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Avalanche-Warning in der Central Division

NHL.com/de 31 in 31: Colorado will durch weitere Verstärkungen näher an den ultimativen Preis herankommen

von Stefan Herget @NHLde / NHL.com/de Chefautor

Ab dem 1. August nimmt NHL.com/de mit seiner 31 in 31 Serie jedes Team genauer unter die Lupe. Von den wichtigsten Geschehnissen und Spielern bis hin zu Stärken und Schwächen, bieten wir eine umfassende Bestandsaufnahme der Klubs in der Liga.

In dieser Ausgabe geht es um die Colorado Avalanche.

Zum zweiten Mal in Folge qualifizierten sich im Frühjahr die Colorado Avalanche unter Trainer Jared Bednar über den zweiten Wildcard-Platz in der Western Conference für die Stanley Cup Playoffs. Doch nach ihrer Niederlage in den Playoffs 2018 mit 2:4 in der Erstrundenserie gegen die Nashville Predators, schafften die Avalanche die Überraschung und schalteten 2019 die favorisierten Calgary Flames in fünf Spielen aus. Zum ersten Mal seit 2008 stand Colorado wieder in der zweiten Runde, in der allerdings gegen die San Jose Sharks Endstation war. Doch das tapfer kämpfende Team der Avalanche hielt sich wacker und unterlag erst im siebten Spiel.

Das zufriedenstellende Ende täuschte darüber hinweg, dass die Saison 2018/19 für die Avalanche eine äußerst schwierige mit Höhen aber auch einem langen Tief war. Nur sechs von 30 Spielen zwischen Anfang Dezember bis Mitte Februar konnten sie gewinnen und waren in einer schweren Krise, ehe ihre tolle Aufholjagd begann.

 

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Von den Erfolgen zum Saisonende ließen sich Bednar und General Manager Joe Sakic nicht blenden und vollzogen im Sommer notwendige Schritte, um in der kommenden Spielzeit konstanter aufzutreten und womöglich mit einer besseren Platzierung in die Playoffs einzuziehen.

"Playoffs haben Priorität", betonte Sakic. "Wir werden darüber hinaus versuchen, uns in der regulären Saison das Heimrecht zu erspielen. Unser Ziel ist es am Ende, den Stanley Cup zu gewinnen. Wir wollen während der regulären Saison besser und konstanter sein."

Die Schlüsselspieler

Die erste Sturmreihe um Kapitän Gabriel Landeskog, Center Nathan MacKinnon und Mikko Rantanen, dessen Vertragsunterschrift als Restricted Free Agent allerdings noch aussteht, wird eine tragende Säule sein. Die drei waren das punktbeste Trio der Mannschaft. MacKinnon verbuchte durch 41 Tore und 58 Assists 99 Punkte und wurde zum ersten Avalanche-Spieler, der seit Milan Hejduks 50 Tore-Saison 2002/03, diese Marke wieder erreichte. Hinter MacKinnon folgte Rantanen mit 31 Toren und 56 Vorlagen zu 87 Punkten sowie Landeskog mit 34 Toren und 41 Assists zu 75 Punkten. Ein Manko war, dass nach ihnen lange niemand kam und mit Tyson Barrie ein Verteidiger den vierten Scorer-Platz einnahm (59 Punkte).

Video: Top 10 Spielzüge aus 2018/19: Nathan MacKinnon

In der Verteidigung sollen Erik Johnson und Ian Cole die junge Riege um Samuel Girard und Cale Makar anführen, jedoch ist fraglich, ob Johnson aufgrund einer Schulter-Verletzung zum Saisonstart schon fit sein wird und Cole fällt mit Hüftproblemen ohnehin bis Dezember aus.

Die wichtige Position im Tor besetzt Philipp Grubauer, der an seine Leistungen aus dem März bis Mai anknüpfen soll, als er die Avalanche in die Playoffs und schließlich fast ins Western Conference Finale führte. Der 27-jährige Deutsche füllt damit erstmals in seiner Karriere die Position eines Nummer-1-Torhüters aus.  

Verstärkungen bringen mehr Tiefe

"Mir gefällt es, wie unser Team neu aufgestellt wurde und ich freue mich auf die neue Saison", erzählte Bednar, der im Juli seinen Vertrag um zwei Jahre verlängerte, freudig dem NHL Network. "Wir sind definitiv um einiges besser aufgestellt."

Die Topverpflichtung der Avalanche in diesem Sommer ist Nazem Kadri, der in einem Trade mit den Toronto Maple Leafs nach Denver kam und die Rolle des Centers in der zweiten Reihe ausfüllen soll. Für ihn musste Verteidiger Barrie geopfert werden, dessen Lücke sie mit Makar zu hoffen füllen. Der 20-jährige Defensivmann wurde in den Playoffs ins kalte Wasser geworfen und ging nicht unter, sondern überzeugte auf ganzer Linie.

"Es war eine sehr gute Erfahrung für ihn, das Team bereits kennenzulernen und dann in den Playoffs mitzuspielen", verdeutlichte Bednar. "Das kann ihn keiner mehr nehmen und er wird das auch in der kommenden Saison sicher umsetzen. Er wird sich so leichter tun."

Colorado holte mit Joonas Donskoi, Andre Burakovsky und Pierre-Edouard Bellemare weitere gestandene Profis, die für mehr Treffer aus den hinteren Reihen, Schnelligkeit und physisches Spiel sorgen sollen.

"Mit Kadri und Bellemare haben wir an Größe und Stärke auf der Center-Position zugelegt und es sind Spieler, die Bullys gewinnen können", schwärmte Bednar. "Das war auch ein großes Manko von uns in der vergangenen Saison."

Die Avalanche belegten mit 48,1 Prozent gewonnener Bullys nur den 26. Platz in der NHL. Hier ist deutlich Luft nach oben, wie Bednar richtig resultierte.

Sie können nachrücken

In der Verteidigung sind durch die Verletzungen von Johnson und Cole zunächst zwei Lücken offen und in die könnte bereits Bowen Byram stoßen. Der 18-jährige Verteidiger wurde beim NHL Draft 2019 an vierter Stelle gezogen und erzielte in der abgelaufenen Saison für die Vancouver Giants in der WHL in 67 Spielen 26 Tore und 45 Assists zu 71 Punkten. Gut möglich, dass er schon zu Saisonbeginn im Kader steht, sollte er im Trainingscamp die bisherigen Eindrücke bestätigen.

Für Verteidiger Connor Timmins, dem 32. Zug aus dem NHL Draft 2017, der wegen Problemen nach einer Gehirnerschütterung die komplette letzte Saison ausfiel, dürfte ein Einsatz noch zu früh kommen. Dies gilt auch für den im Matt Duchene Transfer am 5. November 2017 geholten Stürmer Vladislav Kamenev, der mit Verletzungen zu kämpfen hatte. Stürmer Alex Newhook, Zug Nummer 16 aus dem NHL Draft 2019, muss erst noch an körperlicher Stärke zulegen. Der 19-jährige Tscheche Martin Kaut, der im NHL Draft 2018 an 16. Stelle ausgewählt wurde, könnte bei Verletzungsproblemen eine Option werden.  

Stärken 

Ohne Frage scheint es in der Mannschaft der Avalanche einen großen Zusammenhalt zu geben. Nicht umsonst haben sie die tiefgehende Krise in der Saison 2018/19 erfolgreich gemeistert. Die Integration der Neuen in dieses Gefüge wird eine wichtige Aufgabe sein.   

"Es war eine geschäftige Off-Season", meinte Bednar. "Die Tiefe in unserem Kader war eines der großen Probleme. Wir benötigen mehr Tore aus den hinteren Reihen und mehr Erfahrung auf der Center-Position für die Bullys und einem kompletten Spiel."

Das Management um Sakic hat bei den von Bednar genannten Ansatzpunkten gute Arbeit geleistet, darin sind sich die Experten einig. Die voraussichtlichen Reihen sind mit den Neuzugängen wesentlich qualitativer besetzt. Davon werden auch die bewährten Spieler wie Colin Wilson, Matt Nieto, J.T. Compher und Tyson Jost profitieren. Aber auch die erste Reihe mit Landeskog, MacKinnon und Rantanen wird entlastet.

Video: SJS@COL, Sp6: Landeskog trifft in der Verlängerung

Ein kleines Fragezeichen steht über der Defensive, die gerade durch die Ausfälle von Johnson und Cole sehr jung besetzt ist. Hier wird eine große Verantwortung auf den Schultern von Makar und Girard lasten.

Eine Stärke ist das Torhüterspiel von Grubauer, der, wenn er seine Werte aus der bisherigen Karriere bestätigt, ein sicherer Rückhalt sein wird. Doch das Leistungsvermögen des neuen Backups Pavel Francouz ist fraglich, wenngleich er in seinen beiden Einsätzen in 2018/19 trotz zwei Niederlagen seine Klasse andeuten konnte.

Entwicklungspotenzial

Bei den Special Teams waren gerade das Unterzahlspiel mit 78,7 Prozent Erfolgsquote (25.) unterdurchschnittlich und selbst das Powerplay ist mit 22 Prozent (7. ligaweit) ausbaufähig. Diese Statistiken spiegeln sich auch bei der Torerzielung (3,15 Tore pro Spiel, 10.) und den Gegentreffern (2,98 pro Spiel; 16.) wider. Gerade die Defensive muss effektiver arbeiten. Hier sind Grubauer und seine Vorderleute gefordert.

Wie in den vorherigen Kapiteln angedeutet, wird ebenfalls wichtig sein, dass hinter der ersten Reihe mehr Tore produziert werden. Außerdem müssen die Center beim Bully zulegen.

Playoff-Chancen

Die Euphorie in Denver war nach dem Sieg in der Auftaktrunde der Playoffs groß und viele dachten nach dem Ausscheiden vieler starker Teams, dass die Avalanche bereits im Frühjahr um den Titel werden mitspielen können. Es kam anders, doch der Stimmung im Fanlager tat das keinen Abbruch. Im Gegenteil, die Erwartungen sind durch die Verpflichtungen gestiegen und müssen erst einmal erfüllt werden. Sich in der starken Central Division zu behaupten, wird nicht einfach. Die Avalanche gehören aber zu den Favoriten für einen Platz unter den ersten Acht und damit für den Einzug in die Playoffs der Western Conference.

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