'It ain't over till the fat lady sings' - Die Dallas Stars stellen, im Finale der Western Conference in den Stanley Cup Playoffs, genau diese Eishockey-Weisheit in den Blickpunkt. Nach einem 0:3-Serienrückstand gegen die Vegas Golden Knights siegten sie erst zuhause in Spiel 4 um dann am Samstag auch Spiel 5 der Serie, dieses Mal in Las Vegas, gewinnen zu können. Nach 60 Minuten stand es 4:2 für die Gäste, die nun am Montag darum kämpfen dürfen, die Serie auf sieben Matches zu verlängern.

Die Marschrichtung für Dallas war schon vor der Partie klar. Einzig ein Sieg kann das Ausscheiden verhindern. Vegas auf der anderen Seite wusste, dass eine Niederlage das Momentum vollends umschwingen lassen würde. Die beiden ersten Abschnitte zeigten einen ähnlichen Spielverlauf. Zweimal ging Vegas in Front, ehe sich die Stars binnen etwas zwei Minuten zurückmeldete.

DAL@VGK, Sp5: Stephenson im zweiten Drittel

Dallas unterstrich dabei die Nervenstärke, die Peter DeBoer schon am Vortag des wichtigen Spiels beschworen hatte. Jason Robertson beschrieb direkt nach der Partie den Blick auf die Gegentore: "Wir versuchen, unsere Selbstsicherheit wiederzuerlangen und lassen uns unser Momentum und unsere Emotionen nicht durch ein einziges Tor ruinieren."

Erst zwei anderen Teams gelang es zuvor in zwei aufeinanderfolgenden Begegnungen, in denen sie im Conference Finale oder Halbfinale hätten ausscheiden können, einen Rückstand zu drehen. Nur die Chicago Blackhawks (2014) und die Boston Bruins (1941) schafften das bislang. Beide Mannschaften zogen anschließend in das Finale ein. Chicago scheiterte dort an den Los Angeles Kings. Boston gewann den Titel.

Im Schlussabschnitt der Partie schlug dann die Stunde von Ty Dellandrea, der für Dallas doppelt einnetzte und der Held des Abends wurde. In den ersten beiden Spielen der Serie war Dellandrea noch als Healthy Scratch auf der Tribüne gesessen. "Das ist und da gibt es nichts zu beschönigen hart. Man versucht bereit zu sein und ein Teil des Ganzen zu bleiben", blickte der Angreifer zurück. "Ich bin einfach dankbar für die charakterstarke Mannschaft, die wir haben."

DAL@VGK, Sp5: Glendening ttrifft zum 1:1

Es war das erste Match von Dellandrea, in dem er mehr als einen Treffer erzielen konnte. Er ist erst der vierte Spieler dem dieses Kunststück, in der Runde vor dem Stanley Cup Finale gelang, als seine Mannschaft auszuscheiden drohte. Die anderen Spieler in dieser Gruppe sind Eddie Mazur (1953), Johnny Peirson (1948) und Charlie Sands (1933).

Besonders beeindruckend ist der zweite Erfolg der Stars unter Berücksichtigung der Ausfälle von Evgenii Dadonov und Jamie Benn, dessen Zwei-Spiele-Sperre nun abgelaufen ist. "Das ist unsere Mannschaft. Wir bekommen Leistung von jedem Spieler. Ein sehr beherzter Sieg, nachdem wir einige Spieler verloren hatten", unterstrich DeBoer die Mentalität der Mannschaft.

Robertson erklärte, dass die Ausfälle das Team nur teilweise beschäftigt hätten. Man habe zwar um die Situation bei Benn gewusst, dennoch ging es einfach nur darum zu gewinnen, um die Saison noch nicht beenden zu müssen. Robertson beschrieb dabei auch die Stimmung in Vegas als Punkt, mit dem man sich befassen müsse. Trotz der Fans der Golden Knights hätte Dallas ein starkes Spiel abgeliefert und er sei froh, dass es nun wieder nach Texas geht, wo auch Benn wieder zum Team stoßen wird.

Für DeBoer war die Beschreibung der Herangehensweise an Spiel 5 der Schlüssel zum Erfolg und für die kommenden Begegnungen wird der gleiche Ansatz gelten: "Wir sind hierher gefahren und haben darüber geredet, dass wir einen Bissen von dem Elefanten abbeißen wollen. Das haben wir heute Abend geschafft. Es sind noch einige Bissen übrig, aber mir gefällt unsere Mannschaft und ich würde nicht gegen sie wetten."

DAL@VGK, Sp5: Dellandrea sorgt für das 3:2

Das starke Nervenkostüm der Stars, die in jeder Partie am Abgrund balancieren, wird auch durch Jake Oettinger unterstrichen. Der Schlussmann parierte 27 Abschlüsse der Golden Knights und hielt Dallas so auf Siegkurs. "Wir hatten uns in eine sehr schwierige Lage gebracht", so der Schlussmann. "Wo wir jetzt stehen, das zeigt den Charakter und den Glauben, der in der Kabine vorherrscht. Wir haben bis hierhin unseren Job erledigt, aber leider stehen wir noch immer mit dem Rücken an der Wand."

Den nächsten Schritt von der Wand weg können die Stars am Montag (8 p.m. ET; NHL.tv; Di. 2 Uhr MESZ) machen. Dann empfangen sie Vegas zu Spiel 6 in Texas und könnten das Comeback in der Serie auf die Spitze treiben.