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Schweizer Denis Malgin beweist sein Talent

Bei den Florida Panthers kam ein 19-jähriger Schweizer unerwartet schnell zu seinem NHL-Debüt

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Als sich die Florida Panthers beim NHL Draft 2015 in der vierten Runde an insgesamt 104 Stelle für ihn entschieden hatten, lag die Erfüllung seines Traumes, einmal in der NHL spielen zu dürfen, noch in weiter Ferne. Mit seiner Körpergröße von 1,75m und seinen 80kg verfügte Denis Malgin nicht über das Gardemaß, welches sich Entscheidungsfinder von einem Juniorenspieler, der den Sprung in die NHL schaffen könnte, vorstellen. Der Schweizer Stürmer entschied sich dazu noch ein Jahr in Zürich zu bleiben, wo er sich über das Juniorenteam für die erste Mannschaft empfehlen konnte. Bei den ZSC Lions, mit denen er 2015/16 den Schweizer Pokalwettbewerb gewann, stand Malgin medial im Schatten von Auston Matthews, der als Nummer 1 Pick für den NHL Draft 2016 gehandelt wurde. Den Scouts der Florida Panthers ist es aber keineswegs entgangen über wieviel Talent der junge Stürmer aus der Alpenrepublik verfügt und somit entschlossen sie sich ihm am 12. Juli einen 3-Jahres Einstiegsvertrag zu unterbreiten.

Malgin wagte den Sprung nach Übersee und konnte dort auch umgehend Geordie Kinnear, Cheftrainer der Springfield Thunderbirds überzeugen. "Seine Konkurrenzfähigkeit steht außer Frage", lobte Kinnear während des Rookie-Camps seinen neuen Schützling. Kinnear hatte zu diesem Zeitpunkt auch noch gedacht, dass Malgin dem AHL-Farmteam der Panthers länger zur Verfügung stehen würde.

Der aus einer russischen Eishockeyfamilie stammende Malgin, sein Vater Albert spielte von 1993 bis 2008 in der Schweizer zweiten Liga, wo Denis' Bruder Dmitri noch immer für Red Ice aktiv ist, hätte den Gang in die AHL nicht als Degradierung angesehen, wie er der Sun-Sentinel vor gut einem Monat erzählt hat: "Jeder kleine Junge träumt von der NHL. wir werden sehen was passiert. Sollte ich nach Springfield müssen, dann bedauere ich das nicht, sondern werde weiter arbeiten und ich werde meine Chance bekommen. "

Malgins Chance kam früher als er es sich vorstellen konnte. Kurz vor dem Saisonstart verletzten sich die Stürmer Nick Bjugstad und Jonathan Huberdeau, wodurch Plätze im Kader der Panthers frei wurden. Panthers Cheftrainer Gerard Gallant berief schon für das erste Saisonspiel gegen die New Jersey Devils den 19-jährigen Schweizer und Shane Harper ins Aufgebot und stellte noch einmal klar, dass die Berufung der beiden Stürmer keinem Lotteriespiel entsprang: "Sie haben sich diesen Platz verdient. Sie haben hart gearbeitet und es macht Freude ihnen zuzusehen."

Beim 2-1 Auftaktsieg nach Verlängerung kam Malgin auf 12:13 Minuten Eiszeit. Noch besser lief es für ihn in der zweiten Heimpartie gegen die Detroit Red Wings, welche die Panthers mit 4-1 gewinnen konnten. Dem 2-0 Führungstor von Colton Sceviour steuerte der Eidgenosse einen Assist bei und erntete erneut viel Lob für seinen Auftritt.

In Florida darf Malgin ohne Leistungsdruck sein Spiel spielen. "Er hat Talent, ist schnell und agil, er spielt so, wie man es von einem kleinen Stürmer erwartet. Wir haben ihm gesagt, dass er sich selbst sein darf und nicht die Spielweise anderer kopieren solle", stellte Gallant klar.

Die Panthers sind mit einer Bilanz von 3-1-1 in die Saison gestartet und können durchaus zufrieden sein. Ihr Franchisekonzept, dass jeder in der Organisation eine Chance bekommt ins NHL-Team zu rutschen, wenn die Leistung stimmt, scheint aufzugehen - wie man auch am Beispiel von dem ebenfalls nur 1,80m großen Harper erkennen kann. Der 27-jährige Außenstürmer tingelte die ersten sieben Jahre seiner Profikarriere durch die Minor Leagues, wurde während dieser Zeit sogar zweimal von der AHL in die ECHL geschickt.

Weder bei den Philadelphia Flyers, die ihm im März 2010 einen 3-Jahres Einstiegsvertrag gegeben hatten, noch bei den St. Louis Blues schaffte es Harper in den Kader. 340 AHL-Partien hatte der aus Valencia, Kalifornien stammende Rechtsaußen bereits absolviert, bis er zu seinem ersten NHL-Einsatz kam.

Gallant behielt mit seiner Aussage, dass es Freude bereite ihm zuzusehen, Recht: Im fünften Saisonspiel platzte der Knoten bei seinem ungedrafteten Außenstürmer der vierten Reihe. Harper erzielte beim 5-2 Erfolg über die Colorado Avalanche zwei Tore und zeigte sich glücklich über seinen Doppelschlag: "Natürlich habe auch ich zwischendurch gezweifelt, doch ich war ziemlich zuversichtlich, dass es einmal passieren wird. Du musst immer an dich glauben."

Panthers Fundus an kleinen Stürmern scheint unerschöpflich. Als ihr Teamkapitän Jussi Jokinen für die Heimpartie gegen Colorado aufgrund einer Knieverletzung ausfiel, stellte Gallant den 1,73m großen Kyle Rau auf. Auch der 24-jährige Center, der in der vergangenen Saison schon zu neun Einsätzen kam, machte seine Sache recht gut und kam bei 21 Shifts zu einer Eiszeit von 15:25 Minuten. "Kyle ist ein kleiner Spieler, der immer vor das Tor zieht und dort Präsenz zeigt. So einen Spieler braucht man", schwärmte Galland nach der Partie.

Auch wenn nach der Genesung eines Jokinen oder Huberdeau, vielleicht der eine oder andere wieder in das AHL-Farmteam zurückgehen muss, die Verantwortlichen der Panthers wissen ganz genau, was sie an ihren kleineren Stürmern haben, die über ein großes Kämpferherz verfügen. Sie können sich stets auf sie verlassen.

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