Die Boston Bruins haben sich von Defensivspieler Mitchell Miller getrennt. Das teilte der Klub am Sonntag mit. Der 20-Jährige Verteidiger hatte zwei Tage zuvor einen Entry-Level-Vertrag beim Team aus Massachusetts unterschrieben. Nach der Vertragsunterzeichnung sollte er zunächst beim AHL-Farmteam Providence Bruins zum Einsatz kommen.
Bruins trennen sich von Miller wegen Mobbingvorfällen
Laut Commissioner Bettman war der Nachwuchsverteidiger nicht für die NHL spielberechtigt

Miller war beim NHL Draft 2020 in der vierten Runde (Nr. 111) von den Arizona Coyotes ausgewählt worden. Doch 22 Tage später verzichteten die Coyotes auf die Rechte an ihm, nachdem die Zeitung Arizona Republic berichtet hatte, dass er 2016 im Alter von 14 Jahren in mehrere rassistische Mobbingvorfälle mit einem Sonderschüler in Sylvania, Ohio verwickelt war. Miller, der wegen Körperverletzung und eines Verstoßes gegen den Ohio Safe Schools Act angeklagt wurde, gab die Vorfälle vor Gericht zu.
Der General Manager der Bruins, Don Sweeney, sagte am Freitag, er habe mit der Unterzeichnung gerungen und lange mit seiner Familie darüber diskutiert. Zwei Tage später, nachdem Mitglieder der Bruins öffentlich Vorbehalte geäußert hatten und NHL Commissioner Gary Bettman mitteilte, dass Miller nicht für die NHL spielberechtigt sei, reagierten die Klubverantwortlichen.
"Heute haben die Boston Bruins beschlossen, sich mit sofortiger Wirkung von Mitchell Miller zu trennen", teilte Präsident Cam Neely in einer Erklärung mit. "Die Entscheidung, diesen jungen Mann unter Vertrag zu nehmen, wurde nach sorgfältiger Abwägung der uns bekannten Fakten getroffen: dass er mit 14 Jahren eine schlechte Entscheidung getroffen hat, die zu einer Verurteilung als Jugendlicher führte. Wir gingen davon aus, dass es sich dabei um einen Einzelfall handelte und dass er sinnvolle Maßnahmen ergriffen hatte, um sich zu bessern und seine Persönlichkeit kontinuierlich weiterzuentwickeln. Auf dieser Grundlage boten wir ihm einen Vertrag an."
Weiter heißt es in der Verlautbarung: "Aufgrund neuer Informationen glauben wir, dass es zum jetzigen Zeitpunkt die beste Entscheidung ist, Mitchell Miller die Boston Bruins nicht repräsentieren zu lassen. Wir hoffen, dass er weiterhin mit Fachleuten und Programmen zusammenarbeitet, die ihn auf persönlicher Ebene voranbringen."
"Wir sind es unseren Fans, Spielern, Mitarbeitern, Partnern und der Gesellschaft schuldig, dafür zu sorgen, dass unsere Praktiken mit den ethischen Grundsätzen unserer Organisation in Einklang stehen", hob Neely hervor. "Aus diesem Grund werden wir unsere internen Prozesse zur Überprüfung von Personen, die das Privileg erwerben wollen, in der National Hockey League für die Boston Bruins zu spielen, neu bewerten."
"Wir bedauern, dass diese Entscheidung die unglaubliche Arbeit überschattet, die die Mitglieder unserer Organisation leisten, um die Bemühungen um Vielfalt und Integration zu unterstützen. Wir werden uns weiterhin gegen Mobbing und Rassismus in all seinen Formen wenden", so der Bruins-Präsident.
In der Mitteilung richtete er sich auch direkt an den betroffenen Sonderschüler. "Bei ihm und seiner Familie möchte ich mich zutiefst entschuldigen, wenn sie und andere Opfer sich durch die Vertragsunterzeichnung ungesehen und ungehört gefühlt haben. Es tut uns leid uns für den tiefen Schmerz und alles andere, was wir dadurch verursacht haben."
Andere junge Menschen könnten aus diesem Fall wichtige Lehren ziehen. "Seid achtsam gegenüber unvorsichtigem Verhalten und der Gruppenmentalität, andere zu verletzen. Die Auswirkungen können ein Leben lang zu spüren sein", machte Neely deutlich.
Spieler der Bruins hatten sich ebenfalls gegen die Verpflichtung von Miller ausgesprochen. "Ich wurde von Don vor fast einer Woche nach meiner Meinung gefragt. Ich hatte meine Bedenken geäußert", ließ Bruins-Kapitän Patrice Bergeron am Samstag in Toronto gegenüber Reportern wissen. "Die Kultur, die wir hier aufgebaut haben, steht komplett gegen diese Art von Verhalten. Wir sind ein Team, das auf charakterstarken Personen baut. Was er getan hat, ist inakzeptabel. Das können wir nicht dulden."
"Bei uns in der Kabine geht es um Integration, Vielfalt und Respekt. Das sind Schlüsselwerte, die wir haben. Wir erwarten von allen Spielern, die dieses Trikot tragen, dass sie integre und respektvolle Leute sind und sich entsprechend verhalten", fügte Bergeron hinzu.
Während seines Besuchs im finnischen Tampere anlässlich der NHL Global Series 2022 erklärte Bettman, dass die Bruins die NHL vor der Unterzeichnung von Miller nicht konsultiert hätten. Sonst wären sie darüber informiert worden, dass er keine Spielberechtigung in der NHL habe.
"Was ich von den Medien und aus anderen Quellen von seinen Taten als 14-Jähriger erfahren habe, ist verwerflich und inakzeptabel", betonte Bettman. "Er ist zu diesem Zeitpunkt keinesfalls berechtigt, in der NHL zu spielen. Ich kann nicht einmal mit Bestimmtheit sagen, ob er das jemals sein wird."
Foto: Tri City Storm

















