Tim Stützle wusste, dass er diese Chance nicht verstreichen lassen durfte. Im dritten Drittel beim Gastspiel am Samstag bei den San Jose Sharks ist er der dritte Mann, der einen Zwei-Auf-Null-Konter verfolgt. Nick Cousins versucht es mit der Rückhand, Alex Nedeljkovic streckt das linke Pad aus und hält zunächst. Doch Stützle bricht den Laufweg Richtung Tor nicht ab, geht konsequent nach und drückt den Puck vom Torraum aus endgültig über die Linie zum 3:2 für die Ottawa Senators.

Nach der Partie sprach er von einem „großartigen Pass“ Sandersons und gab zu, dass er kurz an ein mögliches Abseits gedacht habe. Also lief er einfach hinterher, um den Spielzug abzusichern. Genau dort liegt die Aussagekraft dieser Szene. In einem engen Spiel, das in beide Richtungen hätte kippen können, war es Stützle, der die Situation zu Ende spielte und dem Roadtrip mit einem einzigen Nachsetzen einen klaren Schwerpunkt verlieh.

Comeback-DNA

Der Sieg in San Jose fügte sich nahtlos in ein Muster ein, das sich auf dieser Auswärtstour verfestigte. Bereits bei den Anaheim Ducks lagen die Senators mit 1:2 zurück und drehten die Partie noch zu einem 3:2. Gegen die Sharks wiederholte sich dieses Drehbuch. Ottawa ging in Führung, kassierte zwei Gegentreffer, ließ sich davon aber nicht aus der Bahn werfen. Ohne Nervosität übernahm die Mannschaft Schritt für Schritt die Kontrolle und belohnte sich am Ende erneut. Vier Punkte aus zwei Spielen nach Rückstand sind ein starkes Signal für die innere Stabilität dieser Gruppe.

Trainer Travis Green sprach von einer weiteren „beharrlichen Leistung“, die nah an der Partie in Anaheim lag. Er hob besonders das Forechecking in der zweiten Hälfte des Spiels hervor. Ottawa erzwang längere Phasen in der Angriffszone, ließ die Sharks laufen und schuf damit die Grundlage für die Tore von Fabian Zetterlund und Stützle.

Zetterlund beschrieb den Auftritt als eine Partie, in der man in der zweiten Hälfte „alles richtig“ gemacht hatte. Die Botschaft dahinter war klar. Rückstände wurden nicht mehr als Bruch wahrgenommen, sondern als Situation, auf die Ottawa mit seinem eigenen Spiel reagierte.

OTT@SJS: Stützle befördert die Scheibe in die Maschen

Stützles Scoring-Muster

Der Abend in San Jose stand stellvertretend für eine auffällige Phase in Stützles Saison. Auf dem Papier hatte er nur in drei seiner vergangenen acht Spiele gepunktet. In jedem dieser Auftritte trug er jedoch mindestens zwei Scorerpunkte bei. Auch gegen die Sharks verbuchte er ein Tor und einen Assist. Zunächst fand er im Powerplay mit einem scharfen Zuspiel den Schläger von Dylan Cozens zum 1:0, später entschied er die Partie selbst.

Stützle erklärte, dass er sich vorgenommen hatte, in San Jose mehr zu schießen als noch in Anaheim. Er kam zu mehreren gefährlichen Abschlüssen (vier), kurbelte das Powerplay an und wirkte in den entscheidenden Momenten sehr klar in seinen Entscheidungen. Mit elf Treffern und 21 Punkten aus 21 Partien führt er die Torjägerliste und Scorerwertung der Senators an und bewegt sich erneut auf einem Kurs von einem Punkt pro Spiel.

Die deutsche Perspektive

Aus deutscher Sicht bekam dieser Roadtrip eine zusätzliche Dimension. Stützle war einer von nur zwei deutschen Spielern, die bereits eine NHL-Saison mit mehr als einem Punkt pro Partie abgeschlossen hatten. Neben ihm war das nur Leon Draisaitl gelungen, der dieses Niveau mehrfach hielt. Stützle hatte 2022/23 diese Marke erreicht und befindet sich nun wieder auf dem Weg dorthin. Seine Zahlen bildeten dabei nur einen Teil der Geschichte ab. Entscheidend war, in welchen Situationen er diese Produktion einbrachte.

Stützle gelingen beim 5:3-Sieg der Senators gegen die Bruins zwei Tore und ein Assist

In San Jose zeigte er das Profil eines Franchise-Spielers. Er trug das Tempo durch die neutrale Zone, war zentrale Figur im Powerplay und lieferte in einem Spiel, das durch wenige Szenen entschieden wurde, den ausschlaggebenden Impuls. Anschließend sprach er nicht nur über sein Tor, sondern ausführlich übers Forechecking, einfache Entscheidungen mit der Scheibe und die Art, wie sein Team auf Rückschläge reagierte.

Wenn ein deutscher Nationalspieler zur ersten Option in engen Auswärtsspielen wird und gleichzeitig als Stimme der Gruppe wahrgenommen wird, wirkt das über Ottawa hinaus. Stützle steht sinnbildlich für ein Team, das seine Identität um ihn herum schärft.

Details, die Spiele entschieden

Dass die Senators ihre Auswärtsserie auf fünf Spiele mit Punktgewinn ausbauten und in den vergangenen sieben Partien eine Bilanz von 5-1-1 vorweisen können, ist das Ergebnis vieler kleiner Faktoren. In San Jose griffen diese Elemente sichtbar ineinander. Cozens traf im Powerplay nach einem präzisen Querpass von Stützle. Zetterlund erzielte den Ausgleich gegen sein ehemaliges Team (2023–2025), nachdem Tyler Kleven ihn mit einem Anspiel gefunden hatte. Diese Szenen entstanden aus genau dem Forechecking und den kurzen, intensiven Shifts, die Green hervorhob.

Hinzu kamen die Spezialisten für die feinen Momente. Claude Giroux dominierte den Anspielkreis mit 17 von 21 gewonnenen Faceoffs. Stützle betonte, dass es keinen Spieler in der Liga gebe, den er in späten Bully-Situationen lieber auf dem Eis habe. Linus Ullmark parierte 17 Schüsse, blieb in seiner Karriere zum achten Mal in Folge gegen San Jose siegreich und gab der Mannschaft in den hektischen Schlussminuten die nötige Ruhe.

Zusammen mit Stützles Gamewinner ergab sich so ein Gesamtbild dieser Auswärtstour. Ottawa sammelte Ergebnisse, aber vor allem festigte die Mannschaft eine Spielidentität, die auf Details, Geduld und einem zentralen Führungsspieler beruhte, der in genau diesen Partien den Unterschied macht.

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