Winnipeg Jets v Minnesota Wild

Es ist unbestritten, dass Marc-Andre Fleury, den die Pittsburgh Penguins einst beim NHL Draft 2003 an Nummer eins auswählten, längst einer der ganz großen Torhüter in der Geschichte des Eishockeysports ist. Am Sonntag wurde das ganz frisch in das Bewusstsein einer großen Öffentlichkeit gerufen. Zwar unterlag Fleury mit seinen Minnesota Wild den Winnipeg Jets im heimischen Xcel Energy Center mit 2:3, im Mittelpunkt aber stand er trotz des für ihn sportlich unbefriedigenden Verlaufs der Begegnung, da er gerade sein 1.000 NHL-Spiel absolviert hatte. 

Jubilar Fleury zeigt sich nach dem Spiel bescheiden

Fleury schien die viele Aufmerksamkeit die ihm zu Teil wurde, eher unangenehm zu sein. „Ich weiß nicht, ich bin irgendwie froh, dass es vorbei ist", sagte Fleury nach der Schlusssirene. „Ich wünschte, es wäre ein Sieg. Das ist enttäuschend. Ich denke, die Jungs haben heute Abend großartig gespielt. Sie haben hart gekämpft. Es war ein besseres Spiel als gestern Abend in Winnipeg (eine 2:4-Niederlage). Zwei Punkte sind das Wichtigste hier. Ich fühle mich natürlich sehr geschmeichelt von dem Empfang durch das Publikum und meine Mannschaftskameraden. Das bedeutet mir sehr viel. Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich so lange gespielt habe und viele Jahre lang das tun konnte, was ich liebe. Darüber bin ich sehr glücklich."

WPG@MIN: Lowry verwertet Abpraller zum 100. Karriere-Tor

Ehrung schon vor dem Spiel 

Fleury stand schon weit vor dem Spielbeginn im Mittelpunkt des Interesses. In Anbetracht des bevorstehenden Meilensteins überreichten die Minnesota Wild ihrem Goalie mit dem blumigen Namen passender Weise schon beim Betreten der Arena ein schmuckes, blühendes Gebinde. Doch damit nicht genug. Es warteten noch einige Überraschungen mehr auf den Torhüter der Wild. Fleury schritt auf dem Weg in die Umkleidekabine einen Gang entlang, der zu Ehren seines Spitznamens ‚Flower‘ reich mit Rosenblättern bedeckt war.

Der 39-jährige dreimalige Stanley Cup Champion (2009, 2016 und 2017 mit den Pittsburgh Penguins) wurde erst der vierte Torwart in der Geschichte der NHL, der 1.000 Spiele absolviert hat. 384 Feldspieler haben diese Marke bisher erreicht, doch nur die berühmten Torhüter Martin Brodeur (1.266), Patrick Roy (1.029) und Roberto Luongo (1.044) haben in der Liga noch mehr Spiele zwischen den Pfosten absolviert als Fleury.

Jets setzen guten Lauf fort

Dominic Toninato erzielte seinen ersten Saisontreffer für Winnipeg (22-9-4), das aus den jüngsten 13 Begegnungen eine beeindruckende Statistik von 10-1-2 vorzuweisen hat. Fleurys Gegenüber Laurent Brossoit konnte 24 Paraden abliefern und den Sieg der Gäste am Ende festhalten. Der Schweizer Angreifer Nino Niederreiter, der am Vortag noch mit zwei Treffern geglänzt hatte, blieb bei 18:31 Minuten Eiszeit diesmal ohne eigenen Scorerpunkt.

„Mir war schon vor dem Spiel klar, dass es ein hart umkämpftes Spiel werden würde. Es war nicht viel Platz da draußen. Daher war es eine Zeit lang ein recht ereignisarmes Spiel. Das ist halt die Art, wie beide Teams spielen“, fasste Jets-Trainer Rick Bowness die Begegnung in aller Kürze zusammen. „Mein Kollege Hynes hat diese Jungs dazu gebracht, sehr, sehr hart zu spielen. Daher ist es schwer, gegen sie zu bestehen."

Minnesotas Heimserie reißt 

Für Minnesota reichten die Tore von Marcus Foligno und Frederick Gaudreau nicht, um Fleurys Jubiläumsspiel zu einem sportlichen Erfolg zu machen. Die Saisonbilanz der Wild lautet nach diesem Patzer 16-15-4. Eine Serie von zuvor sieben Heimsiegen in direkter Folge endete ausgerechnet in dem für Fleury so besonderen Spiel. Die 26 Rettungstaten des Jubilars konnten die Niederlage nicht verhindern.

„Es ist natürlich enttäuschend, dass wir das Spiel verloren haben, aber man kann auch viel Positives daraus ziehen", resümierte Minnesotas Coach John Hynes. „Wir haben toll gekämpft. Ich denke, wir waren von Anfang an voll da, hatten die Möglichkeit, das Spiel zu gewinnen. Wenn man in so einem engen Spiel gegen ein wirklich gutes Team antritt, kommt es auf Details an, und das war heute Abend wahrscheinlich der Unterschied im Spiel.“

„Es war ein hartes, umkämpftes Spiel, das man am Ende verlieren kann, aber alles in allem war es ein gutes Spiel“, ließ Foligno, der die Wild im ersten Spielabschnitt in Führung geschossen hatte, wissen. „Es ist natürlich hart für ‚Flower‘, dass es ausgerechnet in diesem Spiel nicht zum Sieg für uns gereicht hat. 1.000 Spiele, was für eine großartige Leistung. Man möchte die Begegnung natürlich unbedingt für ihn gewinnen. Es ist enttäuschend, dass es so enden musste."

Spielbericht: WPG 3, MIN 2

Lowry darf 100. NHL-Treffer feiern 

Passender in Bezug auf einen persönlichen Meilenstein verlief die Begegnung für Winnipegs Center Adam Lowry, der kurz nach Beginn des zweiten Spielabschnitts für den Treffer zum zwischenzeitlichen 1:1 verantwortlich zeichnete. Es war Lowrys 100. NHL-Tor, das er auch nach Spielende noch gut gelaunt feiern konnte. „Das ist etwas, auf das ich zurückblicken und stolz sein werde", bekannte er im Nachgang. „Ich bin ja nicht unbedingt dafür bekannt, dass ich viele Tore schieße, deshalb ist es schön, wenn ich ab und zu etwas dazu beitragen kann. Hoffentlich kann ich in dieser Liga weitere 100 Tore erzielen und brauche dafür nicht ein Jahrzehnt", scherzte er.

Gaudreau nährte die Sieghoffnungen der Hausherren mit einem One-Timer im Powerplay zum 2:1 nach 3:56 Minuten im dritten Drittel, doch die Begegnung kippte in den verbliebenen Minuten noch zu Gunsten der Jets. Vladislav Namestnikov erzielte nur 56 Sekunden später mit einem weiteren Überzahltreffer zunächst den 2:2-Ausgleich, bevor Toninato in der 48. Minute sogar noch der Siegtreffer für Winnipeg gelang. „In diesem Team wird niemals aufgegeben", erklärte Namestnikov den Spielausgang. „Ich denke, wir wissen, dass es ein 60-Minuten-Spiel ist. In dieser Zeit kann eine Menge passieren. Wenn wir in Rückstand geraten, machen wir einfach weiter.“

„Selbst bei unserem aktuellen Lauf ist der Abstand zwischen den Teams in dieser Liga nicht sehr groß", gab Lowry zu Protokoll. „Wir wissen, wie wichtig die Spiele in der Liga sind, und wir wissen, wie schwer es ist, ein und dasselbe Team in zwei aufeinanderfolgenden Nächten zu schlagen. Sie nehmen Anpassungen vor. In der Regel kommt das Team, das verloren hat, sehr gut aus den Startlöchern und ist in der Lage, sich zu erholen. Sie hatten einen tollen Start, das muss man ihnen lassen, aber wir konnten uns zurückkämpfen. Das waren zwei starke Tage für uns."

Nach dem Meilenstein ist vor dem Meilenstein für Fleury

Bei Jubilar Fleury dürfte das Fazit am Ende nicht ganz so positiv ausgefallen sein. Seinen historischen Meilenstein, bei dem sein Team auf einen Einsatz der Stürmer Kirill Kaprizov (Oberkörper) und Vinni Lettieri (Oberkörper) sowie von Torhüter Filip Gustavsson (Unterkörper) verzichten musste, da diese sich im Spiel am Samstag verletzt hatten, kann ihm trotzdem niemand mehr nehmen. 

Der Blick des Torhüters dürfte sich rasch wieder nach vorne richten. Schon am Dienstag (8 p.m. ET; NHL.tv; Mi. 2 Uhr MEZ) kann er beim Heimspiel gegen die Calgary Flames, sofern sein Trainer ihn einsetzt, im 1.001. NHL-Einsatz seinen 551. Sieg einfahren. Dieser würde ihn mit Legende Roy gleichziehen lassen, der in der Geschichte der NHL auf Platz zwei liegt. Die Chance auf weitere geschichtsträchtige Auftritte bleibt Fleury also erhalten.

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