Als Fan der Toronto Maple Leafs hatte man es mal wieder nicht leicht am Montagabend (Ortszeit) in der heimischen Scotiabank Arena. Die Mannschaft nahm ihre Anhänger gegen die Pittsburgh Penguins erneut mit auf die berühmte Achterbahnfahrt. Diesmal mit gutem Ausgang, dank der offensichtlich vorhandenen Comeback-Qualitäten des Teams. Beim 4:3-Erfolg gaben die Gastgeber allerdings erst im dritten Drittel richtig Gas, was dann trotz der zwei Punkte nicht nur für zufriedene Gesichter bei den Maple Leafs sorgte.

Berubes klare Worte

Craig Berube ist ein Mann klarer Worte. Als der Trainer der Toronto Maple Leafs das Podium zur Pressekonferenz nach dem Spiel gegen die Penguins betrat, konnte man schon erahnen, dass er mit seinem Team auch hart ins Gericht gehen würde, obwohl dieses gerade zwei Punkte eingefahren hatte. „Der Auftritt im ersten Drittel war gar nicht so schlecht. Was mich ärgert, ist, wie wir nach dem ersten Drittel aus der Kabine gekommen sind – 0:2 zurück, und wir haben keinen Druck gemacht. Die Penguins haben das komplette Drittel über die Scheibe kontrolliert“, haderte der Coach mit dem Auftritt seiner Schützlinge. Im Mittelabschnitt hätten seine Spieler die Gegner nicht gecheckt. „Und wenn, dann haben wir den Puck gleich wieder hergeschenkt“, grantelte Berube.

Auch die Spieler wussten hernach die Leistung einzuordnen. „Wir haben lange nicht zu unserem Spiel gefunden, haben zwei Drittel lang schrecklich gespielt. Das ist inakzeptabel“, befand zum Beispiel William Nylander. „Das war nicht unser Standard, da schließe ich mich selbst ein“, meinte auch Torwart Anthony Stolarz (34 Saves).

Die Gastgeber überließen in den ersten beiden Spielabschnitten den Gästen fast komplett das Feld. Im ersten Drittel gaben sie fünf, im zweiten drei Schüsse auf den Kasten von Tristan Jarry (16 Saves) ab. Die Penguins, die einen für viele überraschend guten Saisonstart hingelegt hatten, hatten mit acht respektive 17 Torschüssen klar die Oberhand.

Entsprechend fielen auch die Tore nur auf einer Seite – aus Sicht der Maple Leafs auf der falschen. Verteidiger Erik Karlsson brachte die Gäste mit seinem ersten Saisontor in Führung (14.). Ben Kindel erhöhte per Doppelpack auf 0:3 (18., 32.), wobei sein zweiter Treffer in Überzahl fiel. Kindel ist damit erst der fünfte 18-Jährige in der Geschichte der Penguins, dem ein Spiel mit zwei Toren oder mehr glückt und der erste Teenager, dem das gelingt seit Olli Maata (zwei Tore) am 6. März 2014.

PIT@TOR: Kindel erzielt im Powerplay sein zweites Tor

Alte Weisheiten

Doch ein Eishockeyspiel besteht nun mal aus drei Dritteln. Und um die älteste aller Eishockey-Weisheiten zu nennen: Beim Eishockey kann alles passieren. Drei Tore sind in 20 effektiven Spielminuten locker aufzuholen. Erst recht, wenn man, wie die Toronto Maple Leafs, eine Sturmreihe mit Auston Matthews, Nylander und Matthew Knies in seinen Reihen hat. „Im dritten Drittel haben wir dann zu unserem Spiel gefunden. Die Reihe mit Willy, Matthews, Knies ist rausgegangen und hat das getan, wozu sie fähig ist. Und auch unser Keeper war gut“, meinte Berube zum Auftritt seiner Truppe im Schlussabschnitt.

Innerhalb von sieben Minuten hatten die Gastgeber die Partie ausgeglichen. Dank ihrer ersten Sturmreihe, die mit gutem Beispiel voran ging, den Ton setzte und so die Teamkollegen mitriss. Matthews (44.) und Nylander mit einem Doppelschlag (45., 47.) sorgten schon für zufriedenere Mienen auf der Bank der Maple Leafs und auch bei den Anhängern auf den Rängen. Matthews entwischte bei seinem Tor ausgerechnet dem Superstar auf der anderen Seite, Sidney Crosby. Und als Bobby McMann auch noch das 4:3 erzielte (54.), war die Leafs-Welt zumindest ergebnistechnisch in Ordnung. McMann hat damit seine Durststrecke von acht Spielen ohne Scorerpunkt beendet.

PIT@TOR: Matthews versenkt starken Schuss

Rielly klettert

Bei Nylanders erstem Treffer leistete Verteidiger Morgan Rielly die Vorarbeit. Es war dessen 521. Scorerpunkt, womit er Tomas Kaberle in der ewigen Scorerliste der Maple Leafs von Platz 14 verdrängte. Punkt Nummer 522 kam dann mit einer Vorlage zum Siegtreffer noch oben drauf. Zusätzlich ist er jetzt der zweitbeste Defender in der Geschichte des Teams (89-433). Bis zum besten Scorer unter den Verteidigern in der Historie der Leafs, Borje Salming, ist es allerdings noch ein weiter Weg. Der Schwede beendete seine NHL-Karriere mit 768 Punkten (148-620).

„Ich habe keine Ahnung, warum wir nicht 60 Minuten so gespielt haben“, meinte Berube. Entsprechend gemischt war auch die Gefühlslage des Übungsleiters: „Das war ein guter Comeback-Sieg. Solche Dinge passieren im Lauf einer Saison. Das ist ein gutes Gefühl.“ Man müsse verstehen, dass es in der NHL manchmal auch nicht so gut laufe. „Wichtig ist dann, wie man darauf antwortet. Wir haben im dritten Drittel die richtige Antwort gefunden. Ich verstehe allerdings nicht, warum wir diese Antwort nicht schon im zweiten Drittel parat hatten. Das ist der frustrierende Part. Aus meiner Sicht ist das alles Kopfsache. Und unterm Strich müssen wir besser werden.“

PIT@TOR: Nylander verwandelt Rückhandschuss

Enttäuschung bei den Penguins

Ähnlich sah das auch der Schütze des Siegtors: „Im dritten Drittel haben dann ein paar Jungs das Kommando übernommen. Wir wissen, dass das nicht unser bestes Spiel war“, gestand McMann. Das gelungene Comeback zeige aber, wie gut das Team sein kann. „Wir müssen immer so spielen, wie wir das im dritten Drittel getan haben. Wir müssen clever mit dem Puck agieren, hart arbeiten, wettbewerbsfähig und hungrig sein und mit einer gewissen Verzweiflung spielen.“ Auf der Leistung im Schlussabschnitt könne man aufbauen.

Stolarz berichtete, dass das Team in der zweiten Pause gewusst habe, dass es besser spielen müsse. „Und das haben wir getan.“ Wenn alles passe, seien die Leafs ein großartiges Team. Und immerhin habe man ein Comeback gegen die Penguins geschafft, die bislang eine herausragende Saison gespielt hätten. Seine eigene Einstellung im Kopf? „Man muss einfach vergessen, was passiert ist und versuchen, das Spiel so eng wie möglich zu halten.“ Das ist ihm gelungen.

Die Leafs haben damit in diesem Kalenderjahr bereits zum dritten Mal einen Drei-Tore-Rückstand gedreht. Im Januar schafften sie das gegen die Montreal Canadiens, im Februar gegen die Boston Bruins.

Enttäuschung herrschte dagegen im Lager der Gäste vor. „Wir haben zwei gute Drittel gespielt. Im dritten Drittel waren wir dann irgendwie ein bisschen platt“, beschrieb es Karlsson. Die Leafs hätten sich dann gesteigert. „Und wir haben dann keinen Weg mehr gefunden, unser Level aus den ersten 40 Minuten zu halten. Wir haben wohl ein bisschen zu sehr auf Sicherheit gespielt. Das ist für gewöhnlich ein Zeichen, dass man sich nicht so gut fühlt. Und womöglich ist uns am Ende auch der Sprit ausgegangen.“

Davon konnte bei den Toronto Maple Leafs nicht die Rede sein. Im Gegenteil. Sie können am Mittwoch in eigener Halle gegen JJ Peterka und die Utah Mammoth zeigen, dass sie aus dem Spiel gegen Pittsburgh die richtigen Lehren gezogen haben.

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