EDM 0) statt.
Seine ersten positiven Erfahrungen in einer 'Battle of Alberta' machte in dieser Auflage Nazem Kadri. Der Stürmer erzielte auf dem Weg zum Stanley Cup Sieg mit den Colorado Avalanche im vergangenen Frühjahr in drei Spielen des Western Conference Finales gegen Edmonton ein Tor und drei Assists zu vier Punkten. Bei seinem ersten Auftritt im Traditionsduell mit seinen neuen Teamkameraden aus Calgary nach seinem Wechsel konnte Kadri sofort abliefern. Er traf zum zwischenzeitlichen 3:1 für die Flames und bereitete das 1:0 durch Mikael Backlund vor. Der neu erworbene Stürmer der Flames ist damit erst der achte Spieler, der in seiner ersten Spielzeit in der 'Battle of Alberta' mehrere Punkte in einem Spiel erzielen konnte.

CGY@EDM: Kadri startet durch und trifft in Überzahl

"Ich habe einfach versucht, schneller zu laufen als Kulak hinfiel", kommentierte Kadri seinen Treffer bescheiden. "Ich habe gesehen, dass er zu Boden geht, und habe einfach versucht Gas zu geben, und zum Glück hatte ich eine Chance und konnte abschließen."
Glänzen konnte auch Flames-Torwart Dan Vladar, der sich durch 26 Paraden hervortat und damit den zweiten Sieg im zweiten Saisonspiel Calgarys festhielt. "Ich denke, die Jungs waren heute großartig, sie haben Schüsse abgewehrt", zeigte sich auch der Goalie zufrieden mit dem Verlauf der 60 Minuten. "Wenn man mit 4:1 in Führung liegt, ist es natürlich viel einfacher zu spielen. Man will ihnen nicht das Momentum geben, den zweiten oder dritten Treffer zuzulassen. Das ist uns heute leider passiert, aber das war natürlich nicht der Plan", räumte Vlader rückblickend selbstkritisch ein.

cgy vladar 10-16

Dass es nach dem scheinbar vorentscheidenden 4:1 durch Andrew Mangiapane in der 11. Minute ein weiteres Mal spannend wurde, lag an der individuellen Klasse der Oilers, die durch Connor McDavid (31.) und Ryan McLeod (35.) noch einmal bis auf ein Tor herankamen und dadurch für eine fulminante Schlussphase sorgten.
Für Kapitän McDavid war es bereits sein viertes Saisontor, und auch Draisaitl war für Edmonton wieder zur Stelle. Der Deutsche steuerte zwei Assists für sein Team bei, das am Mittwoch gegen die Vancouver Canucks ebenfalls zunächst deutlich (0:3) in Rückstand geraten war, bevor es sich noch mit 5:3 durchsetzen konnte. Das gelang gegen die Mitfavoriten aus Calgary drei Tage später nicht erneut.
"Wir geraten immer wieder in Rückstand, und das ist natürlich nicht unser Plan, wenn wir in ein Spiel gehen", räumte Oilers-Trainer Jay Woodcroft ein. "Die Reaktion im zweiten und dritten Drittel war besser, aber wenn man so ins Hintertreffen gerät, wie wir es heute wieder getan haben, ist es ein zu großer Berg, den man erklimmen muss."
Draisaitl war ebenfalls unzufrieden mit dem Spielausgang. "Wir hatten ein paar Chancen am Ende und haben gehofft, dass eine davon reingeht, aber es hat nicht sollen sein", lautete sein kurzes Statement nach der ersten Niederlage der Saison. "Es waren einfach zu viele individuelle und Systemfehler, kleine Fehler, die man leicht ausbügeln kann. Wir können aber keine Mannschaft mit drei Toren in zwei aufeinanderfolgenden Nächten erwischen. Das ist etwas, das wir natürlich angehen müssen."

20221015_mangiapane_goal

Auch die Torwartfrage sorgt bei den Oilers noch immer für Diskussionen. Starttorhüter Jack Campbell ließ vier Tore bei elf Schüssen zu, bevor er nach 10:18 Minuten im ersten Drittel vom Eis genommen wurde. Backup Stuart Skinner kam für ihn in die Partie und konnte in der Folgezeit alle 31 Schüsse der Gegner entschärfen. "Wenn man sich einige der Tore ansieht, die heute gegen uns gefallen sind, denke ich, dass wir vor unserem Tor nicht so durchsetzungsfähig oder hart gearbeitet haben, wie wir es normalerweise können", nahm Woodcroft seinen Nummer-1-Goalie in Schutz.
Auf der anderen Seite herrschte nach der Schlusssirene mehr Zufriedenheit. "Ich denke, wir haben ein wirklich starkes Spiel gemacht", freute sich Flames-Trainer Darryl Sutter. "Im zweiten Drittel wussten wir, dass sie mit einem Vorstoß kommen würden, und das taten sie früh. ... Ich denke, wir haben im Großen und Ganzen einen guten Job gemacht."
"Das erste Drittel war gut. Wir kamen mit viel Energie aus der Kabine und haben einige gute Dinge getan", sagte Matchwinner Stone. "Im zweiten Drittel haben wir uns ein wenig zurückfallen lassen, aber wir haben es geschafft, das Spiel im dritten Drittel wieder zu drehen und das Spiel gut zu Ende zu bringen. Wir sind nicht in Panik geraten. Wir wissen, was es braucht, um zu gewinnen, und welche Kleinigkeiten man tun muss, um in dieser Liga erfolgreich zu sein."