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Während in der NHL die reguläre Saison 2019/20 seit dem 12. März aufgrund der Bedenken im Zusammenhang mit dem Coronavirus pausiert, liefert NHL.com/de weiterhin eigene Storys. In einer Serie erinnern wir an die Pioniere aus Deutschland, der Schweiz und Österreich in den 31 NHL-Klubs. In dieser Folge: Colorado Avalanche

Die Quebec Nordiques wurden 1972 gegründet und traten danach in der WHA an. Sie gehörten zu den Teams, die nach Auflösung der Liga 1979 in die NHL aufgenommen wurden. 1995 wurde das Franchise verkauft und nach Denver umgezogen. Fortan spielte es unter dem Namen Colorado Avalanche und gewann gleich in seinem ersten Jahr den Stanley Cup.
Einer, der den Umzug und die erfolgreichen ersten Jahre in Colorado mitgemacht hat, ist Uwe Krupp. Der deutsche Verteidiger wechselte im Sommer 1994 von den New York Islanders zu den Nordiques und blieb bis 1998 bei den Avalanche. Legendär wurde der Kölner, indem er in Spiel 4 des Stanley Cup Finales 1996 gegen die Florida Panthers am 10. Juni 1996 in der dritten Verlängerung das Tor zum 1:0-Sieg, dem Sweep in der Serie und dem Gewinn der Meisterschaft erzielte.
Es war das vierte Tor, das Krupp in diesen Playoffs geschossen hatte, und mit weiteren zwölf Assists in 22 Spielen war er ein wichtiger Bestandteil der Sieger-Mannschaft. In den zwölf Playoff-Einsätzen 1995 und 1998 kamen weitere drei Vorlagen hinzu. 1996 war ein außergewöhnlich gutes Jahr von Krupp, denn in 81 Playoff-Spielen seiner NHL-Karriere brachte er es auf sechs Tore und 23 Assists.
Dabei verlief die reguläre Saison 1995/96 alles andere als top für Krupp. Nach zwei Assists zum Saisonauftakt am 6. Oktober 1995 verletzte er sich und feierte erst kurz vor Playoff-Beginn am 6. April sein Comeback.

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Ausfälle wegen Blessuren begleiteten den langen, fast zwei Meter großen Spieler in der NHL. Immerhin kam Krupp 1997/98, in seiner letzten Saison in Colorado, auf 78 Spiele und verbuchte neun Tore und 22 Assists. Anschließend verließ er Denver und ging ausgerechnet zum Rivalen Detroit Red Wings, bei denen er jedoch öfters ausfiel als spielte.
Beim NHL Draft 1997 wurde David Aebischer von den Avalanche in der sechsten Runde an insgesamt 161. Stelle ausgewählt. Der Schweizer Torhüter aus Fribourg nahm im Sommer des Jahres am Prospectcamp teil und war schon wieder in die Schweiz zurückgekehrt, als er zwei Wochen später eine Offerte von Colorado erhielt und umgehend nach Nordamerika übersiedelte.
"Es war schon sehr abenteuerlich", erzählt Aebischer aus dieser Zeit. "Mein Englisch war kaum vorhanden, aber es war erstens von Vorteil, dass ich Französisch spreche und zweitens auch mein Hochdeutsch verbessern konnte."
Aebischer spielte sich über die Juniorenligen und dem Farmteam Hershey Bears schließlich zu den Playoffs 2000, als dritter Torhüter hinter Patrick Roy und Marc Denis kurzzeitig ins Team. "Es war schon eine sehr eindrückliche Situation als 19-jähriger in diese Garderobe zu kommen und die ganzen Top-Spieler zu sehen, die ich zuvor eigentlich nur aus dem Fernsehen kannte", schwärmt Aebischer noch heute unter anderem über Roy, Joe Sakic und Peter Forsberg. "Es war beeindruckend und zu einem gewissen Maß einschüchternd, aber das wurde zunehmend besser, je mehr Kontakt ich mit ihnen hatte."

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Denis wurde im Sommer 2000 zu den Columbus Blue Jackets getradet und ab diesem Zeitpunkt fungierte Aebischer als Backup von Roy. Am Ende seiner ersten NHL-Saison stand der Gewinn des Stanley Cups 2001, als erster Vertreter seines Landes. Ein überragendes Erlebnis, dass der heute 42-jährige Funktionär vom HC Fribourg-Gottéron nicht missen möchte.
Es folgten zwei weitere Spielzeiten hinter Roy, ehe er den Kanadier, nach dessen Rücktritt 2003, zur Saison 2003/04 sogar als Nummer 1 beerbte. Die Fußstapfen waren groß, doch zunächst lief es ganz gut für Aebischer. 62 Spiele mit einer Bilanz von 32-19-9, einem Gegentorschnitt von 2,09 und einer Fangquote von 92,4 Prozent standen zu Buche. In den Playoffs folgte für die erfolgsverwöhnte Organisation das Aus bereits in der zweiten Runde, obwohl Aebischer seine guten Statistiken bestätigen konnte. Als sich seine Zahlen in der Saison 2005/06 etwas verschlechtert hatten (GAA 2,98, 90,0 %) und das Team an sich einbrach, tauschten ihn die Avalanche zur NHL Trade Deadline im März 2006 gegen Jose Theodore von den Montreal Canadiens ein.
Es dauerte acht Jahre, bevor wieder etwas Deutsch in Denver gesprochen wurde. Am 5. März 2014 holten die Avalanche Torhüter Reto Berra von den Florida Panthers. Allerdings kam der gebürtige Bülacher nie über die Rolle des Ergänzungsspielers hinaus und wurde bis zu seinem Abgang im Juni 2016 nur in 35 NHL-Spielen eingesetzt. Der Weg des Schweizers führte zurück nach Florida, ehe seine NHL-Zeit bei den Anaheim Ducks 2018 endete. Heute spielt Berra interessanterweise unter dem Vorgesetzten Aebischer in Fribourg.
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Auch der dritte Schweizer im Bunde bei den Avalanche konnte sich nicht wirklich durchsetzen. Stürmer Sven Andrighetto kam am 1. März 2017 von den Canadiens nach Denver, und der Auftakt verlief für ihn zunächst vielversprechend. Er verbuchte 16 Punkte (5 Tore, 11 Assists) in den verbleibenden 19 Spielen und unterschrieb im Anschluss der Saison einen Vertrag über weitere zwei Jahre. Allerdings hatte Andrighetto, der ohne Zweifel Potenzial besitzt, mit Verletzungen zu kämpfen und so endete die Zusammenarbeit 2018/19 nach 133 Spielen mit 55 Punkten (20 Tore, 35 Assists).
Im Sommer 2018 wechselte Philipp Grubauer zu Colorado, als dritter deutschsprachiger Torhüter in der Geschichte der Avalanche. Der langjährige Backup der Washington Capitals kam als frischgebackener Stanley Cup Sieger mit dem Ziel, endlich die Nummer 1 in einem NHL-Team zu werden. Dies gelang dem Rosenheimer spätestens in den Playoffs 2019, in denen er die etatmäßige Nummer 1 der Avalanche seit 2011 Semyon Varlamov verdrängte und dessen auslaufender Vertrag nicht verlängert wurde.
Seitdem ruhen die Hoffnungen darauf, dass es Grubauer gelingt, an die großen Zeiten von Roy anzuknüpfen und dass er die Avalanche wieder zu einem Stanley Cup führt. Es wäre eine interessante Randnotiz, dass in einem solchen Fall zum dritten Mal ein deutschsprachiger Spieler an Colorados Meisterschaften beteiligt wäre.