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Chance für die Schweiz und Deutschland

Ohne NHL Stars können die beiden Nationalmannschaften bei Olympia konkurrenzfähiger sein

von Stefan Herget / NHL.com/de Chefautor

Die NHL hat gestern verkündet, dass sie keine Chance mehr für eine Unterbrechung des Spielbetriebes zwecks Teilnahme seiner Spieler an den olympischen Winterspielen 2018 im südkoreanischen Pyeonchang sieht. Für den Eishockeysport und das olympische Turnier ist es ohne Zweifel ein großer Verlust, wenn es dabei bleibt.

Andererseits ist es gerade für die sechs großen Nationen wie Kanada, USA, Russland, Tschechien, Schweden und Finnland ein herber Verlust, weil eine große Anzahl ihrer besten Spieler nicht teilnehmen werden können. Im Rückschluss heißt das, dass der Abstand zu den anderen Nationen geringer und das Turnier ausgeglichener werden dürfte.

Davon profitieren sollten auch die Schweiz und Deutschland, weil der Unterschied zur Weltmeisterschaft besteht darin, dass grundsätzlich keine oder nur wenige, falls einzelne Eigentümer ihren Spielern die Freigabe erteilen sollten, NHL-Spieler am Turnier teilnehmen werden. Bei der WM sind immerhin größtenteils die Spieler dabei, die mit ihren Mannschaften nicht die Playoffs erreichten oder in der ersten Runde ausschieden.

Natürlich muss auch die Schweiz oder Deutschland dann auf wichtige Spieler verzichten, doch Auftritte kanadischer Mannschaften beim Deutschland Cup oder Spengler Cup in der Vergangenheit zeigten, dass die Möglichkeiten zum Bestehen gegen diese wesentlich größer ist, wenn beide auf NHL Akteure verzichten müssen.

Ein weiterer Vorteil ist, dass sich die Nationalmannschaften nahezu komplett auf das Ereignis vorbereiten und einspielen können, ohne die Tatsache, dass NHL-Spieler kurzfristig dazu stoßen und Reihen anders zusammengestellt oder umgeworfen werden müssen.

"Es wäre schön und wichtig für das Turnier, die NHL-Spieler dabei zu haben", sagte der deutsche Bundestrainer Marco Sturm noch zu Beginn des Jahres zur Diskussion. "Die anderen Nationen sind auch so stark genug, so dass ich im anderen Fall keinen großen Vorteil für uns sehen würde."

Nachteil für die kleinen Nationen wäre wohl, dass die Erwartungshaltung steigen könnte. In der Schweiz träumt man seit der Verkündung gestern von der ersten olympischen Medaille seit 1948 in St. Moritz (Bronze) und in Deutschland ist der Gewinn der Bronzemedaille 1976 in Innsbruck bis heute legendär. Es wäre trotz dem NHL Verzicht immer noch eine Überraschung, wenn es gelingen würde, doch die Chance darauf ist so zweifelsohne deutlich größer.

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