Es dauerte danach leider bis Anfang Oktober 2018, dass mit den Edmonton Oilers wieder ein Franchise aus der NHL den Weg nach Deutschland fand. Abermals war die Begeisterung groß, reisten hunderte Eishockeyfreunde quer durch die Republik, um sich das Spiel gegen die Kölner Haie aus der DEL in der Halle vor Ort anzuschauen.
In Bern soll die Begeisterung rund um den Auftritt der New Jersey Devils in der Preseason ähnlich groß gewesen sein, wie mir die Kollegen berichteten, die das Spiel vor Ort angeschaut, für NHL.com/de darüber berichtet haben.
Vor diesem Hintergrund macht es natürlich Sinn für die Liga, sich in regelmäßigen Abständen in Europa blicken zu lassen. Die Football-Liga NFL macht es seit über 10 Jahren vor, bestreitet in jedem Herbst gleich einige Spiele in England, die von einer inzwischen treuen Anhängerschar besucht werden. Warum sollte die NHL diese Möglichkeit sich den Fans in Europa zum Anfassen zu präsentieren also nicht für sich nutzen? Die Chance zu verpassen wäre ja geradezu fahrlässig. Ähnliches gilt für Spiele in China. Wie groß das Interesse in Afrika ist, das vermag ich nicht zu beurteilen. Da sollen die Fachleute tun.
Alexander Gammel: Wie Robin bereits erwähnt hat, war die Begeisterung in Bern unglaublich. In der Schweiz und besonders in Bern, genießt Eishockey aber ohnehin schon einen relativ hohen Stellenwert. Mark Streit sprach im Interview in Bern von dem Eishockey-Virus, mit dem er infiziert sei. Dieses Virus hat in weiten Teilen Europas bereits einen Nährboden gefunden und sich festgesetzt. Das stellt meiner Ansicht nach für die NHL eine große Chance dar.
Leuten, die sich bereits für Eishockey begeistern, oder wenigstens irgendeine Verbindung zu dem Sport haben, haben nur einen kleinen Schritt vor sich, von der heimischen Liga zur NHL. Diese Grundlage existiert mittlerweile nicht nur in den traditionellen Eishockeynationen, sondern in kleinerem Maßstab auch schon in anderen europäischen Ländern. Da ist eines der größten Probleme die Zeitverschiebung, die es auf einem anderen Kontinent deutlich schwieriger macht, die Spiele wirklich dauerhaft live zu verfolgen.
In Afrika und China ist das eine ganz andere Geschichte. Dort geht es nicht darum, ein bereits bestehendes Feuer zu nähren, sondern darum, den ersten Funken zu entfachen. Das ist eine deutlich schwierigere und mühsamere Aufgabe. Mit großen Events wie der Global Series lassen sich sicherlich auch dort Fortschritte erzielen, doch das geht nur in sehr kleinen Schritten und es wird lange dauern, bis sich dort eine echte Eishockey-Kultur entwickelt.