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Die Vegas Golden Knights haben es vorgemacht und dienen ab sofort als ein Paradebeispiel dafür, wie man schnell ein Meisterschaftsteam aufbaut: Gleich in ihrer sechsten Saison gewannen sie den Stanley Cup. NHL.com/de zeigt auf, was die anderen 31 Teams der Liga daraus lernen können.

Grundsteinlegung im Expansion Draft 2017

Als Golden-Knights-Eigner Bill Foley im Jahr 2017 - also vor der Premieren-Saison 2017/18 - versprach, in den nächsten sechs Jahren den Stanley Cup zu holen, wurde er von vielen belächelt. Doch Foley hielt Wort: Die Golden Knights wurden Stanley Cup Champion 2023. Wie haben sie das gemacht? Und was können andere Klubs daraus lernen?

Die Basis für den Erfolg legten die Golden Knights bereits nach ihrer Gründung mit der Ernennung von George McPhee als ihren ersten General Manager. Seine Aufgabe: Im Expansion Draft eine möglichst schlagkräftige Truppe zusammenzustellen. McPhee verstand es, Spieler auszuwählen, die perfekt zum System des damaligen Trainers Gerard Gallant passten. Auch fädelte er mit den anderen Teams Deals ein, bestimmte Spieler nicht auszuwählen, erhielt im Gegenzug aber Draftpicks, die er in den nächsten Jahren dazu verwenden wurden, um Blockbuster-Trades einzufädeln. Nick Suzuki (NHL Draft 2017, 1. Runde, 13. Stelle) etwa wurde später für Max Pacioretty von den Montreal Canadiens eingetauscht, für unter anderem Erik Brannstrom (NHL Draft 2017, 1. Runde, 15. Stelle) holte Vegas später Mark Stone von den Ottawa Senators und machten ihn zum ersten Kapitän ihrer Franchise-Geschichte. Der in der 2. Runde an 34. Stelle ausgewählte Nicolas Hague sollte später genauso zum Meisterteam zählen wie die sogenannten "Original-Six" oder "Golden Missfits" Jonathan Marchessault (sogar als Playoff-MVP mit der Conn Symthe Trophy ausgezeichnet), William Karlsson, Reilly Smith, Brayden McNabb, Shea Theodore und William Carrier.

FLA@VGK, Sp5: Marchessault bekommt Conn Smythe Trophy

McPhee stieg 2019 zum President of Hockey Operations auf, seine Arbeit als GM führte fortan Kelly McCrimmon weiter, der im Jahr 2021 für den Transfer von Jack Eichel von den Buffalo Sabres verantwortlich zeichnete (unter anderem im Austausch für Alex Tuch und Peyton Krebs). Auch holte er im Sommer 2022 Brucy Cassidy als neuen Trainer, der kurz zuvor bei den Boston Bruins entlassen worden war. Bruins-Kapitän Patrice Bergeron soll daraufhin Stone in einem Telefonat gratuliert und den Stanley Cup Sieg in der kommenden Saison vorausgesagt haben.

Tiefe als Erfolgsrezept

In ihrer Meisterschaftssaison glänzten die Golden Knights mit enormer Tiefe. Spieler wie der nun dreimalige Stanley Cup Champion Phil Kessel spielten seit der 1. Runde der Stanley Cup Playoffs schon keine Rolle mehr und waren überzählig. Ein Beleg für die unglaubliche Tiefe im Kader. Die Linie mit William Carrier, Nicolas Roy und Keegan Kolesar galt in diesem Jahr als die beste vierte Reihe der Liga. 20 von 22 in den Playoffs 2023 eingesetzten Spielern sammelten Scorerpunkte (nur Brayden Pachal und Ben Hutton nicht), 18 verschiedene Akteure steuerten mindestens ein Tor bei. Von den Stammspielern traf nur Verteidiger McNabb (0-4-4) nicht. Dieses Secondary Scoring sorgte dafür, dass Vegas nur schwer auszurechnen war und mit allen vier Reihen Vollgas geben konnte, was viele Defensiven schlichtweg überforderte.

VGK@DAL, Sp6: Kolesar, Carrier im Zusammenspiel

Hinzu kam eine enorme Qualität in der Spitze: Vier Spieler erzielten 20 oder mehr Scorerpunkte (Eichel, 6-20-26; Marchessault 13-12-25; Stone, 11-13-24; Chandler Stephenson 10-10-20), vier Spieler trafen zweistellig (Marchessault, 13; William Karlsson, 11; Stone, 11; Stephenson, 10). Dazu wurde die Scoring-Last auf drei Reihen verteilt, die jeweils mit harten Arbeitern wie Ivan Barbashev, Brett Howden oder Michael Amadio ergänzt wurden. So ergaben sich drei Scoring Lines: Barbashev|Eichel|Marchessault, Howden|Stephenson|Stone sowie Smith|Karlsson|Amadio.

Alle diese Formationen bestachen mit Spielstärke, Tempo, Physis, Eishockey-Intelligenz und Erfahrung. Eine Mischung, die es möglich machte, sich in den Playoffs gegen Mannschaften mit verschiedenen Stärker durchzusetzten: Gegen physisch-starke Winnipeg Jets in der 1. Runde (4:1), gegen spielstarke Edmonton Oilers in der 2. Runde (4:2) und gegen schnelle Dallas Stars im Western Conference Finale (4:2). Im Stanley Cup Finale zeigte dann das aggressive Forechecking der Florida Panthers kaum Wirkung, denn immer wieder fand Vegas einen Weg, leistete sich anders als etwa Boston keine Puckverluste, sondern löste kniffelige Situationen mit Tempo oder spielerisch und schoss durch schier endlos anrollende Offensivwellen am Ende auch Torwart Sergei Bobrovsky weich. Das Ende ist bekannt: Die Golden Knights kürten sich mit einem 4:1 in der Finalserie zum Stanley Cup Champion.

Golden Knights holen nach einem 9:3 den Stanley Cup

Glück bei Verletzungen und beim Goaltending

Natürlich gehört auch immer eine ordentliche Portion Glück dazu. Dieses hatte Vegas etwa bei Verletzungen, die insbesondere in den Playoffs den Unterschied ausmachen können. Auch beim Goaltending landeten die Golden Knights einen Überraschungstreffer: Der als Stammkraft eingeplante Robin Lehner absolvierte aufgrund einer Hüftverletzung kein einziges Spiel in dieser Saison. Stattdessen setzte Vegas fünf (!) unterschiedliche Torhüter ein: Logan Thompson, Laurent Brossoit, Adin Hill, Jonathan Quick und Jiri Patera.

Eine Position, die aufgrund vieler Verletzungen also lange als Schwachstelle galt, wurde in den Stanley Cup Playoffs plötzlich eine Stärke: Als sich Brossoit in der 2. Runde gegen Edmonton verletzte, schlug die Stunde von Hill, der eigentlich nur die Nummer 3 war. Hill aber spielte sich in einen Rausch und avancierte schlussendlich zum Rückgrat der Golden Knights, zeigte viele Glanzparaden und hielt die Meisterschaft fest.

FLA@VGK, Sp5: Hill rettet gegen Duclair