Tkachuk mit einem Hattrick in Spiel 1

Die Battle of Alberta Serie in der 2. Runde der Stanley Cup Playoffs 2022 ist gestartet. Und wie: Am Mittwochabend im Scotiabank Saddledome brannte sowohl bei den Calgary Flames als auch bei den Edmonton Oilers das Tape, was in einem 15-Tore-Feuerwerk mündete. Calgary startete heiß, doch Edmonton kam zwischenzeitlich zurück. Am Ende bejubelten die Flames einen 9:6-Heimsieg und die Serienführung (1:0).

Flames on fire: Doppelschlag nach 51 Sekunden, Torwartwechsel nach 6:03 Minuten
In einer prestigeträchtigen Serie zweier stark-rivalisierender Teams war eine heißer Auftakt vorhergesagt worden. Dann brannten am Ende nicht die Schulterpads von vielen Checks (22:23 Hits), sondern viel mehr das Tape aufgrund der vielen Tore.

EDM@CGY, Sp1: Flames mit einer frühen Führung

Die euphorischen Fans im lauten Scotiabank Saddledome kamen gleich nach dem Puck-Drop voll auf ihre Kosten, denn ihre Flames kamen aus der Kabine geschossen, wie ein Flächenbrand: Nach 26 Sekunden bändigte Elias Lindholm einen springenden Puck und schoss diesen zum 1:0 ins rechte Eck. Nur 30 Sekunden später war Andrew Mangiapane vor dem Tor zur Stelle und erhöhte auf 2:0. Es waren also gerade einmal 51 Sekunden absolviert und Calgarys Tapes schienen, auch angesichts von folgenden 19:7 Torschüssen im ersten Drittel, in Flammen zu stehen. "Wir hatten einen richtig guten Start, der hätte besser kaum laufen können", freute sich Matthew Tkachuk.
Brett Ritchie ließ noch Gegenspieler Duncan Keith aussteigen und traf unterhalb des Arms von Edmontons Torwart Mike Smith zum 3:0 (7.) und beendete dessen Arbeitstag nach gerade einmal 6:05 Minuten (sieben Saves, 70 Prozent Fangquote). Für ihn kam Backup Mikko Koskinen (32 Saves, 86,5 Prozent Fangquote).
Doppelpacks von Coleman und Hyman: Oilers kommen auf Vier-Tore-Rückstand zurück
Ein verrücktes Spiel nahm seinen Lauf: Die Oilers stabilisierten sich nach dem Torwartwechsel kurz, Kapitän und Superstar Connor McDavid verzögerte vor dem Tor gekonnt und traf per Tunnel zum 1:3 (8.). Doch auch im zweiten Drittel erwischten die Flames einen Superstart und dominierten die Torschuss-Statistik (21:11 Schüsse): 45 Sekunden nach Wiederbeginn fand Blake Coleman die freie Scheibe schräg vor dem Tor und stellte auf 4:1 (21.). Wenig später fälschte Coleman erfolgreich zum 5:1 ab (27.). Es waren die ersten beiden Playoff-Treffer in der laufenden Saison für den 30-jährige US-Amerikaner, der damit auch seine bisherige Scoring-Ausbeute verdoppelte. "Das war überfällig", so Coleman. "Heute sind die Dinger reingegangen, aber ich fokussiere mich nicht allzu sehr aufs Scoring, denn es gibt verschiedene Arten, in den Playoffs zum Erfolg beizutragen zu können."
Calgary führte also erstmals an diesem Abend mit vier Toren Vorsprung. Auch nachdem Edmontons Evan Bouchard auf 2:5 verkürzt hatte, reagierten die Hausherren mit einem Powerplay-Tor von Matthew Tkachuk und stellten mit dem 6:2 den alten Abstand wieder her (29.).
Doch die Oilers zeigten Moral und starteten noch im Mitteldrittel eine beachtliche Aufholjagd: Zach Hyman traf erst aus spitzem Winkel von links ins rechte Kreuzeck (50.), dann umkurvte er das Tor und verkürzte gegen einen ungewohnt wackelig wirkenden Torwart Jacob Markstrom (22 Saves, 78,6 Prozent Fangquote) auf 4:6 (35.). Als der Deutsche Leon Draisaitl 39 Sekunden vor der zweiten Pause einen Querpass von McDavid zum 5:6 versenkte, war für Edmonton plötzlich wieder alles drin und der Glaube groß.
88 Sekunden nach Wiederbeginn schafften die Oilers tatsächlich den Ausgleich: Kailer Yamamoto staubte zum 6:6 ab (42.). Die Flames verspielten einen zwqeimaligen Vier-Tore-Vorsprung. "Das waren vielleicht die 15, 20 schlechtesten Minuten, die wir das ganze Jahr gespielt haben. Aber es war nicht das Ende der Welt. Wir konnten uns nicht überrollen und sie gewinnen lassen", sagte Tkachuk.
Tkachuk-Hattrick hebt Calgary aus den Sitzen

EDM@CGY, Sp1: Tkachuk gelingen erstmals 3 Tore

Das Momentum drohte komplett zu kippen. Doch Calgary reagierte nicht etwa mit einem Torwartwechsel, sondern ließ weiter seine offensiven Waffen sprechen: Rasmus Andersson traf unter die Latte zum 7:6 (43.). Dann bestrafte Tkachuk einen Puckverlust der Oilers in deren Defensivzone, schaltete blitzschnell um und tunnelte Koskinen zum 8:6 (49.). Kurz vor Schluss setzte Tkachuk noch die Kirsche auf die Sahnetorte und komplettierte seinen Hattrick mit einem Empty-Net-Tor zum 9:6 (58.).
Neben Tkachuk (3-0-3) verbuchten bei Calgary auch Johnny Gaudreau (0-3-3), Mangiapane (1-2-3) und Andersson (0-3-3) ein Drei-Punkte-Spiel. In der gesamten 1. Runde gegen die Dallas Stars erzielten die Flames nur 15 Tore in sieben Spielen. Jetzt waren es direkt deren neun im ersten Spiel der 2. Runde. Andersherum verhielt es sich mit der zuvor kaum durchdringbaren Abwehr (14 Gegentore in der kompletten 1. Runde), die nun direkt sechs Gegentreffer schlucken musste.
"Puckverluste, schlechte Wechsel, nicht genug Backchecking", zählte Tkachuk die Fehler auf. "Das war überhaupt nicht gut, vielleicht unser schlechtestes Spiel in den Playoffs bis jetzt. Wir hatten super viel Glück, aber das ist nicht das Erfolgsrezept, denn wir werden nicht viele Spiele gewinnen, wenn wir weiter so spielen. Wir müssen besser mit unseren Führungen umgehen. Wir waren zweimal vier Tore vorne, das sollte reichen, um ein Playoff-Spiel zu gewinnen. Wir werden im nächsten Spiel besser sein."
Auch Coleman schlug in dieselbe Kerbe: "Solange wir gewillt sind, in den Spiegel zu schauen und Verantwortung zu übernehmen, ist alles gut. 9:6? Das ist nicht unser Spielstil. Es gibt vieles, an dem wir arbeiten müssen."
McDavid und Draisaitl machen den Oilers Hoffnung

EDM@CGY, Sp1: Draisaitl trifft spät im 2. Drittel

Bei Edmonton legte McDavid gar ein Vier-Punkte-Spiel aufs Eis (1-3-4). Draisaitl kam bei 21:59 Minuten Eiszeit (davon 5:35 im Powerplay und 0:16 im Penalty Killing) auf drei Punkte (1-2-3, vier Torschüsse, 75 Prozent gewonnene Faceoffs, -2). Hoffnung macht den Oilers neben der Performance der beiden Superstars auch die gezeigten Comeback-Qualitäten, immerhin kamen die Gäste auf ein 1:5 und ein 2:6 zurück. Steigerungspotenzial gibt es aber auch hier in der Defensive und beim Goaltending.
"Wir hatten keinen guten Start und waren ganz klar nicht bereit", befand Draisaitl. "Es waren ein paar Fehler, sowohl kollektiv als auch individuell, wodurch die Pucks erst auf ihrem Tape und dann in unserem Tor gelandet sind. Es gibt viele Dinge, die wir verbessern müssen."
Das sah auch sein Trainer Jay Woodcroft so: "Wir haben sechs Tore gegen die Calgary Flames in deren Halle geschossen. Das sollte genug sein, um ein Spiel zu gewinnen. Wir werden ein paar Dinge auf der Tafel aufmalen und die Probleme herausarbeiten. Es ist nur ein Spiel, so müssen wir es betrachten."
Die zweite Episode der Battle of Alberta Serie steigt am Freitag (10:30 p.m. ET; NHL.tv; Sa. 4.30 Uhr MESZ).