Die Los Angeles Kings haben es in Spiel 6 der ersten Runde der Stanley Cup Playoffs 2023 gegen die Edmonton Oilers zwar noch einmal hochspannend gemacht, am Ende aber verlor das Team am Samstagabend in der Crypto.com Arena mit 4:5 und verabschiedet sich damit in die Sommerpause. NHL.com/de analysiert die Gründe für das Aus der Kings.

Keine erfolgreiche Playoff-Serie seit neun Jahren
"Am Ende haben es ein paar einzelne Spielzüge entschieden. Sie haben zum richtigen Zeitpunkt getroffen, wir haben zum richtigen Zeitpunkt getroffen, aber sie haben einfach das letzte Tor erzielt", sagte Kings-Verteidiger Sean Durzi nach der entscheidenden Niederlage in Spiel 6.
Los Angeles war aus einen 0:1-, 1:3- und 3:4-Rückstand zurückgekommen, traf dabei zweimal im Powerplay und einmal in Unterzahl, deckte Edmontons Torwart Stuart Skinner (40 Saves, 90,9 Prozent Fangquote) mit 44 Schüssen (44:26) ein und warf 32 Checks (32:22) auf seine Gegenspieler. Am Ende aber erzielte Kailer Yamamoto 3:03 Minuten vor dem Ende das alles entscheidende Tor für die Oilers (56.).

EDM@LAK, Sp6: Yamamoto trifft im dritten Drittel

Die Kings haben seit ihrem Stanley Cup Sieg 2014 keine einzige Playoff-Serie mehr gewinnen können. Fünfmal schaffte es Los Angeles gar nicht erst in die Playoffs, viermal scheiterte das Team in der 1. Runde.
Defensive hält nicht stand
Die Gründe für das Aus in diesem Jahr sind schnell gefunden: Mit 25 Gegentoren in sechs Spielen (4,17 Gegentore/Spiel) stellten die Kings die schlechteste Defensive aller 16 Playoff-Teams und hatten mit nur 43,8 Prozent Erfolgsquote im Penalty Killing (7/16) auch das schlechteste Unterzahlspiel.
Oder anders gesagt: Los Angeles' Abwehr hielt gegen Edmontons gefürchtete Offensive sowie das brandgefährliche Oilers-Powerplay einfach nicht stand. Auch fanden die Kings kein Mittel gegen den deutschen Superstar und Playoff-Top-Torjäger Leon Draisaitl, der in sechs Aufeinandertreffen sieben Treffer und elf Scorerpunkte (7-4-11) markierte und bei 19 der 25 Kings-Gegentore auf dem Eis war.

EDM@LAK, Sp6: Draisaitl, McDavid im Zusammenspiel

"Sie haben ein Weg gefunden, die wichtigen Tore zu schießen, dabei waren ihre Bottom-Six-Jungs wichtig für sie. Ich glaube, dass das der Wendepunkt war. Wir haben solide gespielt, sie aber das ganze Spiel und wurden dafür belohnt", verwies Phillip Danault auf die gegnerische Offensivpower aus allen Reihen, denn Edmonton hatte gleich sieben Multi-Tore-Spieler.
Auch Kings-Torwart Joonas Korpisalo konnte keine Kohlen aus dem Feuer holen. Der Starter in allen sechs Spielen hatte einen Gegentorschnitt von 3,77 und eine Fangquote von 89,1 Prozent. Insbesondere in den letzten drei Partien, die L.A. allesamt verlor, konnte der Finne seinen Vorderleuten kaum Sicherheit geben (14 Gegentore, 5,24 Gegentore/Spiel, 83,9 Prozent Fangquote in diesem Zeitraum). Dazu ist zu sagen, dass Los Angeles seinen Schlussmann zu wenig unterstützte und mit durchschnittlich 33,5 gegnerischen Schüssen/Spiel sowie nur 95 geblockten Schüssen (im Schnitt 14,16 Blocks/Spiel) zu viel zuließ.
Fiala-Ausfall wog schwer
Sicherlich spielte auch die Verletzung des Schweizer Flügelflitzers Kevin Fiala eine Rolle. Der 26-Jährige aus St. Gallen verpasste die ersten drei Spiele wegen eine Unterkörperverletzung und meldete sich daraufhin mit sechs Punkten (ein Tor, fünf Assists) in drei Spielen eindrucksvoll zurück. Mit dieser Ausbeute war der Stürmer immerhin viertbester Playoff-Scorer bei den Kings - und das, obwohl er nur die Hälfte der Partien absolvieren konnte.

ARI@LAK: Fiala trifft doppelt und legt ein Tor auf

"Natürlich ist ein gesunder Kevin etwas anderes als ein verletzter. Wir haben ihn mit Sicherheit zu Beginn der Serie vermisst. Er ist aber stark zurückgekehrt und hat gut gespielt", befand Danault.
Dass Fiala ein Schlüsselspieler für die Kings ist, zeigte sich schon in der regulären Saison, in der er mit 72 Punkten (23 Tore, 49 Assists) in 69 Spielen der zweitbeste Scorer seiner Mannschaft war. Sein Vertrag läuft noch sechs weitere Jahre bis 2029.
Byfield, Vilardi & Co.: Viele Talente drängen sich auf
Die Entwicklung in Los Angeles aber schreitet trotz des erneuten Ausscheidens in der ersten Runde weiter voran. Stürmer wie Quinton Byfield (20), Arthur Kaliev (21), Rasmus Kupari (23), Jaret Anderson-Dolan (23), Gabriel Vilardi (23) und Mikey Anderson (23) sowie Verteidiger Durzi (24) sammelten wertvolle Playoff-Erfahrung, auf die sie in den nächsten Jahren aufbauen können.

043023 Mikey Anderson LAK

Zudem haben die Kings noch nicht alle ihre gedrafteten Talente ausgeschöpft. Helge Grans (20, NHL Draft 2020, 2. Runde, 35. Stelle), Kasper Simontaival (21, NHL Draft 2020, 3. Runde, 66. Stelle), Samuel Helenius (20, NHL Draft 2021, 2. Runde, 59. Stelle), Jack Hughes (19, NHL Draft 2022, 2. Runde, 51. Stelle) sind interessante Prospects für die Zukunft.
Erste Schritte in der Liga gingen bereits die Verteidiger Brandt Clarke (20, NHL Draft 2021, 1. Runde, 8. Stelle) und Brock Faber (20, NHL Draft 2020, 2. Runde, 45. Stelle) sowie die Stürmer Francesco Pinelli (20, NHL Draft 2021, 2. Runde, 42. Stelle) und Alex Laferriere (21, NHL Draft 2020, 3. Runde, 83. Stelle).
Los Angeles dürfte für die Saison 2023/24 also einen breiten Block an jungen Spielern haben. Im NHL Draft 2023 allerdings fehlt den Kings ein Erstrunden-Pick.