041823 Reinbacher

Der NHL Draft 2023 findet am 28. (1. Runde) und 29. Juni (Runden 2 bis 7) in der Bridgestone Arena in Nashville statt. Dabei machen sich Talente aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die Hoffnung, von einem der 32 NHL-Teams ausgewählt zu werden. In der Woche vor dem Draft stellte NHL.com/de die besten Prospects vor.

In dieser Ausgabe: David Reinbacher

Das österreichische Eishockey hat in seiner Geschichte bereits vier Erstrunden-Picks hervorgebracht: Thomas Vanek (Draft 2003, 5. Stelle, Buffalo Sabres), Michael Grabner (Draft 2006, 14. Stelle, Vancouver Canucks), Marco Rossi (Draft 2020, 9. Stelle, Minnesota Wild) und Marco Kasper (Draft 2022, 8. Stelle, Detroit Red Wings). Im Jahr 2023 könnte erstmals auch ein Verteidiger in der ersten Runde gezogen werden: David Reinbacher wird sogar unter den ersten zehn Picks gehandelt und soll zum "Österreichischen Seider" werden.

Der österreichische Seider?

"Er hat schon mehrfach aufgezeigt, was er kann", sagt Philipp Pinter, der aktuelle U18- und ehemalige U20-Nationaltrainer Österreichs, also Reinbachers Ex-Coach, und zählt auf: "Er ist läuferisch sehr gut, hat eine super Größe, schießt rechts, schaltet sich gerne ins Spielgeschehen ein, egal gegen welchen Gegner, hat einen riesigen Drang nach vorne und traut sich, in die Zweikämpfe zu gehen. Er spielt rotzfrech."

Eine Beschreibung, die auch auf den deutschen Verteidiger Moritz Seider zutreffen könnte, der im Draft 2019 in der 1. Runde überraschend früh an 6. Stelle von den Detroit Red Wings ausgewählt worden war, seit der Saison 2021/22 die NHL aufmischt und 2022 sogar mit der Calder Trophy für den besten Rookie des Jahres ausgezeichnet wurde.

ProSieben MAXX: Seider erzielt ein Tor in Unterzahl

Den Vergleich findet auch Pinter passend: "Womöglich wird er der österreichische Mo Seider", sagt er. "Seider ist körperlich sehr präsent und hat viel Ruhe an der Scheibe. So habe ich auch Reinbacher gesehen."

Draft-Experten schätzen, dass der 1,89 Meter große und 85 Kilogramm schwere Österreicher zwischen Pick acht und Pick 20 gedraftet wird. Pinter glaubt jedoch an eine Überraschung: "Ich vermute, dass David zu den Montreal Canadiens oder den Arizona Coyotes wird, also an 5. oder 6. Stelle gedraftet wird. Ich habe da so ein Gefühl und habe bei den Gesprächen der Scouts genau zugehört. Sie wollen einen Spieler mit seiner Größe haben. Sollten sie einen Verteidiger bevorzugen, dann werden sie bei ihm zugreifen."

Ein "giftiger Hund"

Reinbacher zog es schon früh in die Schweiz, wo er seine Ausbildung genoss. Schon im Juniorenbereich zeigte der Rechtsschütze seine Zwei-Wege-Qualitäten, agierte stabil in der Defensive und gefährlich in der Offensive. In der abgelaufenen Saison 2022/23 gab er für den EHC Kloten sein Debüt in der höchsten Schweizer Spielklasse NL und beeindruckte mit 22 Punkten (3-19-22) in 46 Spielen. Hinzu kamen noch einmal zwei Punkte (1-1-2) in drei Playoff-Partien. Im Alter von 18 Jahren zeigte der Abwehrmann also schon eine außergewöhnliche Reife - wohlgemerkt in einer sehr schnellen und offensiv-geprägten Profi-Liga.

"In der Schweiz hatte er genau den richten Coach zur richtigen Zeit gehabt, der das Potenzial in ihm gesehen hat. Er darf Fehler machen und hat sich seinen Offensiv-Touch beibehalten. Das macht ihn so stark. Ich bin wirklich ein großer Fan von ihm. Er ist, wie wir hier in Kärnten sagen, ein giftiger Hund", so der Villacher Pinter. "In jeglichen Zweikampf- und Box-Out-Situationen hat er keine Scheu, auf Kontakt zu gehen. Defensiv ist er super verlässlich. Er spielt einen unglaublich guten Stock, liest Spielsituationen und hat eine gute Entscheidungsfindung."

Enormes Potenzial

In Austrias U-Mannschaften spielte Reinbacher unter Pinter sowohl in Unterzahl als auch im Powerplay. Insbesondere die großen Entwicklungsschritte des in Hohenems im Bundesland Vorarlberg geborenen Talents ist beeindruckend. So gab Reinbacher bei der Weltmeisterschaft 2023 in Finnland und Lettland sein WM-Debüt für Österreich (vier Spiele, 0-1-1): "Was mir imponiert hat, ist, dass er bei der U20-WM im August unglaublich gut spielt und im Dezember einen noch größeren Sprung gemacht hat", erinnert sich Pinter. "Vier Monate später in der A-Nationalmannschaft war es wieder ein größerer Sprung. Es ist kaum abzusehen, wo die Grenze seiner Entwicklung sein wird. Es ist beeindruckend, wie schnell und gut er sich adaptiert. Dazu ist er sympathisch, bodenständig und selbstbewusst."

Weitere Eigenschaften, die genauso auch auf Seider zutreffen würden. Reinbacher gilt also schon jetzt als österreichischer Seider und könnte sogar eine Stelle früher gedraftet werden. Der NHL Draft 2023 am 28. Juni wird es zeigen.