Grubauer war in der Saison 2021 stark

Ab Mitte September beginnen in der NHL die Trainingscamps zur Vorbereitung auf die Saison 2021/22. Vom 16. August an nimmt NHL.com/de in der Serie 32 in 32 jedes Team der Liga genauer unter die Lupe. Die Bestandsaufnahme umfasst die wichtigsten personellen Veränderungen, die Schlüsselspieler, die Stärken und Schwächen sowie die Playoff-Chancen der Klubs.
In dieser Ausgabe: Seattle Kraken

Es ist ein interessantes Projekt, das im Nordwesten der USA seine Arbeit aufgenommen hat. Die Seattle Kraken stoßen in der kommenden Saison als 32. Team zur NHL. Und spätestens der Einstieg der Vegas Golden Knights in die Liga sollte deutlich gemacht haben, dass die Zeit vorbei ist, in der Expansionsteams in der ersten Saison nur bessere Sparringspartner für den Rest der Liga darstellen.
General Manager Ron Francis hat in Seattle ein solides Team zusammengestellt, das noch nicht überall, aber schon in weiten Teilen höheren NHL-Ansprüchen genügt. Das trifft vor allem auf die Defensive und die Torhüter zu. Und auch ein Deutscher will und wird seinen Teil zum Gelingen eines guten Starts beitragen: Torwart Philipp Grubauer unterschrieb einen Sechsjahresvertrag bei den Kraken.
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Grubauer war schon der Backup von Braden Holtby, als die Washington Capitals 2018 den Stanley Cup gewannen. Das Ziel, daran hat der gebürtige Rosenheimer keinen Zweifel gelassen, will er nun in Seattle als Torwart Nummer eins erreichen. Das wird in der ersten Saison schwierig. Aber wie das Beispiel Vegas zeigt, ist vieles möglich, wenn aus dem neuen Team ein verschworener Haufen wird, der sich einem Ziel verschrieben hat.
Die Schlüsselspieler
Grubauer wird sich in der ersten Saison im Tor der Kraken nicht über Arbeit beklagen können. Doch das wird ihn nicht umwerfen. Der 29-Jährige hat bei den Colorado Avalanche gezeigt, dass er für ein Team Spiele gewinnen und dass er es in den Playoffs weit tragen kann. Jetzt wird die Situation eine andere sein. Die Kraken werden selten als klare Favoriten in die Partie gehen. Der Druck wird erst einmal nicht auf Grubauer liegen.
Um seine Vorderleute muss sich der Deutsche keine Sorgen machen. Die Kraken legten bei der Zusammenstellung ihres Kaders für ihre Premierensaison vor allem Wert auf eine stabile Defensive. Mark Giordano ist mit 37 Jahren nicht mehr der Jüngste. Aber der Gewinner der Norris Trophy als bester Verteidiger der Saison 2019, ist nach 15 Spielzeiten bei den Calgary Flames der richtige Mann, um eine frisch formierte Abwehr zusammenzuhalten und dort den Ton anzugeben.

Highlights von Philipp Grubauer

Im Sturm sind die Kraken noch vergleichsweise dünn besetzt. Die logische Wahl auf den ersten Blick, wer hier die Kastanien aus dem Feuer holen soll, wäre Yanni Gourde, in den vergangenen beiden Spielzeiten Stanley Cup Sieger mit den Tampa Bay Lightning. Doch er wird wohl wenigstens den ersten Monat der neuen Saison nach einer Schulteroperation verpassen. Jordan Eberle und Jaden Schwartz müssen es dann wohl richten.
Vielversprechende Talente
Die Kraken haben selbstverständlich noch nicht das klassische Farmsystem am Laufen, um damit das Team zu füttern. Den einen oder anderen guten jungen Spieler haben sie aber trotzdem in ihren Reihen. Zum Beispiel Matty Beniers. Der 18 Jahre alte US-Amerikaner war beim NHL Draft dieses Jahr erste Wahl bei den Kraken, die ihn an zweiter Stelle in der ersten Runde zogen. Für den NHL-Kader in Seattle wird es aber wohl noch nicht reichen.
Dann vielleicht doch eher für Leute wie Morgan Geekie oder Carsen Twarynski. Beide Stürmer sind den Verantwortlichen in Seattle keine Unbekannten: Die Carolina Hurricanes zogen Geekie 2017 in der dritten Runde des NHL Drafts an 67. Stelle. Der General Manager der Hurricanes damals war Francis. Twarynski wurde 2016 von den Philadelphia Flyers in der dritten Runde des Drafts an 82. Stelle gezogen. Der Coach der Flyers war damals Dave Hakstol. Dieser steht jetzt bei den Kraken hinter der Bande in der Verantwortung.

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Stärken
Die Kraken haben eines der besten Torhüterduos. Mit Grubauer haben sie eine klare Nummer eins, die Spiele im Alleingang gewinnen kann und in brenzligen Situationen die Ruhe behält. Das dürfte bei den Coaches und auch den Teamkollegen die Nerven beruhigen. Sollte es bei Grubauer einmal nicht laufen oder der Deutsche einmal eine Pause brauchen, steht mit Chris Driedger ein Backup zur Verfügung, der selbst das Potenzial hat, Nummer eins in der NHL zu sein und in der vergangenen Saison bei den Florida Panthers mit guten Leistungen auf sich aufmerksam gemacht hat.
Auch in der Verteidigung hat Francis für den Anfang eine respektable Formation zusammengestellt. Giordano ist der Anführer. Dazu kommen noch gestandene Recken wie Jamie Oleksiak, Adam Larsson, Vince Dunn, Carson Soucy und Haydn Fleury. Die Kombination aus Keepern und Verteidigern sollte es den Gegnern an jedem Abend schwermachen, Tore zu schießen.

Entwicklungspotenzial
Das Toreschießen könnte in der ersten Saison die Schwäche der Kraken sein. Die Angriffsformation ist auf dem Papier bei Weitem nicht so stark besetzt wie die Verteidigung. Die Verletzung von Gourde spielt dem neuen Team da nicht gerade in die Karten. So wird viel Verantwortung auf den Schultern von Eberle und Schwartz liegen. Joonas Donskoi, bislang eher ein Mann für die dritte Reihe, könnte in der zweiten Sturmformation eine prominentere Rolle als bislang einnehmen. Vor allem auf der Centerposition wird es nach Alex Wennberg und Calle Jarnkrok doch sehr dünn.

Playoff-Chancen
Als Expansion-Team in die Playoffs? Die Golden Knights haben vorgemacht, wie es geht. Die Kraken haben zumindest in der Verteidigung und zwischen den Pfosten schon einmal die richtigen Puzzleteile, um in der Pacific Division die arrivierten Teams zu ärgern. Und wenn man bedenkt, dass Teams wie die Anaheim Ducks, Los Angeles Kings, Calgary und die Vancouver Canucks in der vergangenen Saison nicht gerade Angst und Schrecken verbreitet haben und noch im Umbruch sind, könnte für Seattle durchaus etwas gehen. Wunderdinge sollte man vom Liganeuling allerdings nicht erwarten.