Moritz Seider

Moritz Seider hat schon in seinem ersten NHL-Jahr das geschafft, wozu andere deutsche Verteidiger vor ihm lange gebraucht oder überwiegend nie erreicht haben. Mit 50 Scorerpunkten stellt er den Saisonrekord von Christian Ehrhoff aus der Saison 2010/11 ein und damit den deutschen Punkte-Rekord für einen Verteidiger in der NHL.

Diese Entwicklung war nicht unbedingt vorauszusehen. Es ist schon länger unbestritten, dass Detroits General Manager Steve Yzerman ein Clou gelungen ist, als er Seider im NHL Draft 2019 bereits an 6. Position auswählte. Der junge Deutsche wurde in der vergangenen Saison als bester Verteidiger in der schwedischen Liga ausgezeichnet. Doch dass Seider bereits in seiner ersten NHL-Saison auch offensiv überaus erfolgreich sein würde, war so nicht absehbar.
"Man sieht nicht so viele junge Verteidiger, die auf dem Level von Moritz sind", zeigte sich sein Trainer bei den Red Wings Jeff Blashill noch im Februar begeistert. "Das unterstreicht, wie gut sein Jahr ist. Ich bin aber ehrlich gesagt selbst überrascht, dass er offensiv so überzeugt."

DET@NJD: Seider trifft am Innenpfosten

Wie schwer es ist, so viele Punkte in der NHL zu holen, zeigt auch der Saisonverlauf von Seider. In den ersten 54 Spielen verbuchte er 40 Punkte (0,74 Punkte pro Spiel), ehe er für die fehlenden zehn Zähler zum Rekord 28 weitere Partien bis zur letzten der Saison benötigte (0,36). Seine Produktion sank also in letzten Drittel der Saison um mehr als die Hälfte im Vergleich zu davor.
Die Leistung von Seider ruft trotzdem, aber auch verständlicherweise unter einer Reihe der deutschen Eishockey-Prominenz, die NHL.com/de zu diesem Anlass exklusiv befragt hat, viel Respekt hervor. Zu allererst soll aber derjenige ehemalige NHL-Profi zu Wort gekommen, dessen Rekord der Rookie von Detroit einholte.
"Es freut mich, wenn er die 50 Punkte knackt", äußert sich Ehrhoff. "Moritz Seider ist ein unglaublich super Spieler. Ich freue mich, seine Entwicklung zu verfolgen. Er ist ja noch ganz am Anfang in seiner Rookie-Season. Was er die letzten Jahre bereits geleistet hat, ist beachtlich. Auch bei der Weltmeisterschaft für Deutschland, da war er der beste und wichtigste Spieler. Das ist einfach toll anzusehen, wie er Eishockey spielt. Ich freue mich für ihn, dass er in dem Alter bereits soweit ist. Er wird uns in Zukunft noch ganz viel Spaß bereiten."

DET@CAR: Seider verwandelt einen Pass von Larkin

Eine Entwicklung, die DEB-Präsident Franz Reindl ganz besonders freut. "Moritz erfüllt sich mehr als den Traum eines jeden Eishockeyspielers", betont der erste Mann im deutschen Eishockey. "Ich drücke ihm ganz fest die Daumen dafür, dass er den eingeschlagenen Weg auf diesem Niveau fortsetzen kann. Seine Entwicklung ist ein unglaublich positives Signal für die Nachwuchsarbeit in Erfurt, Mannheim und ganz Deutschland."
Marco Sturm weiß, wie schwer es ist, in der NHL erfolgreich zu sein. Er hat in seiner Karriere als NHL-Stürmer in 938 Spielen 487 Punkte (0,519) gesammelt. Deswegen zollt er dem Youngster viel Respekt. "Moritz Seider ist ein besonderer Spieler und das beweist er bereits in dieser Saison", lobt Sturm. "Detroit hat ihn in den letzten Jahren in Europa und in der Minor League sehr gut entwickelt. Meiner Meinung nach hat das dazu beigetragen, dass er effektiver ist als alle anderen jungen Verteidiger. Sein Spiel und seine Leistungen haben bereits einen großen Einfluss auf unsere jungen Spieler in Deutschland. Aber wir wissen auch, dass das erst der Anfang einer großen Karriere ist."
Einer, der in seiner NHL-Laufbahn ähnlich erfolgreich wie Sturm war, ist Jochen Hecht. Der frühere NHL-Stürmer zeigt sich überrascht von Seiders früher Entwicklung. "Das hätte ich nicht erwartet, dass er so einschlägt, wie er das tut", räumt Hecht ein. "Detroit war geduldig mit ihm, hat ihn erst einmal im Farmteam und in Europa entwickeln lassen. Es war klar, dass es nur eine Frage der Zeit wäre, bis er in der NHL spielen würde und ein Star wird. Aber dass er schon in seiner ersten Saison so gut spielen würde, war nicht zu erwarten."
Von Seiders Offensivqualitäten ist auch Dennis Seidenberg angetan. Der langjährige NHL-Verteidiger und Stanley Cup Sieger von 2011 ist beeindruckt, was Seider leistet. "Jeder hat gewusst, dass er ein sehr guter defensiver Verteidiger ist, aber dass er offensiv so explosiv ist, das habe ich nicht gewusst", bekennt Seidenberg. "Umso schöner noch einmal einen deutschen Eishockeyspieler zu haben, der sehr dominant und sehr jung in seiner Karriere ist. Wir können noch sehr viel von ihm erwarten und viele Erfolge von ihm mitverfolgen. Das ist, ehrlich gesagt, sehr beeindruckend und es freut mich unheimlich für ihn.

PHI@DET: Seider mit einem Überzahltreffer

"Einer, der sich für Seider ebenfalls freut, ist Marcel Goc. Der frühere NHL-Stürmer kennt Seider schon aus seiner Zeit bei den Adler Mannheim. "Hinterher lässt sich das leicht sagen, aber ja, das habe ich von ihm erwartet", bekennt Goc freimütig. "Es war mir klar, dass er das schon in sich hat, so einzuschlagen und auf sich aufmerksam zu machen. Er hat in den Jahren davor einen Riesenschritt gemacht und das hat er mit dem Verteidiger des Jahres in Schweden bestätigt bekommen. Das hat sein Selbstbewusstsein und den Glauben an sich bestärkt. Ich habe ja gesehen, wie er im Sommer hart trainiert hat und ich dachte nur 'Ok, der Junge hat was vor'. Und im Training war zu sehen, wozu er in der Lage ist. Die Luft nach oben ist trotzdem noch da und er wird weiter seinen Weg gehen. Ich wünsche ihm natürlich nur das Beste, dass er seine gesteckten Ziele auch erreicht."
Das letzte Wort gebührt dem besten deutschen Spieler aller Zeiten, auch wenn er erst 26 Jahre ist und noch mitten in seiner Karriere steckt. Leon Draisaitl von den Edmonton Oilers hält mittlerweile alle deutschen NHL-Rekorde, zumindest die für seinen Bereich als Stürmer. Er schwärmt ebenfalls von Seider. "Es ist sehr beeindruckend zu sehen, was Moritz so früh in seiner NHL-Karriere leistet", bestätigt Draisaitl. "Er tritt in die Fußstapfen anderer großer deutscher Verteidiger wie Seidenberg und Ehrhoff und ist ein weiteres großes Vorbild für junge Spieler in Deutschland, da er weiterhin neue Rekorde aufstellt."
Auch wenn Seider sich gegen Ende schwer tat, so exzellent zu punkten, wie er es am Anfang tat, ist davon auszugehen, dass er sich und seine Ausbeute in den kommenden Jahren ohnehin noch steigern wird. Aber was er erreicht hat, ist ihm schon nicht mehr zu nehmen und davor kann ganz Eishockey-Deutschland nur den Hut ziehen. Und natürlich drücken alle die Daumen, dass es zur Calder Trophy für den besten Rookie der NHL-Saison reicht. Es wäre die perfekte Abrundung, dass Seider bereits jetzt Geschichte schrieb.