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Die Leere im Rogers Place war spürbar - bei den Fans auf den Rängen und den Spielern auf dem Eis. Die Edmonton Oilers hatten am Sonntag Spiel 6 mit 2:5 gegen die Vegas Golden Knights verloren und waren damit in der 2. Runde der Stanley Cup Playoffs ausgeschieden. Eine herbe Enttäuschung für eine Mannschaft, die sich nicht weniger als den Gewinn des Stanley Cup als Ziel gesetzt hatte.

"Es tut weh", sagte ein sichtlich bewegter Leon Draisaitl nach dem Aus. "Es ist schwer, jetzt Worte dafür zu finden. Wir sind in dieser Saison angetreten, um zu gewinnen, und das haben wir auch. Wenn du es aber nicht zu Ende bringst, dann fühlt es sich nach Versagen an oder fast nach einem verlorenen Jahr. Es schmerzt."

NHL.com/de analysiert die Gründe für das frühe Scheitern der Edmonton Oilers.

Kaum Gefahr bei 5 gegen 5, Schwächen in der Defensive und im Tor

"Unsere Mannschaft ist schwer enttäuscht, dass wir unser Ziel nicht erreicht haben. Die Bereitschaft war da, unsere Spieler haben bis zum bitteren Ende alles gegeben", sagte Oilers-Trainer Jay Woodcroft. "Ich kann den Spielern keinen mangelnden Einsatz vorwerfen, es gab aber Bereiche in unserem Spiel, in denen wir besser hätten sein können."

Allen voran betrifft dies die Produktivität bei Gleichzahl: Bei 5 gegen 5 schoss Edmonton nur 24 Tore. Somit wurden lediglich 54,55 Prozent aller Oilers-Tore in den Playoffs bei gleicher Teamstärke auf dem Eis erzielt (24 von 44).

Edmonton lebte in der Offensive vor allem von seinem Powerplay und seinen Superstars. In Überzahl hatten die Oilers eine Erfolgsquote von 46,2 Prozent (18/39). Somit waren 40,9 Prozent aller Tore Powerplay-Treffer. Ausgerechnet im wichtigen Spiel 6 aber blieben die Golden Knights weiterstgehend von der Strafbank fern. Die einzige Powerplay-Möglichkeit ließ Edmonton ungenutzt verstreichen (0/1).

"Sie haben viele Dinge richtig gemacht, im dritten Drittel abgeriegelt und blitzsauber gespielt. Wir hatten trotzdem unsere Möglichkeiten, haben es aber nicht geschafft, ein Tor daraus zu machen. Wir konnten nicht mehr zurückkommen", haderte Oilers-Superstar Connor McDavid nach der ausschlaggebenden Niederlage gegen Vegas.

McDavid ist mit einer 8-12-20-Ausbeute aus zwölf Spielen im Moment der Playoff-Top-Scorer, Draisaitl mit 13 Treffern (13-5-18) der Top-Torjäger. An den beiden lag es also nicht, dass es Edmonton erneut nicht weiter schaffte. Es ist vielmehr die Abhängigkeit von diesem Duo, die seit Jahren ein Problem darstellt. Das zeigte sich insbesondere an Draisaitl, der in den letzten vier Spielen nur einen Assist beisteuerte und eine kumulierte Plus-Minus-Bilanz von -7 vorwies (alleine -4 in Spiel 6). Die Oilers verloren drei dieser vier Partien.

Ausgerechnet auf der Zielgeraden dieser Saison fehlte Edmonton die nötige Konstanz. Zwei Niederlagen hintereinander hatte es für die Oilers seit dem 25. und 27. Februar nicht mehr gegeben. Auch innerhalb eines Spiels leisteten sich die Kanadier immer wieder Aussetzer in der Defensive, die mit durchschnittlich 3,5 Toren nur Rang elf belegte.

"Wir waren nicht konstant genug", bestätigte Abwehrchef Darnell Nurse mit Blick auf die Serie gegen die Golden Knights. "Wenn du ihnen Chancen lässt, dann werden sie dich dafür bezahlen lassen." Draisaitl stimmte zu: "Sie haben gut und hart gegen uns gespielt. Wir haben als Mannschaft zu viele kleine Fehler in entscheidenden Situationen gemacht, die die Serie gegen uns entschieden haben."

Das Dauerthema Goaltending wird ebenfalls eines bleiben: Woodcroft legte sich auf Stuart Skinner als Starter fest und hielt vielleicht zu lange an ihm fest: Der in Edmonton geborene Torwart hatte mit 3,68 Gegentoren pro Spiel und 88,3 Prozent Fangquote schlechte Werte vorzuweisen und wurde viermal ausgewechselt. Ersatzmann Jack Campbell erhielt vier Einsätze, hatte deutlich bessere Zahlen (1,01 Gegentore/Spiel, 96,1 Prozent Fangquote), durfte aber kein einziges Mal starten.

"Ich habe lange darüber nachgedacht, aber am Ende gewinnen und verlieren wir als Team", so Woodcroft, der sich wohl nicht ganz uneigennützig vor seinen Torhüter stellte.

Draisaitl: Monster-Saison und eine Durststrecke zur Unzeit

Draisaitl legte in der regulären Saison mit 128 Scorerpunkten (52-67-128) ein Karrierejahr aufs Eis und lieferte in den Stanley Cup Playoffs zunächst ebenfalls auf Weltklasse-Niveau ab. Insgesamt stehen 18 Punkte (13-5-18) in zwölf Playoff-Partien zu Buche. In der Erstrundenserie gegen die Los Angeles Kings (4:2) kam Draisaitl auf 7-4-11 (3-2-5 im Powerplay), in den ersten zwei Spielen gegen Vegas auf sechs Tore (6-0-6). Danach aber ging fast nichts mehr: In den verbleibenden Spielen brachte es der Center nur noch auf einen Assist und hatte eine Plus-Minus-Bilanz von -7.

"Es ist immer schwer zu treffen. Die Gegner haben hart gegen mich gespielt, das weiß ich. Ich muss trotzdem einen Weg finden, besser zu sein", erklärte Draisaitl.

Leon Draisaitl setzt beeindruckende Playoffs fort

Blick in die Zukunft: Bouchard-Verlängerung genießt Priorität

Im Sommer laufen zehn Spielerverträge bei den Oilers aus. Diese betreffen fast ausschließlich die hinteren Reihen. Am wichtigsten dürfte die Verlängerung mit Powerplay-Quarterback Evan Bouchard sein, der Restricted Free Agent und nach starken Auftritten in den Playoffs (4-13-17 in zwölf Spielen; 4-11-15 in Überzahl) wohl kein Schnäppchen wird. Mit Unrestricted Free Agents, wie dem verletzungsanfälligen Verteidiger Oscar Klefbom oder Torwart-Routinier Mike Smith, könnte Edmonton ein wenig Gehaltsspielraum für eine Verlängerung freimachen. Die beiden Schlüsselspieler Draisaitl (bis 2025) und McDavid (bis 2026) sind noch länger vertraglich gebunden.

Neben Bouchard (23) haben die Oilers mit Abwehrmann Philip Broberg (21) sowie mit den Angreifern Ryan McLeod (23) und Dylan Holloway (21) weitere U23-Spieler eingesetzt. Erste Schritte in der NHL könnten die bereits gedrafteten Sturm-Talente Raphael Lavoie (22, Draft 2019, 2. Runde, 38. Stelle) und Xavier Bourgault (20, Draft 2021, 1. Runde, 22 Stelle) gehen. Im Draft 2023 hält Edmonton nur einen einzigen Pick in den ersten vier Runden (Zweitrundenpick, 57. Stelle). Viele hochkarätige Talente rücken bei den Oilers in nächster Zeit also nicht nach.