Golden Knights ziehen ins Stanley Cup Finale ein

Die Dallas Stars haben Spiel 6 im Western Conference Finale der Stanley Cup Playoffs 2023 mit 0:6 gegen die Vegas Golden Knights verloren und verabschiedeten sich mit einem Serien-Endstand von 2:4 in die Sommerpause. NHL.com/de analysiert die Gründe für das Ausscheiden und wagt einen Blick in die Zukunft.

Der Tank war leer

Zweimal schon stand Dallas in der Conference-Finalserie mit dem Rücken zur Wand und schaffte es, die Saison zu verlängern. Im dritten Elimination Game in Folge aber setzte es eine 0:6-Klatsche. Bereits nach dem ersten Drittel gerieten die Stars mit 0:3 in Rückstand. Der Grund für das Aus ist genauso banal wie einfach: Der Tank war leer.

"Das war bereits das vierte Elimination Game in diesen Playoffs, Vegas hatte dagegen kein einziges. Immer, wenn du in einem solchen Spiel gefordert bist, zahlst du physisch und mental einen Preis dafür. Es ist schwer, diesen dann immer und immer wieder aufzufüllen. Ich glaube nicht, dass da heute noch viel im Tank übrig war", sagte Stars-Trainer Peter DeBoer nach dem Aus. "Auf diesem Niveau zu spielen, verbraucht als Spieler viel Energie. Schon in Seattle sind wir in ein Spiel 7 gegangen und nun haben wir in dieser Serie drei Elimination-Spiele in Folge gespielt. Es ist also schwer, das gleich viermal hintereinander von deinen Spielern zu verlangen, insbesondere, wenn du gegen einen exzellenten Gegner spielst."

Auch die Rückkehr von Kapitän Jamie Benn, der nach zwei Spielen Sperre etwas ausgeruhter in die Aufstellung zurückgekehrt war, konnte Dallas nicht mehr entscheidend beflügeln. "Sie sind mit Härte aus der Kabine gekommen und haben ein paar frühe Tore geschossen, wir haben es wiederum nicht geschafft, ihren Torwart zu überwinden, um das Momentum zu bekommen. In so ein Loch wollten wir nicht fallen", sagte Benn.

Frühe Gegentore und ein körperlich robuster Gegner (36:32 Checks zu Gunsten der Golden Knights), der viele Schüsse blockte (23:12 Blocks) und sich dominant im Faceoff-Kreis präsentierte (54 Prozent gewonnene Bullys für Vegas), sorgten dafür, dass die Texaner im heimischen American Airlines Center den Schwung aus den vorausgegangenen beiden Spielen nicht mitnehmen konnten.

"Es waren viele Emotionen dabei nach dem Sieg in der Verlängerung (in Spiel 4) und dem Erfolg dank unserer Tiefe (in Spiel 5). Wir wollten es wieder tun. Das hat seinen Preis, aber wir haben trotzdem versucht, das Momentum zu behalten. Wir haben viel Charakter in der Mannschaft, der Glaube war groß, wir haben also nicht aufgegeben, was schön zu sehen war. Aber dieses Mal war es zu viel für uns", resümierte Routinier Joe Pavelski.

Pavelski, Stars bleiben mit Spiel-4-OT-Sieg am Leben

Bei einer Mannschaft, die nur zwei Siege davon entfernt war, ins Stanley Cup Finale einzuziehen, fällt es schwer, wirkliche Schwächen auszumachen. Konkret in der Serie gegen Vegas aber kassierte Dallas zu viele Gegentore (im Schnitt 3,5 pro Partie), war zu anfällig in Unterzahl (78,6 Prozent Erfolgsquote im Penalty Killing) und zeigte sich selbst zu wenig produktiv (2,0 Tore/Spiel).

Zu abhängig waren die Stars in den sechs Duellen mit den Golden Knights von Flügelstürmer Jason Robertson (5-1-6), der sich für knapp die Hälfte der Tore verantwortlich zeichnete (fünf von zwölf). Nur Robertson und Ty Dellandrea (2-0-2) erzielten mehr als einen Treffer in dieser Serie. Spieler wie Max Domi (0-2-2), Benn (1-0-1), Mason Marchment (0-0-0) oder Tyler Seguin (0-0-0) konnten ihr Offensivpotenzial dagegen kaum oder gar nicht abrufen. Entsprechend fehlte es an Secondary Scoring abgesehen von der Top-Reihe um Robertson, Roope Hintz (1-2-3) und Pavelski. Nummer-1-Center Heiskanen schloss als Playoff-Top-Scorer der Stars ab (10-14-24), konnte allerdings nicht an die starken Auftritte aus den ersten beiden Runden anknüpfen und blieb im Western Conference Finale ein wenig hinter den hohen Erwartungen zurück (1-2-3).

"Wir wissen, wie schwer es ist, in dieser Liga zu gewinnen, hatten aber das Gefühl, dass wir in diesem Jahr etwas hätten gewinnen können", so Verteidiger Miro Heiskanen. "Wir haben ziemlich gutes Hockey gespielt, es war aber nicht genug, um zu gewinnen. Wir haben für die nächste Saison fast dieselbe Mannschaft. Auch wenn es uns jetzt stinkt, so war es eine wichtige Erfahrung für uns."

Kern der Mannschaft bleibt zusammen - Junge Talente drängen sich auf

Im Sommer laufen bei Dallas lediglich die Verträge der Bottom-Six-Stürmer Max Domi (28), Evgenii Dadonov (34), Joel Kiviranta (27), Luke Clendening (34) und Fredrik Olofsson (27) sowie Top-6-Verteidiger Joel Hanley (31) aus. Top-Priorität dürfte die Verlängerung mit Ty Dellandrea (22) haben. Der Kern der Mannschaft bleibt also wohl zusammen.

Im Draft 2023 halten die Stars nur einen einzigen Pick in den ersten drei Runden: den eigene Zweitrunden-Pick.

Mit den Stürmern Wyatt Johnston (20), Dellandrea (22) und Robertson (23) sowie den Verteidigern Thomas Harley (21), Nils Lundqvist (22), und Heiskanen (23) sowie Torwart Jake Oettinger (24) hat Dallas viele junge Leistungsträger in seinen Reihen, deren Entwicklung jeweils noch nicht abgeschlossen ist.

VGK@DAL, Sp4: Robertson gleicht spät im 2. aus

In der Talente-Pipeline könnten sich Spieler wie Mavrik Bourque (21, Draft 2020, 1. Runde, 30 Stelle), Logan Stankoven (20, Draft 2021, 2. Runde, 47. Stelle), Christian Kyrou (19, Draft 2022, 2. Runde, 50. Stelle) oder der Schweizer Lian Bichsel (19, Draft 2022, 1. Runde, 18. Stelle) aufdrängen und im Training Camp für höhere Aufgaben empfehlen.