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Ab dem 1. November nimmt NHL.com/de mit seiner 31 in 31 Serie jedes Team genauer unter die Lupe. Von den wichtigsten Geschehnissen und Spielern bis hin zu Stärken und Schwächen, bieten wir eine umfassende Bestandsaufnahme der Klubs in der Liga.
In dieser Ausgabe geht es um die Chicago Blackhawks.

In der regulären Saison 2019/20 führten die Blackhawks ein Mauerblümchendasein. Nach dem Re-Start änderte sich das schlagartig. Weil die Liga das Teilnehmerfeld für die Postseason auf 24 Teams aufstockte, war Chicago als Zwölfter der Western Conference mit von der Partie. In der Stanley Cup Qualifikation spuckten die Blackhawks den favorisierten Edmonton Oilers in die Suppe und setzten sich in vier Spielen mit 3:1 durch. In der ersten Playoff-Runde zeigten sie ebenfalls couragierte Vorstellungen, auch wenn nach fünf Duellen ein 1:4 gegen die Vegas Golden Knights zu Buche stand.
In der Endrunde machten gerade die jüngeren Spieler der Mannschaft, wie Dominik Kubalik (25 Jahre), Matthew Highmore (24), Adam Boqvist (20) oder Kirby Dach (19), mit herzerfrischenden Auftritten von sich reden. Im Lager der Blackhawks hofft man, dass die junge Garde in der neuen Saison 2020/21 an die Leistungen der Endrunde anknüpft und zusammen mit den erfahrenen Haudegen eine erfolgversprechende Mischung bildet, um erneut in die Stanley Cup Playoffs einzuziehen.
Die Schlüsselspieler
Video: CHI@VGK, Sp5: Kane bezwingt Lehner im 2. Drittel
Obwohl die Nachwuchskräfte erste Ansprüche auf Führungspositionen angemeldet haben, sind die Routiniers nach wie vor nicht wegzudenken. Das gilt in besonderem Maß für Patrick Kane. Mit 84 Punkten (33 Tore, 51 Assists) aus 70 Spielen war er einmal mehr teaminterner Topscorer der Blackhawks. An allen 70 Begegnungen in der Hauptrunde 2019/20 wirkte auch Kapitän Jonathan Toews mit. Er brachte es auf 60 Punkte (18 Tore, 42 Assists). Er und Kane sind immer noch die Taktgeber in der Offensive.
Einer der in die Fußstapfen von Kane und Toews treten könnte, ist Kubalik. Der Rookie sammelte 46 Punkte (30 Tore, 16 Assists) in 68 Partien. In den Playoffs fügte er acht Zähler in neun Einsätzen hinzu. Damit hatte er nur einen Punkt weniger auf dem Konto als die beiden Veteranen, die in der Postseason mit neun Punkten gemeinsam an der Spitze der Scorer-Wertung von Chicago lagen.
Eine Schlüsselposition im Angriff nimmt zudem Alex DeBrincat ein. Der Flügelstürmer ist variabel einsetzbar und funktioniert in allen Reihen. In der abgelaufenen Runde kam er auf 45 Punkte (18 Tore, 27 Assists) in 70 Spielen.
Eine wichtige Stütze in der Defensive ist der 37 Jahre alte Duncan Keith. Er bestritt 61 Begegnungen und verbuchte 27 Punkte (drei Tore, 24 Assists). Keith bildet zusammen mit Boqvist das erste Verteidiger-Pärchen.

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Wenn er fit ist, ist auch der 35-jährige Brent Seabrook weiterhin fester Bestandteil der Abwehrformation. Allerdings konnte er 2019/20 verletzungsbedingt nur in 32 Spielen mitmischen. Vier Punkte (ein Tor, drei Assists) sind für ihn in der Statistik verzeichnet.
Suter verstärkt die Offensive
Die Scouts der Blackhawks sind bei der Suche nach Verstärkungen ein weiteres Mal in Europa fündig geworden. Sie empfahlen nachdrücklich die Verpflichtung des Schweizers Pius Suter, der vorige Saison in der heimischen National League mit 53 Punkten (30 Tore, 23 Assists) aus 50 Partien für die ZSC Lions der erfolgreichste Scorer und der wertvollste Spieler war. Im Juli machte er von seiner Ausstiegsklausel in Zürich Gebrauch und unterschrieb einen Einjahresvertrag in Chicago. Er gilt als gesetzt für einen Platz im Kader der Blackhawks und könnte die Linksaußen-Position in der zweiten oder dritten Sturmreihe einnehmen.
Suter selbst zeigt sich selbstbewusst, was seine Zukunft in der NHL anbelangt. "Ich weiß, was ich kann und was ich machen muss. Der Rest wird sich ergeben, wenn es losgeht", sagte er in einem Interview mit NHL.com/de.
Sie könnten nachrücken
Beim NHL Draft 2020 sicherten sich die Blackhawks die Rechte an Lukas Reichel von den Eisbären Berlin. Sie wählten den 18 Jahre alten Angreifer in der ersten Runde an Gesamtposition 17 aus. In der DEL erzielte er letzte Saison 24 Punkte (zwölf Tore, zwölf Assists) in 42 Spielen. Gut möglich, dass er sich das ein oder andere Mal im NHL-Team präsentieren darf, wenngleich mit den Blackhawks vertraglich bislang noch nichts fixiert ist.

Reichel

Weiter ist man da bei Verteidiger Ian Mitchell. Der 21-Jährige unterzeichnete im April einen Entry-Level-Vertrag über drei Jahre. Zuletzt spielte er für die University of Denver (32 Punkte aus 36 Spielen).
Um einen Platz im Tor bewirbt sich der 25-jährige Kevin Lankinen, der vergangene Saison für die AHL-Filiale Rochester auflief. Seine Matchbilanz betrug 8-10-2, der Gegentorschnitt belief sich auf 3,03 und die Fangquote auf 90,9 Prozent.
Stärken
Die Blackhawks profitieren enorm von den ausgebufften Typen im Kader, die wissen, wie man den Stanley Cup gewinnt. Zusätzliche Hoffnung macht, dass die Top-Talente nach einer durchwachsenen Hauptrunde in der Postseason endlich ihre Duftmarken setzten und ihr großes Potenzial unter Beweis stellten. Die Offensive dürfte auch in der kommenden Spielzeit so manchen Gegner vor Probleme stellen.
Ausgezeichnet funktioniert seit geraumer Zeit das Penalty Killing. Mit einer Erfolgsquote von 82,1 Prozent rangierten die Blackhawks 2019/20 auf Platz neun im NHL-Gesamtklassement.
Entwicklungspotenzial
Nichts mehr zu sehen ist dagegen vom einst gefürchteten Powerplay von Chicago. Lediglich 15,2 Prozent aller Überzahlsituationen waren in der zurückliegenden Hauptrunde von Erfolg gekrönt. Das bedeutete den viertletzten Platz in der Liga. Bei nummerischer Überlegenheit muss künftig wieder mehr kommen, wenn nächstes Jahr ein Platz in den Playoffs herausspringen soll.
Durch den Weggang von Corey Crawford ist auf der Torwart-Position eine Lücke entstanden. Dieses Risiko gingen die Blackhawks-Verantwortlichen jedoch bewusst ein. Sie machten wenige Anstalten, den Unrestricted Free Agent und Großverdiener zu halten. Stattdessen vertraut die sportliche Leitung auf Collin Delia und Malcolm Subban.
Ganz ohne Risiko ist dieser Plan allerdings nicht. Schließlich war Crawford viele Jahre die unumstrittene Nummer 1. Zweimal gewann er mit den Blackhawks den Stanley Cup.
Playoff-Chancen
Trotz der Qualität des Kaders und der guten Mixtur aus erfahrenen und jungen Akteuren wird es für die Blackhawks unter normalen Umständen schwer, sich für die Playoffs zu qualifizieren. Das liegt vor allem an der starken Konkurrenz in der Central Division. Mit etwas Glück reicht es vielleicht für eine der beiden Wildcards in der Western Conference.