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Es war der 56. Torschuss auf das von Torhüter John Vanbiesbrouck gehütete Gehäuse der Florida Panthers bei 4:31 Minuten in der dritten Verlängerung, also bei 104:31 Minuten Spielzeit, von Spiel 4 im Stanley Cup Finale 1996, der schließlich im Netz einschlug. Uwe Krupp hatte von der Blauen Linie in der Nähe der Bande zu seinem fünften Torschuss im Spiel angesetzt und den Puck beim Stand von 0:0 versenkt. Die Colorado Avalanche gewannen damit die Partie mit 1:0 und die Serie zum Gewinn ihres ersten Stanley Cup mit 4:0.

Für die Spieler und die Franchise heute noch ein besonderer Moment und Motivation für das, was in den kommenden Tagen vor ihnen liegt, wenn das Stanley Cup Finale 2022 gegen die Tampa Bay Lightning mit Spiel 1 am Mittwoch (8 p.m. ET, NHL.tv; Do. 2 Uhr MESZ) in der Ball Arena von Denver beginnt.
"Ich erinnere mich sehr gut daran, denn es war in der dritten Verlängerung", schildert der General Manager Joe Sakic, der damals als Kapitän selbst auf dem Eis stand, exklusiv gegenüber NHL.com/de beim Media Day am Dienstag einen Tag vor dem Auftakt zum Finale. "Wir waren alle so verdammt müde und selbst in der Umkleide in der Pause sind nicht mehr viele Worte gefallen, weil wir so fertig waren. Aber als dieser Puck reinging, da waren wir natürlich plötzlich nicht mehr müde, denn die Feierlichkeiten begannen unmittelbar und alle waren so glücklich."

Unvergessliche Momente: Uwe Krupp

Sakic erinnert sich aber auch an die besondere Situation von Krupp, der sich im sechsten Spiel der regulären Saison 1995/96 einen Kreuzbandriss zuzog und erst zu den Stanley Cup Playoffs 1996 zurückkehrte. "Aber (ich war) auch glücklich für ihn, denn er hat fast die gesamte Saison mit einer Verletzung verpasst und hat so hart gearbeitet, um zurückzukommen. Er ist so eine großartige Person, darum habe ich mich sehr für ihn gefreut. Er hat uns allen geholfen, dass unser Traum wahr wurde."
Die heutigen Teammitglieder der Avalanche können sich kaum an das mittlerweile mehr als 26 Jahre zurückliegende Ereignis erinnern bzw. haben das so wichtige Tor der Franchise-Geschichte nicht präsent. Doch langjährige Avalanche-Spieler wie Gabriel Landeskog kennt wenigstens die Videos von Krupps Tor.
"Wenn man lange Zeit Teil dieser Organisation ist, dann kommt man um dieses Tor nicht herum", sagt der 29-jährige schwedische Kapitän der Avalanche, der seit elf Jahren für Colorado spielt und damals erst fast vier Jahre alt war. "Solche Aufzeichnungen, wie es ist, mit einem einzigen Tor die Entscheidung zum Cup-Gewinn herbeizuführen, verdeutlichen uns, wie toll es ist, dieses Ziel irgendwann zu erreichen."
Auch 34-jährige Verteidiger Erik Johnson, der neben Landeskog einer der Dienstältesten Avalanche ist, kennt das legendäre Tor des Deutschen. "Ich habe es als Kind gesehen, dritte Overtime, ein 1:0 in einem Stanley Cup Finale, es war der Wahnsinn", meint er. "Seit Jahren arbeiten wir bei den Avalanche daran, zurück zu diesem Moment zu kommen und wir werden alles geben, um es in diesem Jahr wahrwerden zu lassen."

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Der 35-jährige Verteidiger Jack Johnson kennt das Tor weniger, doch er hat schon häufig zugesehen, wenn andere Spieler den Cup-Sieg feierten. Besonders bitter für ihn, dass er in der Saison 2011/12 bei den Los Angeles Kings anfing, aber im Frühjahr 2012, bevor diese den Stanley Cup gewannen, zu den Columbus Blue Jackets transferiert wurde. "Alles anzusehen, wenn der Cup gewonnen wird, ist für jeden von uns genug Motivation", erläutert der Verteidiger. "Man stellt sich dann vor, wie es sich anfühlt und sein wird und wir haben jetzt die großartige Möglichkeit, es selbst zu erleben. Von daher sind wir so sehr motiviert und erfreut darüber, wie wir es nur sein können."
Stürmer Nicolas Aube-Kubel, der am 10. Mai 1996, also genau einen Monat vor dem ersten Cupgewinn der Avalanche, geboren wurde, will sich das Tor von Krupp in Kürze einmal ansehen. "Ich glaube, dass jetzt in Kürze eine Dokumentation herauskommen wird, da freue ich mich darauf, es das erste Mal zu sehen", sagt er. "Ich bin zu jung, um die Avs live gewinnen gesehen zu haben. Ich habe mir bis jetzt nicht so viel aus den Bildern der Vergangenheit gemacht, aber klar ist das die Geschichte unseres Teams und die sollte uns inspirieren. Wir wollen in diesem Jahr ein weiteres Kapitel dieser Geschichte schreiben."

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Für die Stürmer Artturi Lehkonen und besonders Krupps Landsmann Nico Sturm sind solche Tore etwas Besonderes. "Ja, man kann aus solchen Momenten schon einiges an Motivation ziehen, aber letztendlich ist das Jetzt entscheidend", betont Lehkonen. "Wir müssen das jetzt umsetzen, um einen weiteren historischen Moment für die Franchise und uns zu schaffen."
"Jeder Spieler, der einmal am Tagträumen ist, wünscht sich ein entscheidendes Tor dieser Art, besonders in einer Overtime, zu schießen", meint Sturm. "Das sind spezielle Momente und das Tor von Uwe Krupp ist natürlich legendär."
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Der Finne Mikko Rantanen ist einer der wenigen, der das Tor von Krupp genau vor Augen hat. "Ich habe es mehrfach gesehen, er hatte von der Blauen Linie abgezogen und er ging rein, ein phantastischer Moment", erzählt der Stürmer. "Natürlich gibt es uns viel Motivation, wenn man die Bilder sieht, als die Organisation zwei Cups gewonnen hat. Joe war damals der Kapitän und heute ist er unser GM, damit ist er heute in unserer Nähe, was großartig für uns ist. Es ist eine großartige Organisation mit vielen großen Momenten. Nun liegt es an uns, diese Geschichte weiter zu schreiben."
Und wenn es erneut in der dritten Verlängerung von Spiel 4 oder später sein wird.