Die euphorischen Fans im lauten Scotiabank Saddledome kamen gleich nach dem Puck-Drop voll auf ihre Kosten, denn ihre Flames kamen aus der Kabine geschossen, wie ein Flächenbrand: Nach 26 Sekunden bändigte Elias Lindholm einen springenden Puck und schoss diesen zum 1:0 ins rechte Eck. Nur 30 Sekunden später war Andrew Mangiapane vor dem Tor zur Stelle und erhöhte auf 2:0. Es waren also gerade einmal 51 Sekunden absolviert und Calgarys Tapes schienen, auch angesichts von folgenden 19:7 Torschüssen im ersten Drittel, in Flammen zu stehen. "Wir hatten einen richtig guten Start, der hätte besser kaum laufen können", freute sich Matthew Tkachuk.
Brett Ritchie ließ noch Gegenspieler Duncan Keith aussteigen und traf unterhalb des Arms von Edmontons Torwart Mike Smith zum 3:0 (7.) und beendete dessen Arbeitstag nach gerade einmal 6:05 Minuten (sieben Saves, 70 Prozent Fangquote). Für ihn kam Backup Mikko Koskinen (32 Saves, 86,5 Prozent Fangquote).
Doppelpacks von Coleman und Hyman: Oilers kommen auf Vier-Tore-Rückstand zurück
Ein verrücktes Spiel nahm seinen Lauf: Die Oilers stabilisierten sich nach dem Torwartwechsel kurz, Kapitän und Superstar Connor McDavid verzögerte vor dem Tor gekonnt und traf per Tunnel zum 1:3 (8.). Doch auch im zweiten Drittel erwischten die Flames einen Superstart und dominierten die Torschuss-Statistik (21:11 Schüsse): 45 Sekunden nach Wiederbeginn fand Blake Coleman die freie Scheibe schräg vor dem Tor und stellte auf 4:1 (21.). Wenig später fälschte Coleman erfolgreich zum 5:1 ab (27.). Es waren die ersten beiden Playoff-Treffer in der laufenden Saison für den 30-jährige US-Amerikaner, der damit auch seine bisherige Scoring-Ausbeute verdoppelte. "Das war überfällig", so Coleman. "Heute sind die Dinger reingegangen, aber ich fokussiere mich nicht allzu sehr aufs Scoring, denn es gibt verschiedene Arten, in den Playoffs zum Erfolg beizutragen zu können."
Calgary führte also erstmals an diesem Abend mit vier Toren Vorsprung. Auch nachdem Edmontons Evan Bouchard auf 2:5 verkürzt hatte, reagierten die Hausherren mit einem Powerplay-Tor von Matthew Tkachuk und stellten mit dem 6:2 den alten Abstand wieder her (29.).
Doch die Oilers zeigten Moral und starteten noch im Mitteldrittel eine beachtliche Aufholjagd: Zach Hyman traf erst aus spitzem Winkel von links ins rechte Kreuzeck (50.), dann umkurvte er das Tor und verkürzte gegen einen ungewohnt wackelig wirkenden Torwart Jacob Markstrom (22 Saves, 78,6 Prozent Fangquote) auf 4:6 (35.). Als der Deutsche Leon Draisaitl 39 Sekunden vor der zweiten Pause einen Querpass von McDavid zum 5:6 versenkte, war für Edmonton plötzlich wieder alles drin und der Glaube groß.
88 Sekunden nach Wiederbeginn schafften die Oilers tatsächlich den Ausgleich: Kailer Yamamoto staubte zum 6:6 ab (42.). Die Flames verspielten einen zwqeimaligen Vier-Tore-Vorsprung. "Das waren vielleicht die 15, 20 schlechtesten Minuten, die wir das ganze Jahr gespielt haben. Aber es war nicht das Ende der Welt. Wir konnten uns nicht überrollen und sie gewinnen lassen", sagte Tkachuk.
Tkachuk-Hattrick hebt Calgary aus den Sitzen