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Ab Mitte September beginnen in der NHL die Training Camps zur Vorbereitung auf die Saison 2022/23. Vom 1. August an nimmt NHL.com/de in der Serie 32 in 32 täglich ein Team der Liga genauer unter die Lupe. Die zweiteilige Bestandsaufnahme umfasst die wichtigsten personellen Veränderungen, die Schlüsselspieler, die Stärken und Schwächen sowie die Playoff-Chancen.

In dieser Ausgabe: Montreal Canadiens
Der Absturz war heftig: 2021 kämpften die Montreal Canadiens noch in der Finalserie gegen die Tampa Bay Lightning um den Stanley Cup (1:4) und keine zwölf Monate später beendeten sie die reguläre Saison mit einer Matchbilanz von 22-49-11 und 55 Punkten als Tabellenletzter im NHL-Gesamtklassement. Da ist es folgerichtig, dass sich die Verantwortlichen des Traditionsklubs entschieden haben, jeden Stein umzudrehen, um wieder in die Erfolgsspur zu gelangen.

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Den Neuaufbau der Mannschaft soll Martin St. Louis von der Trainerbank aus moderieren. Er erhielt im Juni einen Dreijahresvertrag. Im Februar hatte er den zuletzt glücklosen Dominique Ducharme abgelöst und seine Arbeit für den Rest der Spielzeit interimsweise verrichtet.
Als namhafte Neuzugänge zogen die Canadiens in der Offseason jeweils durch Trades die Stürmer Kirby Dach (von den Chicago Blackhawks) und Evgenii Dadonov (Vegas Golden Knights) sowie Verteidiger Mike Matheson (Pittsburgh Penguins) an Land. Nicht mehr an Bord sind die Stamm-Blueliner Jeff Petry und Alexander Romanov.

CHI@VGK: Dadonov komplettiert Comeback in Overtime

Ein Hoffnungsträger ist Juraj Slafkovsky, der First-Overall-Pick von Montreal beim NHL Draft 2022. Er sorgte trotz seiner erst 18 Jahre bereits im Seniorenbereich in der finnischen Liiga und auf internationalem Parkett mit der slowakischen Nationalmannschaft für Aufsehen.
Schlüsselspieler
Die Angreifer Nick Suzuki und Cole Caufield haben in der vergangenen Saison die Offensive der Canadiens maßgeblich getragen. Center Suzuki war mit 61 Punkten bester Scorer und mit 40 Assist erfolgreichster Vorlagengeber des Teams. Rechtsaußen Caufield stand mit 23 Treffern in der mannschaftsinternen Torjägerliste an der Spitze.

Suzukis Top 5 Tore in 2021/22

Nach dem Aderlass in der Defensive dürfte dort David Savard die Rolle des Anführers zukommen. Es wird allenthalben damit gerechnet, dass er in der neuen Saison mit Matheson ein Verteidiger-Paar bildet.
Ein Fragezeichen steht hinter Torhüter Carey Price. Wenn er nach zwei Jahren voller persönlicher Probleme und Verletzungssorgen noch einmal zu alter Form findet, wäre das ein Pluspunkt.
Stärken
Die Offensive ist in jüngster Vergangenheit der stärkere Mannschaftsteil gewesen. Mit Routinier Dadonov und Dach, dem dritten Gesamtpick beim NHL Draft 2019, bekommen die Canadiens jetzt zwei Akteure hinzu, die in der Lage sind, Suzuki und Caulfield zu entlasten und für das dringend nötige Secondary Scoring zu sorgen. Als Torhüter stehen mit Price und Jake Allen zwei alte Haudegen zur Verfügung, die an guten Tagen ein Spiel entscheiden können.

Caufields Top 5 Tore in 2021/22

Verbesserungspotenziale
Nach der desaströsen Saison 2021/22 muss es eine Steigerung in allen Bereichen geben. Mit 317 Gegentoren (ohne Penaltyschießen) waren die Canadiens die Schießbude der Liga schlechthin. Mit 217 erzielten Treffern bewegte sich Montreal lediglich im hinteren Mittelfeld (Platz 27). Luft nach oben gibt es darüber hinaus im Powerplay (letzte Saison 13,7 Prozent Erfolgsquote, Platz 31) und im Penalty Killing (75,6 Prozent).
Spieler aus DACH
In der dritten Runde beim NHL Draft 2022 (Gesamtposition 75) sicherten sich die Canadiens die Rechte am Österreicher Vinzenz Rohrer. Der 17-jährige Stürmer überzeugte in der Vorsaison bei den Ottawa 67´s in der OHL. In 64 Einsätzen gelangen ihm 48 Punkte (25 Tore, 23 Assists). Der Vorarlberger gilt aber erst einmal als Anleihe auf die Zukunft. Nach Lage der Dinge wird er zunächst in Ottawa bleiben.
Vielversprechende Talente
Mit Top-Pick Slafkovsky halten die Canadiens ein Stürmerjuwel in Händen. Wenige Tage nach dem Draft setzte er sein Autogramm unter einen Entry-Level-Vertrag mit einer Laufzeit von drei Jahren. Aufgrund seiner starken Auftritte bei TPS aus Turku in der Liiga sowie bei Olympia 2022 und der IIHF Weltmeisterschaft 2022 im Trikot der Slowakei wäre es wenig verwunderlich, wenn er sich im Training Camp im September auf Anhieb einen Platz im NHL-Kader der Canadiens für 2022/23 erkämpft.

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Dieses Ziel verfolgen auch die beiden Nachwuchsverteidiger Justin Barron und Jordan Harris. Der 20-jährige Barron war Bestandteil des Trades von Artturi Lehkonen im März zu den Colorado Avalanche und absolvierte bereits fünf Spiele für Montreal, als ihn eine Knöchelverletzung außer Gefecht setzte. Er wurde von Colorado beim NHL Draft 2020 in der ersten Runde an 25. Stelle gezogen. Der zwei Jahre ältere Harris, ein Drittrundenpick der Canadiens von 2018 (Nummer 71) spielte vorige Saison im College-Bereich für die Northeastern University.
Playoff-Chancen
Wegen der starken Konkurrenz in der Atlantic Division gehören die Canadiens nicht zu den Anwärtern auf einen Spot in den Stanley Cup Playoffs. Für sie sollte es in erster Linie darum gehen, sich leistungsmäßig deutlich wahrnehmbar zu steigern und den Weg aus dem NHL-Keller zu finden. Aber wer weiß, was passiert, wenn Montreal wieder einen Lauf hat wie in der Postseason 2021…
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