Oilers Canucks 11.6

Die Edmonton Oilers mit dem deutschen Superstar Leon Draisaitl sind weiter in der Krise. Die 2:6-Pleite bei den Vancouver Canucks war die dritte Niederlage in Folge. Und sie war gleichzeitig auch die dritte Schlappe im dritten Saisonspiel gegen den Divisionsrivalen aus British Columbia. Die beiden ersten Duelle hatten die Canucks 8:1 und 4:3 für sich entschieden. Während sich die Canucks immer mehr zu einem ernsthaften Konkurrenten der Vegas Golden Knights in der Pacific Division mausern, wird für die Oilers im Tabellenkeller die Luft langsam dünn. Und auch die Nerven spielen in Alberta mittlerweile eine Rolle.

Guter Oilers-Start

Dabei begann es eigentlich gar nicht so übel für die kriselnden Gäste. Mattias Ekholm sorgte mit einem Kracher in den Winkel für die Führung der Oilers (7.). Thatcher Demko, der mit 40 Saves erneut eine starke Leistung im Tor der Canucks zeigte, war da machtlos. „Er war für uns wie Riechsalz. Nachdem er fünf, sechs unwirkliche Paraden gezeigt hatte, sind wir aufgewacht“, befand Canucks-Trainer Rick Tocchet. Edmonton habe stark angefangen. „Aber dann haben wir zu unserem Spiel gefunden.“

Bis zum Ende des ersten Drittels hatten die Gastgeber die Partie wieder gedreht. „Wir hatten in den letzten zwei, drei Spielen jeweils einen guten Start. Und aus irgendeinem Grund gehen wir mit einem Rückstand in die Pause. Das ist frustrierend“, meinte Ekholm. Dann sei es ein Angriff hier, ein Angriff da und ein Angriff da gewesen, und auf einmal liege man 1:3 zurück. „Das ist unsere Realität. Wir müssen noch härter arbeiten. Das ist ein Test. Aber ich weiß, dass wir das Team haben, das Ruder herumzureißen.“

Der Meinung schloss sich sein Coach an: „Wir haben viele Sachen richtig gemacht, sind gut aus der Kabine gekommen. Das erste Tor des Gegners haben wir uns selbst reingemacht. Und beim zweiten können wir besser verteidigen“, befand Jay Woodcroft. Aber das Team habe hart gekämpft.

Das von Woodcroft angesprochene 1:1 ging auf das Konto von Quinn Hughes, dem dieser Tage scheinbar alles gelingt und der für die vergangene Woche folgerichtig zum besten Spieler in der NHL gewählt wurde (acht Punkte, ein Tor, sieben Vorlagen, in drei Spielen). Er brachte die Scheibe vors Tor. Und dann passte es ins aktuelle Bild für beide Teams, dass Oilers-Verteidiger Vincent Desharnais die Scheibe eben nicht klärte, sondern in bester Stürmermanier über die eigene Torlinie drückte (12.) – und die Gastgeber mal wieder jubelten. Es wird für Desharnais nur ein schwacher Trost sein, dass hinter ihm Ilya Mikheyev einschussbereit stand.

Hughes unterstrich in der Partie erneut seine derzeitige starke Form. Am Ende hatte er neben dem Tor auch noch drei Assists auf der Habenseite verbucht. Damit hat er nach zwölf Spielen 20 Scorerpunkte (fünf Tore, 15 Vorlagen) auf dem Konto und ist damit der beste Scorer unter den Verteidigern in der NHL.

Suter setzt Serie fort

Die erstmalige Führung der Canucks ging auf das Konto des Schweizers Pius Suter. Der Zürcher scheint nach schleppendem Saisonstart seinen Torriecher rechtzeitig gefunden zu haben. Bei diesem Treffer – für Suter war es der dritte im dritten Spiel in Folge – deckten die Canucks die Schwächen der Oilers gnadenlos auf. Mit schnellem Direktspiel fanden sie die Lücke im Defensivverbund der Gäste aus Alberta. Der Schweizer ließ sich dann nicht lange bitten und überwand Stuart Skinner im Tor der Gäste zum 2:1 (14.). Tocchet war generell mit der Leistung der Reihe des Schweizers, aber auch mit der vierten Reihe zufrieden.

EDM@VAN: Joshua bereitet Suters Tor vor

Ebenfalls passend für die aktuelle Situation in beiden Lagern: Brock Boeser trug sich für Vancouver in die Torschützenliste gegen Edmonton ein. Boeser hatte bereits beim 8:1-Erfolg zum Saisonstart gegen die Oilers viermal getroffen. Nun war er doppelt erfolgreich. Beide Male traf er in Überzahl. Beim 3:1 (15.) verwertete er einen Rebound nach einem Schuss von J.T. Miller. Darnell Nurse saß da gerade mal acht Sekunden für die Oilers auf dem Sünderbänkchen. Und beim 6:2 knapp eine Minute vor der Schlusssirene musste der Stürmer der Canucks für seinen zehnten Saisontreffer nur den Schläger hinhalten, um den Puck an Skinner vorbei über die Linie zu drücken. Für Boeser waren es die Saisontore neun und zehn, womit er erster Verfolger von Auston Matthews im Kampf um die Rocket Richard Trophäe als bester Torschütze der Liga ist.

„Es läuft gerade richtig gut“, befand der Doppelpacker für die Canucks. Die Hauptaufgabe seiner Formation sei, die Top-Sturmreihe des Gegners unter Kontrolle zu bekommen. „Und diese Aufgabe erledigen wir mit viel Stolz.“ Das sei auch das einzige gewesen, um das er sich Sorgen gemacht habe. „Es ist immer schön, wenn man dem Team hilft, zu gewinnen“, sagte Boeser.

Dabei konnte man den Gästen nicht vorwerfen, dass sie sich nicht bemühten. 20:8 lautete die Schussbilanz am Ende des ersten Drittels zugunsten der Oilers. Allein: Die Canucks agierten im Stile einer Spitzenmannschaft und waren gnadenlos effektiv.

Kurzzeitig Hoffnung für die Oilers

Dass die Gäste für einen kurzen Moment noch mal auf ein besseres Resultat hoffen durften, lag zum einen daran, dass Canucks-Keeper Demko hinter dem eigenen Tor den Puck zu lässig ablegte und die Oilers gut nachsetzten. Leon Draisaitl musste die Scheibe nur noch im leeren Tor unterbringen (28.). Damit sammelte er im 21. Spiel in Folge gegen die Canucks mindestens einen Scorerpunkt. Der Keeper reklamierte vergebens, dass er behindert worden sei.

Doch von da an ging es nur noch in eine Richtung. Beim 4:2 von Nils Hoglander ging es wieder zu schnell für die Oilers. Und das, obwohl das Bully, das dem Tor vorausging, im Verteidigungsdrittel der Canucks stattfand. Doch die Gastgeber schalteten wieder schneller um, wirkten dabei auch im Kopf fitter als der Gegner. Und Hoglander verwertete den Rebound, nachdem Skinner den Schuss von Sam Lafferty nur nach vorne abprallen lassen konnte (31.).

Entscheidung in Überzahl

Für die endgültige Entscheidung sorgte Miller im Schlussabschnitt mit dem 5:2. Erneut fiel der Treffer in Überzahl (48.). Was nicht verwundert, stellen die Canucks derzeit doch das drittbeste Powerplay der Liga mit einer Erfolgsquote von 32,6 Prozent.

Die Canucks haben damit den vierten Sieg in Folge eingefahren. 9-2-1 lautet ihre Bilanz nach zwölf Spielen. Sie sind damit in der Pacific Division auf Platz zwei der erste Verfolger von Titelverteidiger Vegas Golden Knights. Mit 54 Treffern hat die Mannschaft aktuell sogar den besten Sturm der Liga, was ebenfalls nicht überrascht, wenn man bedenkt, dass Boeser, Hughes und Co. bereits sechsmal fünf oder mehr Tore geschossen haben. Den San Jose Sharks schenkte man vor Kurzem sogar zehn Gegentore ein.

„Wir spielen gerade kollektiv gutes Eishockey“, sagte Hughes nach der Partie. „Wir kennen die Oilers ziemlich gut. Und sie dreimal in den ersten zwölf Spielen der Saison zu schlagen, das ist schon ein Wort.“ Da machte dem Verteidiger auch der Blick auf die Tabelle Spaß. Gerade, weil sich die Canucks in den Jahren zuvor in Situationen wiederfanden, wie es jetzt die Oilers tun. „Es ist noch ein bisschen früh, sich mit der Tabelle zu beschäftigen. Aber wir waren in der Position in den vergangenen paar Jahren. Es ist schwierig, da wieder rauszukommen.“ 14 Punkte Vorsprung haben die Canucks auf die Oilers.

Nervensache bei den Oilers

Die Oilers bleiben nach der dritten Niederlage in Folge mit fünf Zählern auf dem vorletzten Rang in der Pacific Division (2-8-1). Dass die Situation an den Nerven der Beteiligten zehrt, kam im dritten Drittel zum Ausdruck. Erst kassierte Connor McDavid eine Strafe wegen übertriebener Härte gegen Suter. In der gleichen Szene handelte Sich Draisaitl eine Spieldauerdisziplinarstrafe eine. Eine solche bekam fünf Minuten später auch Oilers-Coach Woodcroft.

„Ich denke, wir haben im ersten Drittel viele Sachen gut gemacht und sind am Ende doch wieder einem Rückstand hinterhergelaufen“, meinte McDavid nach der Partie. Den Ausschluss des Coachs nahm er relativ gelassen: „Jay ist ein leidenschaftlicher Mensch. Wie wir alle. Das passiert.“

EDM@VAN: Draisaitl erzielt gegen die Canucks ein Tor

Der Coach war sich nicht bewusst, eine Linie überschritten zu haben. Er habe eine einfache Frage gestellt. „Aber manchmal kommt es eben darauf an, wie sowas aufgenommen wird. Ich dachte, es sei eine faire Frage. Offensichtlich war sie es nicht. Ich darf diese Strafe nicht nehmen.“

„Es ist noch früh in der Saison und noch viel Eishockey zu spielen“, betonte Ekholm. Man müsse das Spiel jetzt abhaken und sich auf die nächste Aufgabe konzentrieren. Eine Chance haben die Oilers in dieser Saison noch, gegen die Canucks zu punkten. Am Donnerstag (Ortszeit) haben sie aber erst mal eine realistische Möglichkeit, ihre Bilanz aufzubessern. Dann sind sie bei den aktuell noch sieglosen San Jose Sharks zu Gast.

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