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NHL.com/de blickt in seiner Serie "International Ice" jeden Sonntag auf das Geschehen außerhalb Nordamerikas und berichtet über Themen oder Spieler aus den verschiedenen europäischen Ligen.
In dieser Ausgabe: Der Start der DEL.

Ein Regisseur hätte es nicht besser inszenieren können. Einen Tag, nachdem Deutschland anlässlich der Coronavirus-Pandemie am Mittwoch in den zweiten Shutdown ging, startete die Penny DEL am Donnerstag mit dem rheinischen Derby zwischen der Düsseldorfer EG und den Kölner Haien (Endstand: 4:5 n. P.) den Saison-Spielbetrieb. Über neun Monate herrschte Stillstand in der obersten deutschen Klasse, seit am 8. März die Schlusssirenen beim letzten Spieltag ertönt waren.
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Dementsprechend groß war die Vorfreude - nicht nur bei den Fans, sondern auch bei den Spielern und Verantwortlichen. "Der Sport geht los", freute sich DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke. "Das ist das Wichtigste. Aber für alle war der Weg bis hierhin sehr schwer. Doch wir freuen uns, dass es jetzt auf dem Eis losgeht." Auch Stürmer Patrick Reimer von den Nürnberg Ice Tigers zeigte sich erleichtert: "Es war doch eine sehr lange und ungewohnte Zeit, seiner Leidenschaft und seinem Beruf nicht nachgehen zu können", erzählte er der Sportzeitschrift Kicker. "Weil der Start so lange auf der Kippe stand, ist die Freude umso größer. Als dann die positive Nachricht kam, ist uns allen ein Stein vom Herzen gefallen."
Spieler verzichten auf Gehalt
Eigentlich hätte die DEL-Saison 2020/21 Mitte September beginnen sollen. Aufgrund der unklaren Zuschauer-Situation wegen der Coronavirus-Pandemie aber wurde dieser zweimal verschoben. Am 17. Dezember fiel dann der Startschuss vor leeren Rängen. Für die 14 DEL-Klubs bedeutete das aber zugleich einen finanziellen Kraftakt, der ohne die Unterstützung von Sponsoren oder dem Gehaltsverzicht von Spielern nicht möglich gewesen wäre.
Reimer, der DEL-Rekordtorschütze (357 Treffer) und Silbermedaillengewinner bei den Olympischen Spielen 2018, erklärte sich ebenfalls bereit zum Gehaltsverzicht: "Es ist eine besondere Zeit. Da muss man besondere Einschnitte in Kauf nehmen", erklärte der Ice-Tigers-Kapitän. "Uns Spielern war immer klar, dass es einen Verzicht geben muss und wird, um an den Start gehen zu können. Das zeigt, wie sehr wir an unserem Beruf hängen und wie sehr jeder wieder spielen möchte. Am Ende haben alle ihren Beitrag geleistet, nicht nur wir Spieler, sondern auch die Mitarbeiter im Büro, Sponsoren und Fans."
Viel Respekt vor Corona
Eishockey in einer globalen Pandemie bedeutet nicht nur Spiele ohne Fans, die gerade in der DEL immer für eine besondere Atmosphäre sorgen, von der sich auch ehemalige NHL-Spieler immer wieder beeindruckt zeigen. Um das Infektionsrisiko zu minimieren, wurde die DEL in eine Nord- und in eine Süd-Staffel eingeteilt. Bis Mitte November spielt jede Mannschaft ausschließlich in der eigenen Gruppe, erst danach kommt es zu Duellen mit der anderen Staffel. Zudem werden die Spieler regelmäßig getestet und müssen sich an die Hygienekonzepte an den jeweiligen Standorten halten.
Wie problematisch das Ganze dennoch ist, erfuhr Reimer am eigenen Leib: Während seiner Leihe zu seinem Heimatklub ESV Kaufbeuren (DEL2) steckte er sich mit dem Coronavirus an. "Jeder muss sich dem Risiko bewusst sein, dass er sich infizieren kann. Ich habe gesehen, wie schnell es gehen kann, selbst wenn man sich an die Regeln hält", warnt Reimer und hofft, dass jeder die Bedrohung ernst nimmt. "Es soll aber nicht das Hauptthema in der Kabine sein. Wir haben keinen großartigen Einfluss darauf, außer uns an die Regeln zu halten. Mit großen Sorgen geht aber keiner in die Saison."
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Eine Menge NHL-Erfahrung in der DEL
Seit Donnerstag wird wieder gespielt. Im Schnitt fielen 6,3 Tore in den ersten drei Partien. Im Derby setzte sich wie erwähnt die DEG mit 5:4 n. P. bei den Haien durch. Tags darauf gewannen die Eisbären Berlin mit 3:2 gegen die Fischtown Pinguins aus Bremerhaven. Reimer verlor am Samstag mit Nürnberg mit 1:5 bei den Adler Mannheim. Diese zählen zusammen mit dem EHC Red Bull München zum Favoritenkreis in der Saison 2020/21. "Durch die zwei Gruppen wird es sicherlich interessant. Auch die Teams aus dem Norden können ein Wörtchen mitreden", so Reimer. "Es ist wirklich schwer, dieses Jahr eine Prognose abzugeben." Zumal die Playoffs - Stand heute - im Best-of-3-Modus ausgetragen werden, was für die ein oder andere Überraschung sorgen könnte.
Einmal mehr werden ehemalige NHL-Spieler in dieser DEL-Saison eine tragende Rolle spielen: Münchens Derek Roy (738 Spiele), Nürnbergs Tom Gilbert (655), Mannheims Andrew Desjardins (408) und Ben Smith (237) sowie Berlins James Sheppard (394) gehören zu den Top-5 in der DEL mit der meisten NHL-Erfahrung. Sie alle helfen mit, "eine Pflicht zu erfüllen", wie es Reimer nannte: "In einer schwierigen Phase müssen wir Mut haben und den Leuten zeigen, dass wir da sind und dass Eishockey weiterlebt."