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Leidenschaft und Härte - Ovechkin ist mehr als ein Torjäger

Der Superstar der Capitals überzeugt nicht nur durch Schüsse und Tore, sondern auch durch Leidenschaft, Härte und unbändigen Siegeswillen

von Christian Göbel @DocGoebel / NHL.com/de Freier Autor

"Er ist nicht ohne Grund der beste Torjäger. Er schießt. Wenn du Tore erzielen willst, dann musst du schießen und er schießt aus jeder Position", legte Ottawa Senators Trainer D.J. Smith nach der 3:5-Niederlage gegen die Washington Capitals am Freitag das Augenmerk auf den Doppeltorschützen Alex Ovechkin. "Die Spieler, die mit ihm auf dem Eis stehen wissen das und geben ihm den Puck und er schießt immer wieder und dann trifft er regelmäßig." 

Ovechkin ist mit Sicherheit der gefährlichste Schütze der Liga, doch seine Torjägerqualitäten rühren nicht allein von der Anzahl der Schüsse. 5474 Mal schloss der russische Superstar in seiner NHL-Karriere bislang ab und traf in 695 Fällen. Mit einer Schusseffizienz von 12,7 Prozent gehört Ovechkin zwar auf eine Saison gesehen nicht zu den Präzisionsschützen der Liga, doch seine Konstanz ist bemerkenswert. Besonders beim Blick auf die Zahlen wird deutlich, dass der Angreifer über Jahre hinweg die Torhüter der Liga zur Verzweiflung getrieben hat. 140 unterschiedliche NHL-Goalies mussten nach einem Ovechkin-Treffer bereits die Scheibe aus dem Netz fischen. 93 verschiedene Spieler sammelten Assist-Punkte bei Ovechkin-Toren in der regulären Saison, 21 davon assistierten ihm jedoch nur ein einziges Mal.

Video: WSH@OTT: Ovechkin trifft doppelt und überholt Messier

Der Star der Capitals weiß, dass er ohne seine Mitspieler sicher nicht an den Rekorden der Legenden kratzen könnte. Auch nach dem Sieg gegen die Senators lobte er seine Kameraden: "Man kann sehen, wie gut meine Reihenkollegen und das ganze Team heute gespielt haben. Immer wenn sie mich da draußen haben anspielen können, dann haben sie es getan. Offensichtlich hatte ich heute viele Chancen noch öfter zu treffen, aber ich nehme es so wie es gekommen ist und schaue nach vorne."

Der Blick in die Zukunft zeigt Ovechkin einen weiteren Meilenstein. Noch fünf Treffer fehlen ihm, um die legendäre 700-Tore-Marke zu erreichen. Mit seinen beiden jüngsten Treffern in Ottawa zog Ovechkin erst mit Mark Messier gleich und überholte ihn anschließend in der All-Zeit-Bestenliste der NHL-Torjäger. Das Canadian Tier Centre feierte Washingtons Stürmer nach seinen beiden Toren und dem erreichten achten Rang der NHL-Bestenliste trotz der Tatsache, dass er ein gegnerischer Spieler ist.

"Es ist cool, wenn wir in anderen Hallen spielen und du siehst, wie die gegnerischen Fans diesen Moment zu schätzen wissen", freute sich Washingtons Verteidiger John Carlson über die Reaktion in Ottawa. "Es ist ein geschichtsträchtiger Moment und ich denke er verdient den Jubel und Applaus für die großartige Karriere, die er bislang hatte." Die Freude der Fans auch bei Auswärtsspielen zeigt, wie viel Ovechkin für den Sport geleistet hat. Nicht nur sein Schuss wird vielen Generationen in Erinnerung bleiben, das sieht auch Messier so: "Glückwunsch Alex zu deiner neusten Errungenschaft als Torjäger", richtete er sich direkt an Ovechkin. "Du hast uns mit deinen Fähigkeiten, deinem Schuss und deiner Härte beeindruckt - eine sehr seltene Kombination. Aber über das alles hinaus hast du eine ganze Generation an Jungs und Mädchen, mit deiner Leidenschaft für das Spiel und das Tore schießen, inspiriert." Weiter wünschte er Ovechkin viel Glück auf seinem Weg weiter nach oben in der Torjägerliste. Dort wartet nach dem 700-Tore-Meilenstein Mike Gartner mit 708 Treffern auf dem siebten Platz.

Video: WSH@NYI: Ovi überholt Lemieux, gleichauf mit Yzerman

Ovechkins Schussstärke, Leidenschaft, Härte und die Bescheidenheit die Teamkameraden nicht zu vergessen, machen ihn zu einer einzigartigen Erscheinung. Zusätzlich sorgt sein unbändiger Wille immer besser zu werden dafür, dass er selbst mit 34 Jahren noch weiter an seinen Fähigkeiten arbeitet. "Es gab Zeiten, da konntest du ihn bei 6-gegen-5-Situationen, wenn das andere Team den Torhüter gezogen hatte, nicht auf das Eis schicken", ließ Capitals-Trainer Todd Reirden eine der Schwachstellen des Superstars durchblicken und zeigte gleich auf, dass diese Zeit vergangen ist. "Jetzt ist er in diesen Situationen unverzichtbar, zuverlässig und spielt stark."

Den eigenen Ruhm stellt Ovechkin im Zweifel auch hinten an. Das All-Star-Spiel ließ er ausfallen. "Er war nicht beim All-Star-Spiel, um sich selbst auf die zweite Hälfte der Saison vorzubereiten und das Team zu unserem ultimativen Ziel zu pushen, dem Stanley Cup", unterstrich Reirden die Bedeutung Ovechkins für die Mannschaft. Mit 75 Siegtreffern ist Ovechkin, gemeinsam mit Jaromir Jagr, der Spitzenreiter in dieser Kategorie. Ein weiteres Indiz für die Nervenstärke und die Erfahrung, die er mitbringt.

Wenn Ovechkin die 700-Tore-Marke knackt, wird er voraussichtlich 34 Jahre alt sein. Nur Wayne Gretzky war, mit 29 Jahren, jünger, als er diese Marke erreichte. Alle anderen im Club der 700 Tore waren 36 oder älter. Ovechkin benötigte 5232 Tage von seinem ersten NHL-Tor bis zu seinem 695. Wenn er die Treffsicherheit seit seinem 600. Tor beibehält wird der Russe nur 154 Partien benötigen, um von 600 auf 700 Treffer zu kommen. Keiner der anderen 700-Tore-Spieler schaffte das schneller. 

Mit elf Treffern in den vergangenen fünf Partien ist Ovechkin auf dem besten Weg diesen Rekord zu erreichen. Elf Treffer in fünf Partien konnte der Angreifer in seiner Karriere noch nie erzielen und er ist erst der zweite Spieler, dem das im Alter von 34 oder älter gelungen ist (Joe Mullen, Dezember 1991, Pittsburgh Penguins). In nur 19 Tagen überflügelte Ovechkin in der Torjägerliste mit Teemu Selanne, Mario Lemieux, Steve Yzerman und Messier vier Mitglieder der Hockey Hall of Fame und liegt nur noch 200 Tore hinter Gretzky. "Es ist schön in solcher Gesellschaft zu sein", sagte der stolze Stürmer. "Offensichtlich sind dort viele Legenden vertreten."

Ovechkin wird sicher auch in die Hall of Fame einziehen und das nicht nur wegen seines Schusses. Die Verknüpfung des geborenen Torjägers mit einem Teamplayer und Kämpfer, der dem Sieg alles unterordnet und so eine gesamte Generation begeistert wird, besonders nach seinem 700. Treffer, auf ewig mit den Capitals verknüpft sein. "Wir haben so ein Glück ihn in Washington zu haben", fasste Reirden die Bedeutung des Superstars perfekt zusammen.

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