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Der Weg von Simas Ignatavicius in die NHL unterscheidet sich grundlegend von jenem der meisten Talente seines Jahrgangs. Der Flügelstürmer wurde am 22. Oktober 2007 im US-Bundesstaat Tennessee geboren, ehe seine Familie nach Litauen zurückkehrte. Dort spielte Eishockey zunächst überhaupt keine Rolle in seinem Leben.

Stattdessen war Basketball die große Sportart der Familie. Sein Vater spielte selbst Basketball und entsprechend lag es nahe, dass auch Simas diesen Weg einschlagen würde. Doch ein zufälliger Besuch in einem Einkaufszentrum änderte alles.

„Eigentlich muss ich einer Pizza danken. Wir wollten etwas essen und sind dabei an einer Eishalle vorbeigekommen. Ich habe das Training gesehen und wusste sofort, dass ich Eishockey spielen möchte.“

Aus einem spontanen Moment entwickelte sich eine Leidenschaft, die den jungen Litauer schon früh zu großen Opfern zwang. Obwohl Eishockey in Litauen nur eine Randsportart ist, fand Ignatavicius gute Trainingsbedingungen vor und entwickelte sich schnell zu einem der größten Talente seines Landes.

Ignatavicius in der 2. Runde von den Panthers ausgewählt

Mit zwölf Jahren allein in die Schweiz

Der entscheidende Schritt folgte bereits im Alter von zwölf Jahren. Um seinen Traum vom Profieishockey weiterzuverfolgen, verließ Ignatavicius seine Familie und wechselte in das Nachwuchssystem des Genève-Servette HC in die Schweiz.

Der Abschied fiel niemandem leicht. Vor allem seine Eltern mussten überzeugt werden.

„Wir haben uns zusammengesetzt und ein ernstes Gespräch geführt. Ich habe ihnen gezeigt, wie wichtig mir dieser Traum ist. Als sie gesehen haben, wie entschlossen ich war, haben sie mich unterstützt.“

Das Leben fernab der Familie verlangte dem damals Zwölfjährigen einiges ab.

„Am Anfang war es natürlich schwierig. Aber ich bin dadurch schnell erwachsen geworden. Es hat mir geholfen, mich voll auf mein Ziel zu konzentrieren und jeden Tag hart zu arbeiten.“

Rückblickend bezeichnet Ignatavicius genau diese Zeit als entscheidenden Entwicklungsschritt seiner Karriere. Die Schweiz bot ihm ideale Voraussetzungen, um sich sowohl sportlich als auch persönlich weiterzuentwickeln.

„Das Schweizer System hat mich unglaublich unterstützt. Die Trainer haben mir vertraut, mich gefordert und mir früh die Möglichkeit gegeben, Erfahrungen im Profibereich zu sammeln.“

Dieser Weg zahlte sich aus. In der vergangenen Saison absolvierte Ignatavicius 63 Pflichtspiele für Genève-Servette HC, erzielte neun Tore sowie sieben Vorlagen und wurde als bester Rookie der National League ausgezeichnet. Parallel sammelte der 1,91 Meter große Angreifer weitere Erfahrungen beim HC Thurgau und überzeugte auch auf internationaler Bühne.

Simas ignatavicius - Geneve-servette2

Mit Litauens U20-Nationalmannschaft führte er sein Team zum Gewinn der Goldmedaille in der Division IA der Junioren-Weltmeisterschaft und war bester Torschütze, bester Vorlagengeber sowie punktbester Spieler des Turniers.

Stolz auf Litauen und Vorfreude auf Florida

Am Samstag folgte schließlich der bislang größte Moment seiner Karriere. Die Florida Panthers sicherten sich die Rechte am vielseitigen Angreifer mit dem 40. Pick in der zweiten Runde des NHL Draft 2026.

Die Emotionen waren entsprechend groß.

„Das ist ein wahr gewordener Traum. Wenn man bedenkt, wo ich herkomme und welchen Weg ich gegangen bin, bedeutet mir das unglaublich viel.“

Ignatavicius schreibt dabei auch ein kleines Stück Eishockeygeschichte. Nach Dainius Zubrus und Darius Kasparaitis ist er erst der dritte Litauer überhaupt, der jemals im NHL Draft ausgewählt wurde.

Darauf ist der junge Angreifer besonders stolz.

„Es erfüllt mich mit Stolz, erst der dritte Litauer zu sein, der gedraftet wurde. Ich hoffe, dass Kinder aus Ländern, in denen Eishockey keine große Sportart ist, sehen, dass auch ihre Träume wahr werden können.“

Mit Zubrus steht Ignatavicius bereits regelmäßig in Kontakt. Der ehemalige NHL-Profi unterstützt den Nachwuchsspieler mit seiner Erfahrung und gibt ihm wertvolle Ratschläge. Auch zu Kasparaitis gab es bereits erste Begegnungen.

Trotz aller Erfolge bleibt sein Fokus zunächst auf der eigenen Entwicklung. Zwar würde er Litauen künftig gerne auch bei den Herren auf internationaler Ebene vertreten, doch aktuell genießt seine Ausbildung zum NHL-Spieler oberste Priorität.

Ein kompletter Stürmer mit großem Entwicklungspotenzial

Sportlich bringt Ignatavicius genau jene Eigenschaften mit, die Florida an ihm schätzt. Mit 1,91 Metern Körpergröße kann er sowohl als Flügelstürmer als auch als Center eingesetzt werden und gilt als kompletter Zwei-Wege-Spieler.

Wie er sich selbst beschreibt, macht deutlich, worauf er besonderen Wert legt.

„Ich möchte ein Spieler sein, der das gesamte Spielfeld bearbeitet. Mir ist die Defensive genauso wichtig wie die Offensive. Ich spiele körperlich, arbeite hart und möchte meinem Team in allen Bereichen helfen.“

Besonders freut sich Ignatavicius darauf, künftig von den etablierten Panthers-Profis zu lernen. Ein Vorbild hat er dabei bereits ausgemacht.

„Ich freue mich darauf, von allen Spielern zu lernen. Aber Matthew Tkachuk ist jemand, dessen Spielweise ich besonders mag und an dem ich mich orientiere.“

Schon bald wird er erstmals nach Florida reisen und am Development Camp teilnehmen.

„Ich kann es kaum erwarten. Ich freue mich riesig auf das Camp und darauf, alle kennenzulernen.“

Trotz seines erfolgreichen Drafts weiß Ignatavicius genau, dass der schwierigste Teil seiner Reise erst beginnt.

„Die Opfer der vergangenen Jahre zahlen sich langsam aus. Aber das ist erst der Anfang. Jetzt muss ich weiter hart arbeiten, denn nur so kann ich mein großes Ziel erreichen.“

Nach unterschiedlichsten Stationen auf seinem Lebensweg Stationen führt der nächste Abschnitt seiner außergewöhnlichen Reise nun nach Florida. Und vielleicht war es tatsächlich eine Pizza, die den Grundstein für eine bemerkenswerte NHL-Karriere legte.

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