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Vorbei ist die Euphorie nach dem Ende des Fluchs. Die Toronto Maple Leafs unterlagen am Freitag in Spiel fünf ihrer Best-of-seven-Serie der zweiten Runde der Stanley Cup Playoffs in der Eastern Conference gegen die Florida Panthers zu Hause in der Scotiabank Arena mit 2:3 nach Verlängerung. Damit schieden sie aus den Playoffs aus, nachdem sie in der ersten Runde erstmals seit 2004 eine Serie gewonnen hatten.

Schwächelnde Offensive verpasst den Start gegen einen starken Torhüter

"Wir haben die Serie in den ersten drei Spielen verloren", erklärte Torontos Trainer Sheldon Keefe. "Beim 2:1-Sieg in Spiel vier haben wir wirklich gut gespielt. Auch heute haben wir gut genug gespielt, um Spiel fünf zu gewinnen. Aber in den ersten drei Spielen waren wir in einer ähnlichen Position, um die Spiele zu gewinnen, wie in Spiel vier und fünf. Da sind wir aber nicht gut mit der Situation umgegangen und haben unsere Chancen nicht genutzt. Es gab keinen Spielraum für Fehler mehr, weil wir die ersten drei Spiele verloren haben."

Die Abwehr der Maple Leafs konnte sich durchaus sehen lassen. 2,8 Tore kassierte man gegen die Panthers pro Partie, der drittbeste Wert der zweiten Runde. Mit 30,8 kassierten Torschüssen pro Spiel bewegte sich Toronto im Mittelfeld.

Am anderen Ende der Eisfläche schwächelten die Maple Leafs aber. Sie trafen in jedem Spiel nur zwei Mal und hatten von den acht Teams, die die erste Runde überstanden hatten, den schwächsten Angriff. Besonders der Kern der talentierten Starstürmer enttäuschte gegen Florida.

John Tavares, Auston Matthews, Mitch Marner und William Nylander erzielten gemeinsam nur drei Tore. In der regulären Saison hatten die vier zusammen 146 Tore und 351 Punkte gesammelt. In den letzten sieben Playoff-Spielen erzielte das Team nicht mehr als zwei Tore im Spiel, nachdem es in der regulären Saison mit 279 Toren den 11. Platz innehatte.

TOR@TBL, Sp6: Matthews zieht ab und trifft

Allerdings muss auch gesagt sein, dass Floridas Torwart Sergei Bobrovsky zu ungeahnten Höchstleistungen auflief. Allein in Spiel fünf hielt er 50 Schüsse. Er bestritt alle fünf Begegnungen der Serie und stoppte ganze 94,3 Prozent der Versuche auf sein Tor. Man kann Torontos Angreifern, besonders den Stars, nicht vorwerfen, dass sie nicht versucht hätten, Bobrovsky zu knacken. Die vier Kernspieler gaben insgesamt 91 Torschüsse ab und Bobrovsky sah sich mit 34,8 Schüssen pro Spiel konfrontiert. Kein Team schoss in dieser Runde öfter aufs Tor.

Toronto hat in den Playoffs zu Hause fünf von sechs Partien verloren, nachdem sie in der regulären Saison vor den eigenen Fans eine Bilanz von 27-8-6 erzielt hatten.

"Es ist echt hart", gab Matthews zu. "Man schaut sich in der Kabine um... Wir alle haben hart gekämpft und füreinander gearbeitet. Diese Truppe hält so eng zusammen wie keine andere, in der ich in sieben Jahren gespielt habe. Wir haben mit großartigen Leuten, großartigen Spielern gespielt und wir hatten eingeschworene Teams. Es tut weh, auszuscheiden und mit dieser Gruppe keine weitere Chance zu kriegen."

Der Wille mag dagewesen sein, doch den Maple Leafs fehlte der Opportunismus der Panthers, die es besser verstanden, sich in den entscheidenden Momenten durchzusetzen. Gleich zwei Mal gewann Florida in der Verlängerung. Ein weiterer deutlicher Unterschied zeigte sich bei den Special Teams. Toronto überstand nur 66,7 Prozent seiner Unterzahlsituationen und nutzte selbst lediglich 18,2 Prozent der Powerplays.

Forderungen nach Veränderungen

In kanadischen Eishockey-Hochburgen wie Toronto stehen Teams, Spieler und Funktionäre unter extremem öffentlichem Druck. Nach einer weiteren Enttäuschung, wie sie die Maple Leafs nun erlebten, ist die Kritik laut und nicht immer sachlich. Daher wird nach einer solchen Niederlage alles infrage gestellt. General Manager Kyle Dubas und Trainer Sheldon Keefe befinden sich auf wackligen Posten und selbst Spieler wie Matthews, Marner, Tavares und Nylander sehen sich Forderungen nach einem Personalwechsel ausgesetzt.

Tatsache ist aber, dass diese Kernspieler noch mindestens ein Jahr unter Vertrag stehen und vermutlich eine weitere Chance kriegen werden, in den Playoffs den nächsten Schritt zu machen.

Dubas, wenn er denn darf, wird im Sommer aber einiges zu tun haben. Sieben Stürmer und drei Verteidiger werden zu Unrestricted Free Agents. Diese Akteure im überlasteten Salary Cap unterzubringen oder zu ersetzen, wird keine leichte Aufgabe.

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In einer solchen Situation ist ein gut besetzter Prospect Pool Gold wert, um die Reihen kostengünstig aufzufüllen. Nachrückendes Talent ist in Torontos Organisation durchaus vorhanden, allerdings gibt es bei wichtigen Kandidaten gesundheitliche Fragezeichen.

Matthew Knies dürfte nächste Saison eine wichtige Rolle spielen. Er kam zu den Playoffs in den Kader und überzeugte mit seinen Leistungen. Weitere vielversprechende Spieler sind jedoch fraglich. Nick Robertson, der jüngere Bruder von Superstar Jason Robertson (Dallas Stars), war beinahe die kompletten beiden vergangenen Saisons verletzt. Sollte er jedoch gesund bleiben, könnte er eine beachtliche Verstärkung für die Offensive sein. Noch tragischer ist das Schicksal von Außenstürmer Rodion Amirov. Der 21-jährige Russe wird nächste Saison voraussichtlich nicht in der NHL antreten, da bei ihm Anfang 2022 Krebs diagnostiziert wurde und er sich weiter in Behandlung befindet.

Talent ist bei den Maple Leafs vorhanden, doch auch viele Ungewissheiten. Die Mannschaft hat aber das Potenzial, um auf die Fortschritte, die ihr mit dem Sieg in der ersten Runde der diesjährigen Playoffs gelangen, aufzubauen.