Skip to main content

Ein Spiel wie eine Achterbahnfahrt

Der erste Vergleich zwischen den Pittsburgh Penguins und den Nashville Predators war ein selten verrücktes Spiel

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

Es gibt so Spiele, die lassen einen am Ende dann doch zunächst noch etwas ratlos zurück. Zu diesen eigentlich unerklärlichen Begegnungen zählte sicherlich auch das erste Aufeinandertreffen zwischen dem Titelverteidiger, den Pittsburgh Penguins, und dem Herausforderer, dem Überraschungsteam der Nashville Predators, beim Kampf um den heißbegehrten Stanley Cup.

Am Ende siegten die Hausherren hierbei mit 5:3 Toren über den Underdog, doch wie dieses Ergebnis schlussendlich zustande kam, das wird die Fans beider Lager wohl noch etwas beschäftigen.

Fakt ist aber auch, dass nach dem 'Wie' am Ende allerdings wohl irgendwann auch keiner mehr fragt, sondern schlicht das nackte Ergebnis zählt. 

Aus Sicht der Penguins sicherlich erfreulich, aber aus dem Blickwinkel der Jungs aus Tennessee im Rückblick doch insgesamt mehr als ärgerlich. 

Das Spiel bot eine selten gesehene Achterbahnfahrt für die Emotionen beider Lager. Großes Spektakel, so wie man es sich aus neutraler Sicht nur wünschen kann.

Erstaunlicher Weise hielten die Gäste die hochgelobte Offensive des Titelverteidigers zwischendurch über schier unglaubliche 37 Minuten lang komplett ohne Torschuss auf den Kasten von Torhüter Pekka Rinne. Doch 'leider' lagen die Gäste da bereits mit 0:3 Toren zurück. Nie zuvor hatte man ein Team über eine so lange Periode in einem SC-Finale ohne eigenen Torschuss erlebt. 

Video: NSH@PIT, Sp1: Boninos Schuss wird abgefälscht

Und tatsächlich erholte sich das Team der 'Preds' noch von diesem scheinbar vorentscheidenden Rückstand. Allerdings nur um dann am Ende doch noch eine mehr als bittere Niederlage zu kassieren. Ein Spiel, welches das sprichwörtliche Momentum so krass wechselt ist selbst in der traditionell ausgeglichenen NHL recht selten. 

Nicht zu vergessen auch die Tatsache, dass die Gäste eine vermeintliche 1:0-Führung zu Spielbeginn durch eine Coaches Challenge aberkannt bekamen. Zudem traf mit Nick Bonino ein Spieler mitentscheidend gleich doppelt, der gar nicht direkt auf den gegnerischen Torhüter zielte. Wann hat man das schon einmal?

So viele verschiedene Geschichten also, welche eigentlich einer ausführlicheren Einzelbetrachtung wert wären… 

"Das war wirklich ein verrücktes Spiel" erklärte Rinne dann auch anschließend gegenüber NHL.com/de. Und das ist in dieser Form sogar noch untertrieben.

Nicht wenig Beobachter sind nämlich sogar der Meinung, dass dies vielleicht das verrückteste Stanley Cup-Finalspiel der Geschichte, zumindest aber der letzten Jahre war. Viele grübelten noch minutenlang nach dem Spiel, was da eigentlich gerade in diesen spektakulären 60 Minuten vor ihren Augen abgelaufen war.

Mit lediglich 12 Schüssen auf den Kasten des Gegners gab bisher noch kein Team in der Geschichte der Stanley Cup-Finalspiele so wenige Torschüsse in einem Spiel ab. 26 zu 12 lautete das Torschussverhältnis am Ende für die Gäste. Das Spiel ging bekanntermaßen schlussendlich trotzdem mit 3:5 verloren. 

Effektivität des Champions, oder aber Schwäche des Underdogs? Die Diskussionen dauerten lange an. Und ein einiges Ergebnis kannten sie dann auch nicht. Fest steht jedoch, Rinne, der bisher wohl beste Torhüter der diesjährigen Playoffs, zeigte am Montagabend in Pittsburgh deutlich erkennbare Schwächen. 

Und egal wie der Sieg am Ende auch zustande kam, den Penguins darf das heute schon herzlich wurscht sein, denn danach frag spätestens zum Spiel Zwei am Mittwoch längst schon keiner mehr. 

Trotzdem sollte man natürlich durchaus auch kritisch an die Leistung der Gastgeber herangehen in der Analyse. Zumindest dann, wenn man auch diese Heimbegegnung am Ende wieder gewinnen will, die Serienführung auf ein möglicherweise dann schon vorentscheidendes 2:0 ausbauen will.

 

"Wir lassen uns von diesem Resultat ganz bestimmt nicht blenden" versicherte auch Penguins Headcoach Mike Sullivan nach dem Spiel gegenüber den versammelten Medienvertretern, darunter auch NHL.com/de. "Unser Spiel war nicht wirklich überzeugend heute. Das Ergebnis ist natürlich ganz in unserem Sinne, doch uns allen ist klar, dass wir uns deutlich steigern müssen."

Auch Superstar Sidney Crosby gab sich gegenüber NHL.com/de anschließend durchaus selbstkritisch: "Wir wissen schon, dass das nicht unser bester Abend war. Wir müssen uns noch deutlich steigern, gar keine Frage!"

Die Motivation der Jungs aus Pittsburgh muss derzeit natürlich extrem hoch sein, denn schließlich könnte man als erste Franchise in der Salary Cap Ära einen Titel in der besten Eishockeyliga der Welt erfolgreich verteidigen, wenn man nun noch drei weitere Siege gegen den klaren Außenseiter feiern kann.

"Das ist natürlich ein ziemlich blödes Ergebnis aus unserer Sicht" klagte Gästetrainer Peter Laviolette, der im Jahre 2006 bekanntlich den Stanley Cup mit dem Außenseiter aus Carolina gegen die Edmonton Oilers gewinnen konnte. "Die Jungs haben gut gespielt, sind dafür aber nicht belohnt worden."

Video: NSH@PIT, Sp1: Guentzel mit der späten Führung

Torhüter Rinne will sich von diesem mehr als unglücklichen Abend den Optimismus aber nicht verderben lassen: "Abhaken und weitermachen. Das war einfach einer dieser Abende. Das kommt vor. Natürlich ist es bitter, dass es ausgerechnet im ersten Finale so abläuft. Ich bin enttäuscht jetzt. Aber wir müssen jetzt direkt auf das nächste Spiel schauen."

Für Jake Guentzel auf der anderen Seite war es natürlich eher das Gegenteil. Nach zuletzt schwierigen Tagen überwand der Stürmer der 'Pens' seine Torflaute und traf vorentscheidend für seine Farben. Acht Spiele lang war ihm ein Torerfolg zuletzt verwehrt geblieben. Sein 10. Playoff-Treffer wirkte auf ihn nun entsprechen befreiend.
Sein Trainer war daher ebenfalls erleichtert. "Das nimmt nun hoffentlich den ganz großen Druck von ihm. Das Tor war extrem wichtig für uns. Das zeigt was für ein toller Kämpfer er für uns ist."

Die Achterbahnfahrt des Abends in Pittsburgh hinterließ somit naturgemäß unterschiedlichste Résumés. 

Coach Laviolette sah sich auf der anderen Seite naturgemäß nach der Begegnung vom Montag eher um die Früchte der harten Arbeit für sein Team betrogen. 

"Ich würde jetzt logischer Weise auch lieber mit 1:0 in der Serie führen, wünschte ich könnte jetzt hier sagen, dass wir am Ende recht glücklich mit einem Sieg davon gekommen sind. Dem ist nun aber nun einmal nicht so. Uns hat dieses Spiel schlicht die Chance reduziert hier am Ende mit vier Siegen rauszugehen."

Mehr anzeigen