NYI@WSH: Chara haut wuchtigen Schlagschuss rein

Seit einer Woche müssen die Washington Capitals auf eine Reihe an wichtigen Leistungsträgern verzichten. Trotzdem fanden die Hauptstädter Wege, zu gewinnen und punkteten in jedem ihrer vier Spiele (3-0-1). Gegen die New York Islanders am Donnerstag drehte Washington gar einen 0:3-Rückstand in einen 6:3-Heimsieg. Dabei halfen gleich mehrere Spieler, die Scoring-Lücke zu füllen. Selbst Zdeno Chara.

Elf Torschützen und 16 Scorer
Kein Alex Ovechkin. Kein Evgeny Kuznetsov. Kein Dmitry Orlov. Kein Ilya Samsonov. Und zwischenzeitlich auch kein Tom Wilson. Während die vier Russen aufgrund des Covid-19-Protokolls schon vier Spiele verpassten, fehlte Power Forward Wilson für zwei Partien verletzt. Somit brachen den Capitals wichtige Stützen und Torjäger weg. Doch Washington schafft es auf beeindruckende Weise, diese Scoring-Lücke zu füllen: als Mannschaft!
16 (!) verschiedene Spieler haben seit den Ausfällen von Ovechkin & Co. gescort. Elf (!) verschiedenen Spielern gelang mindestens ein Tor.
"Es zeigt, was für eine Tiefe wir im Team haben", sagte Stürmer Garnet Hathaway, der bei zwei Scorerpunkten in diesem Zeitraum steht (ein Tor, ein Assist).
Selbst Abwehr-Hüne Zdeno Chara, eigentlich ein Stay-at-home-Verteidiger, trägt zur offensiven Produktivität bei. Der 2,05-Meter-Mann sammelte drei Scorerpunkte - darunter auch sein erster Treffer seit 51 torlosen Spielen (zuletzt am 27. November 2019 für die Boston Bruins bei den Ottawa Senators), was ein wichtiges Puzzleteil für eine erfolgreiche Aufholjagd gegen die Islanders war.

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Capitals starten Aufholjagd
An diesem Abend nämlich gerieten die Capitals im ersten Drittel mit 0:3 in Rückstand, weil Oliver Wahlstrom (10.), Casey Cizikas (11.) und Anders Lee (18., im Powerplay) für New York trafen.
"Wir haben alle erkannt, dass das in den ersten 20 Minuten nicht das Eishockey war, das wir spielen möchten", sagte Chara. "Wir wollten das hinter uns lassen, um im zweiten Drittel mit mehr Druck, Tempo, Dampf, Energie und einer besseren Einstellung aus der Kabine zu kommen. Das haben wir geschafft: Wir haben sie zu Puckverlusten gezwungen, die Pucks aufs Tor gebracht und unsere Chancen genutzt. Wir haben den Moment gefühlt. Da hatte sich etwas aufgebaut und wir sind ins Rollen gekommen."
Washington kam tatsächlich raus, wie die Feuerwehr, verzeichnete 14:9 Schüsse im Mitteldrittel und traf fünfmal ins Tor: Ein Doppelschlag von Conor Sheary binnen 73 Sekunden (30., 31), Hathaway (32.), John Carlson (35., im Powerplay) und Chara (39.) sorgten für die überraschende Wendung.
"Wir haben bei jedem Wechsel das Momentum aus den vorherigen mitgenommen. Die Tore waren nicht die Schönsten, aber es zeigt die Grundtugenden unserer Offensive: Pucks zum Tor bringen und auf die Abpraller gehen", beschreibt Hathaway die Gefühlslage auf dem Eis. "Es war das beste zweite Drittel der bisherigen Saison. Wir haben das Momentum mitgenommen und im dritten Drittel einfach weitergemacht."
Im Schlussabschnitt verteidigten die Capitals mit Mann und Maus (1:11 Schüsse), ließen aber kein Gegentor zu und machten in der letzten Minute durch ein Empty-Net-Tor von Rückkehrer Tom Wilson in Überzahl den Deckel drauf (60.).
"Nicht viele Teams kommen von einem 0:3-Rückstand noch einmal zurück", so Hathaway. "Es war ein wichtiger Sieg und wir haben jeden einzelnen in dieser Kabine gebraucht, um ihn zu erreichen. Wir konnten zurückschlagen, ein paar Dinge ändern und haben zu unserem Spiel gefunden. Darauf können wir aufbauen."
Zufrieden analysierte auch Washingtons Trainer Peter Laviolette das Gesehene: "Das erste Drittel ist nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir wollten dann einfach das zweite Drittel gewinnen und zu unserem Spiel finden. Wir haben gut gespielt, hart gespielt, mehr Zeit in der Offensivzone gehabt. Im dritten Drittel haben wir dann auch besser in der Defensive gespielt. Es war ein Spiel mit drei unterschiedlichen Dritteln, aber wir haben es hinbekommen."

caps goal

"Z" sorgt für eine Menge Emotionen
Der emotionale Höhepunkt war der Treffer von Chara. Der Verteidiger donnerte den Puck mit einem Schlagschuss von der linken Seite in die Maschen und drehte sofort in Richtung Spielerbank ab, wo er in einer tobenden, roten Spielertraube versank.
"Ich habe mich sehr über mein erstes Tor als Mitglied der Washington Capitals gefreut. Aber ich bin direkt zu den Jungs auf die Bank gefahren, um meine Freude mit ihnen zu teilen. Sie haben einen überragenden Job gemacht, mich hier willkommen zu heißen und den Übergang für mich so leicht wie möglich zu machen. Ich kann ihnen nicht genug danken, mich in der Mannschaft zu akzeptieren. Es ist ein tolles Team. Wir haben Spaß, arbeiten hart und treiben uns gegenseitig an, um besser zu werden. Es geht um die Mannschaft. Ich bin nicht hier, um meine Statistiken zu verbessern, sondern um dem Team zu helfen. Darum geht es", betonte Chara.
"Es war überragend", erinnerte sich auch Laviolette mit einem Lächeln im Gesicht an die seltene Szene eines Chara-Tors. "Es gab viele Emotionen auf der Bank. Diese Dinge helfen der Mannschaft, sie können ein Team zusammenschweißen. Jeder schätzt 'Z' als großartigen Spieler, der er ist. Heute hatte er ein tolles Spiel, sowohl offensiv als auch defensiv. Seine Teamkollegen haben ihn das spüren lassen. Es war eines der coolsten Dinge seit Langem!"
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Wiedersehen mit den Bruins
Der nächste emotionale Moment steht für Chara übrigens unmittelbar bevor: Am Samstag geht es gegen seinen langjährigen Ex-Klub aus Boston (7 p.m. ET; NBCSWA, NESN, NHL.tv; So. 1 Uhr MEZ).
"Wir treffen auf ein richtig gutes Team und müssen uns darauf vorbereiten. Wir wissen, dass wir unser bestes Eishockey spielen müssen, um eine Chance zu haben", sagte Chara.
Die Capitals bangen derweil um den nächsten Stammspieler: Verteidiger Justin Schultz wurde von einem Puck im Gesicht getroffen und kehrte nicht wieder zurück. "Er wird noch untersucht", so Laviolette. Dass Washington mit Ausfällen umgehen kann, beweist es bereits seit einer Woche eindrucksvoll.