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Unverhoffte NHL-Einsätze

Nach mehreren Monaten bei den Springfield Falcons durfte Goalie Reto Berra zum Saisonabschluss doch noch das Tor der Panthers hüten

von Marc Rösch / NHL.com/de Autor

Die Saison 2016-17 hatte sich der Schweizer Goalie sicherlich anders vorgestellt, als er am 23. Juni 2016 im Austausch für Stürmer Rocco Grimaldi von den Florida Panthers verpflichtet wurde. Mit einem Gegentorschnitt von 2,41, einer Fangquote von 92,2 %, zwei Shutouts und fünf Siegen in 14 Spielen für Colorado in der Vorsaison, war seine Bilanz sicherlich nicht die schlechteste.

Auch wenn Berra mit seinen 1,4 Millionen Dollar Jahressalär zweifellos zu teuer für einen dritten Goalie ist, seine Hoffnungen auf den Platz als NHL-Backup von Roberto Luongo wurden schnell im Keim erstickt. 
Am 1. Juli 2016 verkündeten die Panthers, dass sie den ehemaligen Torhüter der San Jose Sharks und Toronto Maple Leafs James Reimer unter Vertrag genommen haben. Mit der Erfahrung von 215 NHL-Spielen auf dem Buckel und einem Fünfjahresvertrag in der Hand, machte dieser Berra nicht nur die Reservistenrolle streitig. 
Von Anfang an erhielt Reimer bei den hochambitionierten Panthers regelmäßig Einsatzzeiten und nahm die Rolle ein, die Berra so gerne ausgefüllt hätte. Als drittes Rad am Wagen musste Berra fortan beim American Hockey League Farmteam der Florida Panthers, den Springfield Falcons, das Tor hüten. 

In Springfield erreichte Berra in 31 Spielen eine Fangquote von 91,0 % und einen Gegentorschnitt von 2,53. Doch obwohl er mit einer Bilanz von 12-14-6 auch bei den Falcons hinter seinen Erwartungen zurückblieb, wurde Berra wegen Luongos Verletzung am 3. März ins NHL Team der Panthers befördert.  

Bereits vier Tage später durfte Berra - erneut unverhofft - NHL-Eis betreten. Reimer machte am 7. März im heimischen BB&T Center eine derartig unglückliche Figur, dass Headcoach Tom Rowe nach 33:14 Minuten die Reisleine zog und Berra brachte. 

"Schön, dass ich mal wieder eingewechselt wurde und ein paar Minuten in dieser Liga hatte", erzählte Berra, der seinen Kasten mit acht Saves sauber hielt, dem Blick. "Als Team haben wir uns sicher ein anderes Spiel vorgestellt. Aber nachdem ich reingekommen bin, haben wir das Zepter übernommen und einen guten Match gemacht. Ich bin zufrieden mit meiner Leistung"

Am Ende waren die Panthers trotz der guten Leistung von Berra den New York Rangers, bei denen Henrik Lundqvist seinen 404. NHL-Sieg einfuhr und Grant Fuhr in der ewigen Bestenliste überholte, mit 5-2 unterlegen.
Doch der Kurzeinsatz gegen die Rangers sollte nicht der letzte in dieser Saison für Berra werden. Weil der 37-jährige Luongo weiterhin mit einer Verletzung am unteren Körperbereich ausfällt, blieb der 30-jährige Schweizer im NHL-Kader. Mit seinen Trainingsleistungen musste er das Trainerteam wohl derartig überzeugt haben, dass sie ihn am Dienstag als Starttorhüter brachten.

Im Heimspiel gegen die Carolina Hurricanes durfte Berra von Beginn an ran. Doch Berra war mit seiner Leistung in der für seine weitere NHL-Karriere wegweisenden Partie unzufrieden.

"Es war schön für mich, ein Spiel zu machen. Aber ich muss besser sein, ich muss meinem Team mehr helfen. Wir haben uns bemüht, haben viel geschossen und uns viele Chancen erarbeitet, doch die haben im letzten Drittel aus dem nichts getroffen. Ich muss besser werden."

Wahrlich hatten die Carolina Hurricanes, die die Partie mit 4-3 gewannen, nicht viele Einschusschancen, doch wie Headcoache Rowe nachher anmerkte, waren die meisten davon Hochkaräter. 

Auch wenn Berras durchwachsene Statistik von vier Gegentreffern bei lediglich 21 gehaltenen Schüssen anderes vermuten lässt, hielt er sein Team mit einigen wichtigen Paraden im Spiel.

Video: CAR@FLA: Berra vereitelt Murphys Großchance

Beim Spielstand von 3-3 im dritten Spielabschnitt stoppte er Hurricanes Ryan Murphy, der einen schulbuchmäßigen Coast-to-Coast-Lauf auspackte und sich durch die versammelte Panthersabwehr tankte. Auch im Mittelabschnitt glänzte Berra, als er beispielsweise Lee Stempniaks Alleingang abwehrte.

Doch ob all dies noch zählt, wenn Berras Vertrag zum Saisonende bei den Panthers ausgelaufen ist, bleibt abzuwarten. Höchstwahrscheinlich werden im Sommer einige versierte Torsteher auf das Wechselkarussell der NHL aufspringen und mit Berra in Konkurrenz um einen neuen Vertrag stehen.

Sollten für den 2006 in der vierten Runde (Nr. 106) von den St. Louis Blues gedrafteten Berra bis zum Saisonende keine weiteren Einsätze in der NHL folgen, könnte im Sommer ein Abschied aus Nordamerika bevorstehen. Medienberichten zufolge sind mit Fribourg und Lausanne mindestens zwei Vertreter aus der NLA an Berra interessiert.

Berra, der im April 2013 einen Einstiegsvertrag bei den Calgary Flames unterzeichnete absolvierte bislang vier Spielzeiten in Nordamerika. Für die Calgary Flames, die Colorado Avalanche und die Florida Panthers lief er in 66 NHL-Spielen auf. Dabei gelangen ihm 19 Siege bei 31 Niederlagen und vier weiteren Siegen nach Overtime. Dabei erreichte Berra einen Gegentorschnitt von 2,82 sowie eine Fangquote von 90,6 %

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