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Im Kader der Colorado Avalanche bewegte sich in den vergangenen eineinhalb Wochen einiges. Alleine seit dem 1. Juli verließen acht Spieler das Team als Free Agents. Fünf davon waren Stürmer, zudem können die Avalanche in der kommenden Saison verletzungsbedingt nicht auf ihren Kapitän Gabriel Landeskog bauen.

Mit Landeskog fällt einer der Starstürmer der Mannschaft aus. Neben Landsekog, der sich einer Operation am Knie unterziehen musste, schmerzen besonders die Abgänge von J.T. Compher und Evan Rodrigues. Compher war mit 52 Punkten (17 Tore, 35 Assists) der viertbeste Scorer der Avalanche, Rodrigues steuerte in 69 Spielen 39 Punkte (16 Tore, 23 Assists) bei. Angesichts dieser Ausfälle und Abgänge war klar, dass General Manager Chris MacFarland tätig werden müsste, um Colorados Offensive wieder zu verstärken.

Dafür führte der GM zwei Transfers durch und schlug bei den Free Agents zu. Bereits am 24. Juni traf er mit einem Transfer Vorbereitungen, mit dem er Ryan Johansen von den Nashville Predators nach Denver holte. Vier Tage später kam noch Ross Colton von den Tampa Bay Lightning, wobei dieser noch nicht unter Vertrag genommen wurde und noch als restricted Free Agent geführt wird. Am Samstag unterschrieb Miles Wood einen Vertrag über sechs Jahre und am Montag folgte die Verpflichtung von Jonathan Drouin.

Johansen war in der vergangenen Saison mit Abstand der punktbeste der vier neuen Spieler. In 67 Spielen erzielte er 54 Punkte (19 Tore, 35 Assists). Der 30-jährige Center bringt neben seiner Torgefahr viel Erfahrung und eine imposante Statur (1,90 Meter, 98 Kilogramm) mit sich.

"Ryan ist ein talentierter Veteran, der uns in den ersten beiden Reihen helfen kann", zeigte sich MacFarland mit seinem Coup zufrieden. "Er gibt uns eine physische Präsenz im Zentrum und gibt unserem Kader mehr Erfahrung und Führungsqualitäten. Wir freuen uns darauf, ihn im Team zu haben."

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Die physische Präsenz kann man keinem der Neuzugänge absprechen. Drouin ist mit 1,80 Meter der kleinste Spieler des Quartetts, bringt aber auch stolze 89 Kilogramm auf die Waage. In den vergangenen Jahren hatte er mit Verletzungen zu kämpfen, so auch in der abgelaufenen Spielzeit, als er nur 58-mal zum Einsatz kam und dabei 29 Punkte (2 Tore, 27 Assists) erzielte. In seinen beiden besten Saisons kam er auf jeweils 53 Punkte.

"Ich glaube, dass Drouins Fähigkeiten gut zu unseren Spitzenspielern passen. Ich kann mir vorstellen, dass er mit Nathan MacKinnon oder Johansen spielen wird, mit wem auch immer Bedsy (Trainer Jared Bednar) ihn sehen will. Diese Eiszeit muss er sich verdienen, aber seine spielerischen Fähigkeiten stehen nicht in Frage."

Für die Kombination mit Superstar MacKinnon würde sprechen, dass die beiden sich bereits aus der Saison 2011/12 kennen, als sie in der Quebec Major Junior Hockey League für die Halifax Mooseheads spielten. Drouin war immerhin der dritte Zug im NHL Draft 2013 (Tampa Bay), in dem MacKinnon als Nummer 1 an Colorado ging.

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Damit wären die ersten beiden Reihen der Avalanche wieder gut gefüllt. Die Zugänge von Wood und Colton sorgen für mehr Tiefe, Ersatz in den vorderen Reihen im Fall von Verletzungen und mehr Wettbewerb um die Plätze unter den Top-Six-Stürmern.

"Sowohl Wood, als auch Colton, waren in ihren vorherigen Teams Schlüsselspieler", erklärte MacFarland. "Ich denke, dass Bednar damit viel Flexibilität und verschiedene Optionen hat, um unterschiedliche Varianten auszuprobieren."

Wood erzielte in acht Saisons für die Devils 148 Punkte (78 Tore, 70 Assists) in 402 Partien. Vergangene Saison kam er auf 27 Zähler (13 Tore, 14 Assists).

"Miles ist ein großer, kräftiger und läuferisch starker Außenstürmer", lobte MacFarland Wood. "Seine Identität passt also zu der der Avs und dazu, wie wir spielen wollen. Er erinnert in seiner Spielweise etwas an eine Abrissbirne. Er macht vor dem Tor gute Arbeit und das wird gut in unser Team passen."

Colton überzeugte in seiner zweiten NHL Saison 2021/22 mit 39 Punkten (22 Tore, 17 Assists) und legte in der abgelaufenen Spielzeit 32 Punkte (16 Tore, 16 Assists) nach.

Mit Johansen haben die Avalanche einen neuen Scorer in ihren Reihen, dessen Statistik für sich spricht. Drouin, Wood und Colton sollten aber nicht unterschätzt und nur anhand ihrer Zahlen bewertet werden. Alle drei zeigten in den vergangenen Jahren immer wieder das Potenzial zu mehr und hätten bessere Zahlen erreichen können, wenn sie nicht durch Verletzungen, die oft schlechte Form ihrer Mannschaft, oder schlicht ein defensives System oder eine defensivere Rolle innerhalb des Teams gebremst worden wären. Der Szenenwechsel und Neuanfang bei den offensivstarken Avalanche könnte ihnen neuen Wind einhauchen. Insofern wäre es eine Win-Win-Situation.