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Ein Zwischenfazit nach dem ersten Saisonviertel

Derzeit haben alle 31 Teams rund 20 Begegnungen der Saison 2017/18 absolviert, Zeit für einen Blick auf die Tabelle

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

An jedem Montag der Spielzeit 2017/18 wird NHL.com/de an dieser Stelle nach Themen suchen, welche etwas abseits des täglichen Spielgeschehens liegen und die Themen beleuchten, welche den Puls der Liga im Hintergrund bestimmen. Sportliche Krisen, ein intensiverer Blick auf die aktuellsten Themen der NHL, grundsätzliche Entwicklungen welche die Diskussionen derzeit bestimmen. Wir sorgen dafür, dass nichts davon unbeachtet bleibt.

Heute beschäftigen wir uns ausführlicher mit dem Verlauf des ersten Saisonviertels.

So schnell geht das also. Schaut ein Beobachter in diesen Tagen einmal über die NHL-Statistiken, dann stellt er fest, dass inzwischen schon wieder rund ein Viertel der laufenden Hauptrunde absolviert ist, die 31 Franchises rund 20 Spiele seit Anfang Oktober bestritten haben. Es ist die Zeit einen ersten längeren Blick auf die Tabelle(n) zu werfen, sich ein paar Gedanken über bisherige Gewinner und Verlierer dieser Runde zu machen und auch auf die kommenden Wochen und Monate, bis zur endgültigen Vergabe der 16 zu vergebenden Playoff-Plätze im April 2018, zu schauen.

Listet man alle Teams nach der Anzahl der bisher errungenen Zähler einmal fein säuberlich auf, dann fällt sicherlich vielen als erstes auf, dass das neue Franchise, die Vegas Golden Knights, welche vor Saisonstart als ein krasser Außenseiter in das Rennen um die KO-Plätze gegangen waren, aktuell dermaßen gut dastehen, wie es wohl kaum jemand von ihnen erwartet hätte.

Von ihren ersten 19 Begegnungen haben die Golden Knights schier unglaubliche zwölf gewonnen. Von neun Heimspielen konnten sie acht am Ende siegreich beenden. Und das trotz eines ungewöhnlich großen Verletzungspechs auf der neuralgischen Torhüterposition. Der sichere Rückhalt Marc-Andre Fleury, um den die Mannschaft hätte aufgebaut werden sollen, konnte lediglich in vier Begegnungen, von denen das Team drei gewann, eingesetzt werden. Er stand jedoch nach dem 13. Oktober nicht mehr im Kader der Golden Knights.

Video: VGK@DAL: Neal mit seinem zweiten Tor des Abends

Das Team startete in die Saison auf einem für ein Expansion-Team rekordverdächtigen Niveau, ließ sich auch zuletzt von einigen Auswärtsniederlagen nicht irritieren und hielt überraschend stabil seine Form. Diese Truppe dürfte den Eishockeyfreunden in aller Welt bisher den meisten Spaß bereitet haben. Respekt dafür!

Angeführt wird die Liga nach Punkten zurzeit von den Tampa Bay Lightning. Das ist in dieser Form nicht erwartet worden, da das Team im Vorjahr die KO-Phase doch knapp verpasst hat. Aktuell stehen nach 20 Spielen bereits 32 Zähler auf der Habenseite der Lightning. Und mit einem Torverhältnis von +28 liegt Tampa Bay auch in dieser Kategorie ligaweit ganz vorne.

Auffällig ist zudem, dass auch viele Spielerstatistiken in diesen Tagen von Aktiven der 'Bolts' dominiert werden. Das fängt bei den Torhütern an, unter denen Andrei Vasilevskiy mit 14 Siegen die meisten aller Goalies auf dem Konto hat, setzt sich dann über die Stürmer Steven Stamkos und Nikita Kucherov fort, die als einzige Spieler bereits über 30 Zähler ansammeln konnten.

Video: TBL@LAK: Kucherovs schöner Breakaway-Treffer

Ebenfalls unter den fünf punktbesten Teams finden sich die St. Louis Blues, die Toronto Maple Leafs und die Winnipeg Jets. Bei den Jets, die im vergangenen Frühjahr die Playoffs verpasst hatten, ist das nicht zu erwarten gewesen.

Mit Toronto und St. Louis war in der Spitzengruppe zu rechnen gewesen. Die Los Angeles Kings stehen, nach einem tollen Saisonstart, den die Südkalifornier mehr und mehr verspielen schien, derzeit mit 26 Zählern auf Rang 5 prima da.

Enttäuschend im Mittelfeld rangiert der Titelverteidiger aus Pittsburgh. Die Pittsburgh Penguins hatten nach den wiederholten Feierlichkeiten rund um den Stanley Cup offenkundig Startschwierigkeiten, was bei einem Team, das zu einem solchen großen Triumph kam, nicht wirklich unerklärlich ist.

Superstar Sidney Crosby, der zuletzt eine lange Durststrecke in Sachen Torerfolg zu überstehen hatte, und seine Teamkollegen sind mit ihrer deutlich negativen Tordifferenz von -16 noch weit entfernt von den eigenen Ansprüchen. Elf Siege aus den ersten 22 Spielen, das entspricht nicht den an das Team gesetzten Ansprüchen.

Bis zur 'Crunchtime' im Frühjahr sollte das von einer Mannschaft, die über so viel Routine verfügt wie die 'Pens', noch relativ komfortabel geradezurücken sein.

Auch ein Blick in den derzeitigen Tabellenkeller, auf die Teams mit den wenigsten Zählern, birgt einige namhafte Überraschungen. Mit den Arizona Coyotes und den Buffalo Sabres, welche derzeit die beiden letzten Plätze belegen, war dort unten zu rechnen, doch mit den Edmonton Oilers und den Montreal Canadiens, die gerade einmal 16 bzw. 18 Zähler auf ihrem Habenkonto haben, ganz bestimmt nicht. Diese beiden Franchises waren ursprünglich einmal angetreten um ein ernsthaftes Wort bei der Titelvergabe mitzureden.

Aus deutscher Sicht ist selbstverständlich die bisherige Bilanz von den Oilers mit dem deutschen Stürmer Leon Draisaitl eine Ernüchterung. Das Team kommt einfach nicht recht in Schwung. Zwar gab es immer wieder vereinzelt tolle Spiele zu bestaunen, doch folgt dann, mit unschöner Regelmäßigkeit, ein entsprechender Rückschlag.

Noch ist ausreichend Zeit die Lücke in der Tabelle zu schließen, sollte man mal in einen Positivlauf kommen - das Potenzial dazu hat das Franchise auf jeden Fall, doch nun sollte es schnell gehen.

Die Oilers wären nicht das erste Team, welches plötzlich keinen Weg mehr aus dem Tabellenkeller findet.

In Montreal ist die Lage ähnlich. Zunächst wurden von vielen Beobachtern die Offensiv-Qualitäten des Kaders in Frage gestellt, dann geriet auch Carey Price, der zu den weltbesten Torhütern der vergangenen Jahre zählt, plötzlich in die Kritik.

Die Canadiens des Jahres 2017 verfügen über das Spielerpotenzial die Playoffs im Frühling des kommenden Jahres zu erreichen, doch fehlte es ihnen im ersten Saisonviertel noch deutlich an Konstanz und Ruhe.

Die traditionsreichen New York Rangers rund um den Österreicher Michael Grabner, die bis vor ein paar Spieltagen noch unten im Tabellenkeller zu finden waren, konnten sich durch einen kleinen Zwischenspurt, und die Rückgewinnung ihrer lange vermissten Heimstärke inzwischen wieder ins Mittelfeld der Liga zurückarbeiten. Ähnliches erwarten die Fans aus Edmonton und Montreal von ihren Teams.

Die derzeitigen Tabellenstände sind noch nicht endgültig in Stein gemeißelt, doch hat es sich in der Vergangenheit häufig gezeigt, dass ein Klub, gerät er erst einmal über einen längeren Zeitraum in ein gewisses Fahrwasser, plötzlich keine Kehrtwende mehr einschlagen kann.

Das sind erst einmal recht gute Nachrichten für die Teams aus Las Vegas, St. Louis, Tampa Bay, Toronto, Los Angeles und Winnipeg. Während sich die Teams in Arizona, Buffalo, Montreal, Edmonton, Florida schleunigst um eine dauerhafte und möglichst rasche Trendumkehr bemühen sollten, damit sie nicht bereits kurz nach Weihnachten keine realistische Chance auf eine Playoff-Teilnahme mehr haben.

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