Ivan Provorov #9 of the Columbus Blue Jackets skates on the ice during the game against the at Nationwide Arena on April 4, 2026 in Columbus, Ohio. (Photo by Kirk Irwin/NHLI via Getty Images)

Die Columbus Blue Jackets sind am Montag sozusagen auf dem Sofa eliminiert worden, als die Philadelphia Flyers gegen die Carolina Hurricanes gewannen (3:2 n.P.). Das Team aus Ohio verpasst damit zum sechsten Mal in Folge die Teilnahme an den Stanley Cup Playoffs.

Alle wichtigen Szenen aus dem Spiel zwischen den Columbus Blue Jackets und den Boston Bruins

Die Gründe für das Aus

Wäre die NHL eine Eisdiele und ihre 32 Teams die Eissorten, so wären die Blue Jackets die Sorte Vanille: ganz gut, aber nicht außergewöhnlich.

In Nordamerika gibt es die Bezeichnung „Vanilla“, die genau dieses Mittelmaß beschreibt, tatsächlich. Columbus‘ 40-29-12-Bilanz mit 28 Siegen nach regulärer Spielzeit zeigt ganz klar: Es war in diesem Jahr zu viel Vanille. Das belegen auch alle Schlüsselstatistiken wie Offensive (3,02 Tore/Spiel; 17.), Defensive (3,07 Gegentore/Spiel; T-19.), Powerplay (19 Prozent Erfolgsquote; 22.), Penalty Killing (76,1 Prozent; 27.), gewonnene Faceoffs (50,6 Prozent; 14.), Checks (19,1 Hits/60 Minuten; 23.) und Blocks (14,3 Blocks/60 Minuten; 16.).

Bei genauerer Analyse der Team-Statistiken fallen jedoch mehr Gründe für das erneute Scheitern auf. So gingen insgesamt zwölf Spiele mit nur einem Tor Unterschied verloren (geteilter Top-Wert in der NHL). Nur 1234:07 Minuten lagen die Blue Jackets in Rückstand (3.), zu Hause gar nur 436:17 Minuten (1.), trotzdem setzte es insgesamt 41 Niederlagen, davon 20 auf Heim-Eis (20-12-8).

Ein Grund dafür könnten die vielen schlechten dritten Drittel sein. Columbus kommt im ersten auf eine Tordifferenz von +20 (4.), im zweiten auf +11 (7.) und im dritten Abschnitt auf -30 (31.). Zudem gelangen nur acht Siege nach einem anfänglichen Rückstand (T-28.) sowie nur fünf Comebacks im dritten Drittel (T-22.).

Zweifelsohne fehlte es vorne an der nötigen Durchschlagskraft. Das zeigen 1364 geschossene Blocks (4.) und nur 187 Stürmer-Tore (27.).

Zach Werenski war mit Abstand der beste Blue Jackets-Spieler in der laufenden Saison. In 74 Spielen brachte sich der Verteidiger mit einer 22-59-81-Ausbeute als Top-Favorit auf die Norris Trophy (bester Abwehrspieler der Saison) in Stellung. An seine Zahlen kam allerdings kein einziger Stürmer heran.

CHI@CBJ: Werenskis Schuss wird von zwei Gegenspielern ins Tor abgefälscht

Der beste Angreifer, Power Forward Kirill Marchenko, kommt auf 67 Punkte (75 Spiele, 27-40-67). Hinter ihm folgen die beiden Center Adam Fantilli (81 Spiele, 34-35-59) und Charlie Coyle (81 Spiele, 20-38-58). Danach klafft eine Scoring-Lücke von elf Punkten, ehe Boone Jenner (66 Spiele, 12-25-37) ein breites Mittelfeld anführt. Columbus mangelt es ganz klar an Qualität in der Spitze.

Von den Nachkäufen vor der NHL Trade Deadline schlug am ehesten noch Mason Marchment ein (38 Spiele, 15-16-31; kam vom Seattle Kraken), Danton Heinen (32 Spiele, 5-4-9; Pittsburgh Penguins), Conor Garland (20 Spiele, 5-2-7; Vancouver Canucks) und Egor Zamula (20 Spiele, 0-2-2; Philadelphia Flyers) blieben dagegen hinter den Erwartungen zurück.

Was für die Zukunft optimistisch stimmt

General Manager Don Waddell hatte mit dem am 12. Januar vollzogenem Trainerwechsel ein glückliches Händchen bewiesen. Unter Rick Bowness hatten die Blue Jackets einen 21-10-5-Record, holten 65,3 Prozent der Punkte und belegten in der „Bowness-Tabelle“ Platz 7 von 32. Zuvor unter Dean Evason hatte Columbus eine 19-19-7-Bilanz, holte 50 Prozent der Punkte und war 28. In der „Evason-Tabelle“. Das Franchise aus Ohio dürfte über weitere positive Effekte unter Bowness hoffen, wenn dieser das Team über den gesamten Sommer begleitet, einstellt und sein System vollends etabliert.

Positiv stimmt zudem die Entwicklung von Torwart Jet Greaves (25), der in seinem ersten Jahr als NHL-Starter grundsolide Leistungen brachte. In 54 Spielen hielt er 26 Siege fest (26-18-9) und kam auf einen Gegentorschnitt von 2,61, eine Fangquote von 90,8 Prozent sowie zwei Shutouts. Allerdings läuft sein Vertrag im Sommer aus, und die Blue Jackets haben mit Elvis Merzlikins einen recht teuren Backup (5,4 Mio. US-Dollar p.a.).

Die beste Nachricht ist, dass Werenski noch bis 2028 unter Vertrag steht und mit einem durchschnittlichen Jahressalär von 9,6 Millionen US-Dollar ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis hat. Mit erst 28 Jahren kommt Werenski erst noch ins beste Verteidiger-Alter und bildet den Kern zusammen mit den ebenfalls noch jungen und entwicklungsfähigen Marchenko (26), Greaves (25), Denton Mateychuk (21) und Fantilli (21).

Kent Johnson (21) hätte zu diesen Schlüsselspielern zählen sollen, doch erlebte er nach einem vorausgegangenen Karriere-Jahr in 2024/25 (68 Spiele, 24-33-57) nun einen heftigen Rückschlag in Sachen Produktivität (75 Spiele, 7-15-22). Beim fünften Pick aus dem NHL Draft 2021 besteht die große Hoffnung, dass der Knoten in seinem letzten Vertragsjahr noch einmal aufgeht.

Mit Power Forward Cayden Lindstrom weiß Columbus ein großes Talent in seinen Reihen. Der vierte Pick aus dem Draft 2024 bringt Reichweite (1,91 Meter), Physis (100 Kilogramm) und einen heftigen Schuss, doch leider auch eine lange Verletzungshistorie (unter anderem Bandscheibenvorfall) mit. Wie schnell der 20-jährige Kanadier auf NHL-Niveau helfen kann, bleibt abzuwarten. In der laufenden Saison absolvierte er 31 Spiele in der College-Liga NCAA und erzielte für die Michigan State University zehn Punkte (3-7-10). Zudem sammelte er 94 Strafminuten.

Auf lange Sicht sollen die Verteidiger Jackson Smith (Draft 2025, 1. Runde, 14. Stelle) und Charlie Elick (Draft 2024, 2. Runde, 36. Stelle) sowie die Torhüter Pyotr Andreyanov (Draft 2025, 1. Runde, 20. Stelle) und Evan Gardner (Draft 2024, 2. Runde, 60. Stelle) weiterhelfen. Sturm-Talente sind dagegen rar. Am ehesten sind Luca Del Bel Belluz (22, Draft 2022, 2. Runde, 44. Stelle), Mikael Pyyhtiä (24; Draft 2020, 4. Runde, 114. Stelle) oder Luca Pinelli (21; Draft 2023, 4. Runde, 114. Stelle) als Kandidaten zu nennen. Das Trio schnupperte bereits NHL-Luft und performte stark beim Farmteam Cleveland Monsters in der AHL.

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