bieber-mckenna-draft

Am Freitag und Samstag ging der Upper Deck NHL Draft 2026 über die Bühne. Die 32 NHL-Teams sicherten sich dabei die Rechte an 223 der größten Nachwuchstalente der Welt und sorgten dabei für Rekorde und historische Momente. Hier sind zehn Eindrücke, die das Wochenende zu etwas Besonderem machten.

Bieber draftet McKenna mit dem ersten Pick

Die Toronto Maple Leafs hatten die Draft Lottery gewonnen und damit die Möglichkeit, sich mit dem ersten Pick das ihrer Meinung nach größte Talent zu schnappen. Um ihre Wahl zu verkünden, kam kein Geringerer als Musik-Star Justin Bieber auf die Bühne. Bieber ist bekanntermaßen fanatischer Anhänger der Maple Leafs. Neben NHL Commissioner Gary Bettman verkündete er schließlich: „Mister McKenna, wir würden sie gerne zu den Toronto Maple Leafs draften“. So wurde Stürmer Gavin McKenna zum ersten Pick des NHL Draft 2026.

tor mckenna justin bieber

Penguins hoffen auf die nächsten Sedins

Den Pittsburgh Penguins gelang ein seltenes Kunststück. Am Freitag drafteten sie in der ersten Runde Stürmer Liam Ruck. Er war in der abgelaufenen Saison der zweitbeste Scorer der Western Hockey League und wurde nur von seinem Zwillingsbruder Markus übertroffen. Im Vorfeld des Draft gab es Spekulationen, ob die Ruck-Zwillinge beim gleichen Team enden würden. Pittsburgh hatte aber keine zwei Picks in kurzer Folge, so dass sie sich zunächst nur mit Liam begnügen mussten. Am Samstag schlugen sie in der zweiten Runde aber zu und sicherten sich auch den zweiten Ruck. Es war erst das fünfte Mal in der Geschichte des NHL Draft, dass Zwillinge im gleichen Draft bei der gleichen Mannschaft endeten. Zuletzt war das 1999 bei den Sedin-Zwillingen der Fall, die die Vancouver Canucks danach über knapp zwei Jahrzehnte prägten.

Wie der Vater, so der Sohn

Immer wieder findet man im Eishockey Familienverbindungen. Brüder, die beide in der NHL spielen oder Söhne, die in den Fußstapfen ihres Vaters folgen. Im diesjährigen Draft musste man auf den ersten solchen Fall nicht lange warten. Mit dem dritten Pick wählten die Vancouver Canucks Center Caleb Malhotra, Sohn des langjährigen NHL-Spielers Manny Malhotra. Caleb überflügelte seinen Vater, da er vier Picks früher als Malhotra Senior gedraftet wurde. Damit sollte er ihn aber nicht zu sehr aufziehen, denn Papa Malhotra wird bei den Canucks sein Trainer sein.

Malhotra drafted No. 3 by Vancouver

Joe Iginla folgt der Familientradition

Der Name Iginla ist praktisch eine Garantie dafür, gedraftet zu werden. Das begann mit Legende Jarome Iginla, der 1995 zwar von den Dallas Stars gedraftet wurde, aber zu den Calgary Flames wechselte, bevor er sein erstes NHL-Spiel bestritt. 2024 wurde sein ältester Sohn Tij in der ersten Runde von den Utah Mammoth gedraftet. Am 17. Juni folgte Tochter Jade, die von Hamilton in die PWHL gedraftet wurde. In der dritten Draft Runde wurde mit Joe Iginla nun auch Jaromes jüngstes Kind gedraftet. Passenderweise ging er an die Flames, bei denen sein Vater sich seinen legendären Status erarbeitet hatte.

Im Rekordtempo in die NHL

Den wohl ungewöhnlichsten Weg zum Draft hatte Jaxon Cover, der letzte Pick der ersten Runde. Er wuchs auf den tropischen Cayman Islands in der Karibik auf. Eine Eishockey-Liga oder auch nur eine Eishalle sucht man dort vergeblich. Stattdessen spielte Cover in seiner Kindheit Inlinehockey. Mit zwölf Jahren zog er nach Kanada, wo er erst im Alter von 13 Jahren begann Eishockey zu spielen. 2025 schaffte er dann bereits den Sprung in die Ontario Hockey League, ehe die Ottawa Senators ihn am Freitag mit dem 32. Pick drafteten, lediglich fünf Jahre nach seinen ersten Schritten auf dem Eis.

Steiner kann zum Schnäppchen des Jahrgangs werden

Der Schweizer Lars Steiner stürzte im Laufe des Jahres im Ansehen der Scouts immer weiter ab, teilweise aufgrund von Verletzungspech. Noch zu Beginn der Saison war ein Pick in der zweiten Runde eine realistische Erwartung, doch am Wochenende musste er bis zum 171. Pick in der sechsten Runde warten, ehe die St. Louis Blues zuschlugen. Das bietet ihm jetzt aber die Chance zur Überraschung und zum Schnäppchen des Jahres zu werden.

Lars-Steiner-SUI-WJC2026

Underdog kommt zu später Ehre

Während Steiner länger als gedacht warten musste, gab es für den einzigen deutschen Pick eine positive Überraschung. Tobias Krestan war nicht auf dem Radar des Central Scouting Service und tauchte in dessen Rankings der größten Talente überhaupt nicht auf. In der siebten Runde wurde er aber von den St. Louis Blues gedraftet.

Historischer Draft für Schweden und Lettland

Während der Draft für Deutschland, Österreich und die Schweiz recht enttäuschend verlief, durften Schweden und Lettland Rekorde feiern. Mit dem fünften Pick wurde der lettische Verteidiger Alberts Smits von den New York Rangers gedraftet. Zuvor war der höchste lettische Pick der Draft-Geschichte Zemgus Girgensons, der 2012 an 14. Stelle gewählt wurde. Lettland durfte sich zudem erstmals über vier Picks in einem Draft freuen. Auch Schweden konnte einen Rekord feiern, als die Anaheim Ducks an 28. Stelle Marcus Nordmark wählten. Er war der siebte Schwede in der ersten Runde, so viele wurden nie zuvor im ersten Durchgang gedraftet.

Carels bleibt pflichtbewusst und bescheiden

Mehr als ungewöhnlich verlief der sechste Pick, mit dem die Calgary Flames Verteidiger Carson Carels wählten. Für gewöhnlich sind die Spitzenkandidaten persönlich beim Draft anwesend. Schließlich ist ein Pick in der ersten Runde ein Ereignis, das das ganze Leben verändert. Carels konnte das aber nicht einrichten, da er auf der Farm seiner Familie aushelfen musste. Nach seinem Feierabend auf der Farm verfolgte er den Draft stattdessen zu Hause mit Freunden und Familie vor dem Bildschirm.

Carels - 26.06.26

Besonderer Moment nach tragischem Vorfall

Carels war nicht bei seinem eigenen Draft anwesend, dafür waren einige andere Nachwuchsspieler vor Ort, die zwar nicht zur Wahl standen, aber aus anderem Grund im Mittelpunkt standen. Acht Spieler von Blackstone Valley (Rhode Island) nahmen jedem in der ersten Runde gedrafteten NHL-Spieler das Jackett ab und überreichten ihnen anschließend ein personalisiertes Trikot des NHL-Teams, das die Auswahl getroffen hatte. 

„Ich bin der NHL wirklich dankbar, dass sie uns diese Gelegenheit gegeben hat, und ich bin einfach dankbar, diese jungen Leute kennenlernen zu dürfen, die in meinem Alter sind und in die NHL gedraftet werden“, sagte Blackstone-Valley-Kapitän Colin Dorgan. „Ich ziehe meinen Hut vor ihnen und hoffe, dass sie in der NHL Großes leisten und ich sie im Fernsehen verfolgen kann.“

Die NHL hatte die Gruppe eingeladen, nachdem sie im Februar Opfer einer Tragödie geworden waren. Bei einem ihrer Spiele hatte Colins Vater auf der Tribüne das Feuer eröffnet und dessen Mutter, Bruder und Großvater getötet. Der Vater starb ebenfalls.

Blackstone-Trainer Chris Librizzi betrat etwa zur Hälfte der ersten Runde die Bühne und dankte der NHL sowie den Eishockeyfans in ganz Nordamerika für die Zuneigung und das Mitgefühl, das dem Team in den vergangenen vier Monaten entgegengebracht wurde.

„Es war eine großartige Gelegenheit und ein wunderbares Gefühl, unsere Dankbarkeit zum Ausdruck bringen zu können“, sagte Librizzi. Der Trainer erklärte, die Rede sei für ihn die jüngste Hürde auf seinem Weg der Genesung gewesen. 

„Es fiel mir sehr schwer, vor der Öffentlichkeit zu sprechen, ohne in Tränen auszubrechen, wenn ich Colins oder den Namen seiner Schwester Ava erwähnte“, sagte er. „Heute war ein großer Schritt für mich. Das ist nicht passiert. (Colin) hätte das nicht zugelassen.“

„Er sagte mir immer wieder: ‚Du schaffst das, du schaffst das.‘ Er ist ein großartiger Junge. Es war einfach schön, hierherzukommen und ‚Danke‘ zu sagen.“

Librizzi sagte, er habe die Gelegenheit genossen, Zeit mit den älteren Spielern seines Teams zu verbringen, bevor sie sich nächstes Jahr trennen. Die Möglichkeiten, den Zusammenhalt zu stärken, die diese Reise bot, waren von unschätzbarem Wert.

„Wir bleiben als Eishockeyfamilie zusammen und sind für immer miteinander verbunden“, sagte er.

Verwandte Inhalte