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Shero will lieber Siegertypen als Top-Draft-Chancen

Die Gefahr eine Verlierer-Mentalität durch vermeidbare Niederlagen für eine bessere Draftposition zu generieren ist keine gute Option

von Christian Göbel @DocGoebel / NHL.com/de Autor

Die Trade Deadline stellt meist die Zäsur dar, zu der sich Teams entscheiden müssen, ob sie für den Erfolg in dieser Spielzeit Risiken eingehen und Talent oder Draftpick opfern, um den derzeitigen Kader zu verstärken, oder ob sie auf der anderen Seite des Trades stehen. 

Für die Mannschaften am unteren Ende der Tabelle, mit dem Ziel eines Neuaufbaus, sind zusätzliche Rechte im Draft ein verlockender Preis für die eigenen Stars. Besonders bei den Fans hält sich der Mythos, dass manche Franchise absichtlich schlechter spielt, um in der Abschlusstabelle weiter hinten zu landen. Die Belohnung wäre schließlich eine vermeintlich frühere Gelegenheit aus dem Pool der Jugendspieler wählen zu dürfen. Doch ist an diesem Mythos auch nur ein Fünkchen Wahrheit zu finden?

 

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Der General Manager der New Jersey Devils, Ray Shero, gab sich in einer Pressekonferenz zu diesem Thema sehr offen und zeigte den Drahtseilakt auf, den Manager in dieser Zeit leisten müssen. 

Die Devils befinden sich auf dem 27. Rang der Liga und haben die Hoffnungen auf die Stanley Cup Playoffs aufgegeben. Der Abstand auf die letztplatzierten Ottawa Senators beträgt neun Punkte. Die Überlegungen mit Niederlagen den vermeintlich besten Draftpick zu bekommen könnten tatsächlich vorhanden sein. Ray Shero relativierte dies jedoch: "Es ist ein Balanceakt, aber wenn das Spiel beginnt, dann ist es das nicht mehr."

Für Shero ist selbstverständlich klar, dass es herausragende Talente gibt, die jede Franchise im Draft gerne für sich gewinnen würde: "Wir alle wissen, dass es jedes Jahr Spieler mit besonderen Fähigkeiten gibt." Doch ihm ist auch klar, dass die Draftlotterie absichtliches, schlechtes Abschneiden nicht automatisch belohnt. 

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Sämtliche Teams, die die Playoffs verpassen, haben die Chance den ersten Draftpick zu erhalten. Die Wahrscheinlichkeiten sind jedoch höher, je weiter hinten der Club in der Tabelle gelandet ist. Doch auf Glück möchte Shero sich nicht verlassen: "So wie die Lotterie aktuell ist, macht es keinen Unterschied. Du wirst letzter in der Liga und deine Chancen den ersten Pick zu bekommen liegen bei gerade einmal 25%." Tatsächlich liegt die Wahrscheinlichkeit bei sogar nur 18,5%. Doch was riskieren die Teams, wenn sie die höhere Chance durch Niederlagen zum Saisonende erreichen?

Shero erklärte, dass die Zeit nach der Trade-Deadline besonders für junge Akteure eine sehr lehrreiche sein kann: "Es ist eine wertvolle Erfahrung für unsere jungen Spieler. Es ist Teil unserer Kultur auf und neben dem Eis." 

Durch absichtliche Niederlagen würden diese jungen Spieler ein falsches Signal erhalten. Wenn durch Experimente Niederlagen billigend in Kauf genommen würden, dann könnte dies negative Auswirkungen auf die Denkweise eines Teams haben. 

 

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Es bestünde die Gefahr, dass eine Art Verlierer-Mentalität entstehen könnte, die den anstehenden Neuaufbau stören würde. Daran könnte auch ein potenzieller Top-Prospect nichts ändern, meinte Shero.

Während es für Spieler und Trainer einfach ist, zu entscheiden wie die Partien angegangen werden, muss Shero, wie jeder andere GM, weiterdenken: "Auf der einen Seite willst du gewinnen, auf der anderen Seite siehst du als Manager das gesamte Bild." Trainer und Spieler wollen immer erfolgreich sein und eigentlich geht es auch Shero so: "Wenn das Spiel beginnt, bin ich nicht anders, als Spieler und Trainer. Ich will gewinnen. Das ist der Job der Coaches und der Spieler."

Ein Fünkchen Wahrheit scheint in der These, dass für eine besser Chance in der Draft-Lotterie auf Top-Leistungen verzichtet wird, doch enthalten zu sein. Der tatsächliche Wahrheitsgrad ist jedoch marginal und vermutlich nur zwischen zwei Matches in den Köpfen der GMs existent. 

Allgemein dürfte eher Sheros Aussage gelten: "Du kannst es nicht kontrollieren. Du probierst Dinge für die Zukunft aus." Genau diese Zukunft will am Ende niemand riskieren, indem er ein Team von Verlierern generiert.

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