Mitch Marner #93 and Connor McDavid #97 of Team Canada show dejection as they are presented the medals during the medal ceremony following the Men's Gold Medal match between Canada and the United States on day 16 of the Milano Cortina 2026 Winter Olympic games at Milano Santagiulia Ice Hockey Arena on February 22, 2026 in Milan, Italy. (Photo by Gregory Shamus/Getty Images)

Ein Blick in die Gesichter der Kanadier sagte alles. Eigentlich ist es ein großer Moment, wenn man bei Olympischen Spielen die Silbermedaille umgehängt bekommt. Die Vertreter einer stolzen Eishockey-Nation schienen aber noch paralysiert von dem, was Minuten zuvor auf dem Eis passiert war. Im großen Finale der Olympischen Winterspiele Milano Cortina 2026 war es die USA, die das Goldene Tor in der Overtime erzielte und Kanada mit dem 2:1-Sieg n.V. in Schockstarre versetzte. Zu viele verpasste Chancen sollten sich an diesem Abend rächen.

Der große Schock

„Es ist schwer, extrem enttäuschend“, beschrieb Stürmer Sam Bennett seine Gefühlslage nach der Finalniederlage. „Du träumst von solchen Momenten, aber heute ist es einfach nicht für uns gelaufen. Wir haben gedrückt und alles gegeben, was wir hatten. Leider war das heute nicht gut genug.“

„Ich weiß auch nicht. Es tut gerade weh“, sagte Power Forward Tom Wilson. „Wir haben ein grundsolides Spiel gezeigt und hatten massig Chancen, um zu gewinnen. Es war ein guter Kampf, ein tolles Eishockeyspiel. Es ist ätzend, dass wir ein Tor mehr kassiert haben und kein Gold nach Hause bringen können. Das ist kein gutes Gefühl gerade.“

Zumal die Kanadier auch noch zusehen mussten, wie der große Rivale USA die Goldmedaille umgehängt bekam.

„Es war ein sehr trauriger Moment, sich das anschauen zu müssen. Wir haben eine große Möglichkeit aus der Hand gegeben. Es wird lange dauern, bevor wir uns dafür revanchieren können. Es wird dann auch ein ganz anderes Team sein“, philosophierte Center Nathan MacKinnon, der bei der Zeremonie geradezu apathisch gewirkt hatte.

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Chancenflut: Kanada hadert mit der Abschlussschwäche

Kein Wunder. MacKinnon hatte eine Chance aus der Kategorie „Tausendprozentige“ auf dem Schläger, als er im dritten Drittel den Außenpfosten traf, statt in ein gähnend leeres Tor (51.).

„Ich bin traurig und enttäuscht. Wir konnten heute nicht abschließen und hatten nicht das letzte Etwas. Ich selbst habe ein leeres Tor nicht getroffen. Wir haben so viele Chancen kreiert, aber es sollte heute einfach nicht sein.“

Kanada war spielerisch die überlegene Mannschaft und dominierte mit 42:28 Torschüssen (8:8, 19:9, 14:10, 1:2). Darunter alleine sechs Hochkaräter im dritten Drittel, wie die beschriebene Szene mit MacKinnon oder die Möglichkeit von Devon Toews, der aus wenigen Zentimetern nur noch einschieben musste, aber am Schläger von Torwart Connor Hellebuyck hängen blieb.

„Es war eine großartige Parade. Ich habe gar nicht gesehen, wie Mitch (Marner) mir den Puck aufs Tape gespielt hat. Ich habe den Puck einfach nur gefühlt und wollte schießen. Er ist nicht reingegangen“, ärgerte sich Toews. „Heute hatten wir fünf, sechs solcher Chancen, doch keine ist reingegangen.“

Es waren genau diese Torchancen, denen die Kanadier am Ende hinterhertrauern mussten. Doch immer wieder hieß die Endstation Hellebuyck (41 Saves, 97,6 Prozent Fangquote).

„Ihr Torwart hat gut gespielt. Wir hatten viele Chancen und haben viel kreiert. Manchmal ist das Tor aber wie vernagelt“, so Bennett.

„Das war eines unserer besseren Spiele in diesem Turnier. Für die meiste Zeit des Spiels hatten wir alles unter Kontrolle. Wir hatten viele gute Möglichkeiten, haben aber nichts reingebracht. Das ist echt ätzend!“, sagte Stone.

„Es wäre schlimmer gewesen, wenn wir diese Chancen gar nicht erst gehabt hätten. Wir haben das Geschehen kontrolliert, das Tempo bestimmt und das Eis beherrscht. Es war eines dieser Spiele, in denen das Tor einfach nicht fallen möchte“, haderte Toews. „Wir haben heute ein großartiges Spiel gespielt und hatten ein tolles Turnier. Wir wollten auch heute für unser Land und unsere Mannschaft hier gewinnen. Eishockey ist so ein schweres Spiel. Es ist schwer zu gewinnen, egal auf welchem Niveau. Du kannst das Spiel so lange kontrollieren, wie du willst, aber am Ende musst du mehr Tore schießen. Das ist uns heute nicht gelungen.“

„Wir haben mit viel Tempo gespielt und überall auf dem Eis dominiert: Wir hatten gute Chancen, waren schnell, körperlich präsent - es war ein gutes Spiel bis zum Schluss“, analysierte Wilson. „Eishockey ist manchmal ein komischer Sport. Du tust alles dafür, um zu gewinnen, aber es klappt am Ende nicht. Sie haben ihre Chance am Ende genutzt und uns geschlagen. Es tut weh, weil wir ein gutes Spiel gezeigt haben.“

Mit Crosby fehlte der große Held von 2010

Als die Verlängerung startete, fühlten sich viele an die Olympischen Spiele 2010 in Vancouver zurückerinnert. Auch damals ging es gegen die USA in die Verlängerung. Sidney Crosby machte sich mit dem Goldenen Tor unsterblich. Eben dieser Crosby aber wurde nicht rechtzeitig fit fürs Finale.

„Er hatte das Gefühl, dass er nicht voll kämpfen kann. Er hat gesagt, dass er sich umziehen und mit auf die Bank setzen würde, aber wir bräuchten jeden Einzelnen. Er hat also für uns und für unser Land heute nicht gespielt“, erklärte MacKinnon.

„Er ist unser Anführer und hat so viel fürs kanadische Eishockey getan. Es war hart, ihn draußen zu sehen und sehr schade, dass wir es nicht für ihn gewinnen konnten“, stimmte Bennett mit ein.

„Es ist hart, wenn du deinen Anführer und so eine Persönlichkeit verlierst. Ich wünschte, wir hätten für ihn ein besseres Ergebnis eingefahren“, sagte auch Suzuki.

Ebenfalls keine Hilfe für Kanada war das Verlängerungs-Format von 20 Minuten 3-gegen-3, in dem die USA ihre Schnelligkeit voll ausspielen konnte. Das aber wollten die Ahornblätter nicht als Ausrede gelten lassen.

„So sind die Regeln. An die musst du dich halten. Es war komisch, denn mit den besten Spielern auf der Welt auf dem Eis kannst du auch bei 5-gegen-5 Chancen herausspielen. Wir haben es heute einfach nicht hinbekommen“, war Toews ehrlich.

„Diese Regel gab es schon vor dem Finale. Wir müssen das so akzeptieren“, stimmte Suzuki zu.

Sudden Death - Der plötzliche Tod

Also war es Jack Hughes, der Kanadas Torwart Jordan Binnington (26 Saves, 92,9 Prozent Fangquote) überwand und für einen ewigen Sportmoment sorgte.

„So ist Eishockey“, sagte Binnington. „Es war bis zum Schluss ein enges Spiel. Overtime im Finale. Jeder kann gewinnen. 3-gegen-3. Und leider schießen sie das Tor.“

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Trotz der Frustration schimmerten bei Kanadas Nationalspielern bereits erste Gefühle von Stolz durch den Grauschleier der Enttäuschung.

„Wir sind sehr enttäuscht, dass wir es nicht hinbekommen haben“, sagte Bennett, aber: „Es ist eine Erfahrung fürs Leben, hier zu sein und für dein Land kämpfen zu dürfen. Dafür bin ich sehr dankbar.“

„Trotzdem bin ich stolz, Kanadier zu sein und mein Land bei den Olympischen Spielen, wo die Besten gegen die Besten gespielt haben, repräsentieren zu dürfen“, betonte Wilson und schickte getreu dem Olympischen Geist sportsmännisch hinterher: „Glückwunsch an die Amerikaner!“

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