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Montreal Canadiens Kalifornien-Fluch

Für die Montreal Canadiens gibt es schon seit Jahren nichts mehr in Kalifornien zu holen

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

'It never rains in southern California' intonierte Albert Hammond Anfang der 70er Jahre und beschrieb in dem Lied wie ein Mädchen voller Zuversicht eine Boeing 747 in Richtung Westen besteigt. Dort angekommen, musste sie feststellen, dass die Realität eine andere war, als sie es sich vorgestellt hatte. Sie wünschte sich nur noch, dass sie bald wieder nach Hause zurückkehren könne.

Ähnlich dürften sich auch die Montreal Canadiens fühlen, für die es in Kalifornien schon seit Jahren nichts mehr zu holen gibt - in ihren letzten zehn Auftritten im bevölkerungsreichsten Bundesstaat der USA mussten sie sich jeweils geschlagen geben.

Nach einer eindrucksvollen Vorstellung am vergangenen Samstag gegen die Detroit Red Wings, vor allem in der Defensive waren sie beim 2-1 Sieg in der Joe Louis Arena extrem gut gestanden, wollten die Frankokanadier nun auch ihren 'Kalifornien-Bann' brechen.

Alex Galchenyuk, Montreals Torschütze in der Overtime, betonte nach der Partie, wie wichtig ein Sieg zum Auftakt einer langen Auswärtstour sei. Montreals Trainer Michel Therrien war mit seiner Brendan Gallagher - Tomas Plekanec - Max Pacioretty Reihe äußerst zufrieden. "Immer wenn wir sie zusammen aufs Eis schicken, erarbeiten sie sich Torchancen. Pacioretty schoss das Siegtor im letzten Spiel und Gally heute den Ausgleich", lobte der Übungsleiter diese Sturmformation.

In der Defensive stimmte erneut die Chemie zwischen Shea Weber und Alexei Emelin - sie ließen durch ihre körperbetonte Spielweise vor einem erneut überragenden Schlussmann Carey Price nichts anbrennen.

Das waren die besten Voraussetzungen, um auch in Kalifornien zu punkten. Die Anaheim Ducks wirkten nach nur einem Sieg aus ihren letzten vier Partien angeschlagen. Für die Canadiens schien die Zeit gekommen zu sein, um endlich wieder einmal beide Punkte aus dem Süden Kaliforniens entführen zu können. Ihr letzter Sieg im Honda Center datierte vom 5. März 2014 - damals gelang den Frankokanadiern ein 4-3 Erfolg nach Penaltyschießen.

Therrien war sich vor der Partie am Dienstag bewusst gewesen, dass die Ducks aufgrund ihrer physischen Stärke eine echte Herausforderung für sein Team darstellen würden. Die Canadiens nahmen diese Herausforderung an, dominierten den ersten Spielabschnitt, bis Shea Weber nach einer guten Viertelstunde auf der Strafbank Platz nehmen musste und die Hausherren aus ihrer nummerischen Überlegenheit auf dem Eis Kapital schlagen konnten. Die Gäste kamen auch im zweiten Drittel zu Torchancen, doch ein Treffer sollte erneut nur den Ducks gelingen. Montreals Anschlusstreffer zum 2-1 Endstand fiel in der vorletzten Spielminute und damit zu spät. Eine weitere Niederlage in Anaheim, die siebte aus ihren letzten zehn Auftritten, die dritte hintereinander, war somit besiegelt.

Noch schlechter sieht die Bilanz der Canadiens in Auswärtspartien bei den San Jose Sharks aus, also gegen jenes Team, auf das sie in der Nacht von Freitag auf Samstag getroffen waren. Es war Montreals zehnter Auftritt in San Jose seit der Jahrhundertwende und sie sollten ihre zehnte Niederlage kassieren (0-8-2). Wie zwei Tage zuvor lautete der Endstand 1-2, wie zwei Tage zuvor kassierten sie ein frühes Überzahltor und wie zwei Tage zuvor kamen sie erst knapp zwei Minuten vor Spielende zu einem Torerfolg, obwohl sie sich als ebenwürdiger Gegner erwiesen hatten. "Es ist schwer, nach einem Rückstand zurückzukommen, besonders in diesem Gebäude", konstatierte Gallagher nach der Begegnung.

Die Canadiens gewannen am 23. November 1999 zum letzten Mal im SAP Center, damals hieß die Arena der Sharks noch San Jose Arena, ihr Trainer hieß Alain Vigneault, im Kader befanden sich Spieler wie Martin Rucinsky, Shayne Corson oder ein Eric Weinrich und ihr Tor hütete Jose Theodore.

Die nächste Chance ihren Fluch zu brechen haben nun die Canadiens am kommenden Sonntag, wenn sie um 21:00 Uhr im Staples Center von L.A. gegen die Los Angeles Kings antreten. Montreal letzter doppelter Punktgewinn in L.A. liegt mittlerweile über fünf Jahre zurück. Am 2. Dezember 2011 bezwangen sie die Kings mit 2-1 Toren.

Hammonds Song endet mit der Frage an das Mädchen, ob es nicht gewarnt worden sei und der Zeile 'It pours, man, it pours' [Es gießt, Mensch, es gießt].

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