Alex Ovechkin von den Washington Capitals hat Jaromir Jagr in der ewigen NHL-Torschützenliste abgelöst und hält nun den Rekord für den besten europäischen Goalgetter der NHL aller Zeiten. Zu diesem Anlass lenken wir den Blick auf den besten deutschsprachigen Export in dieser Kategorie, den Österreicher Thomas Vanek, und nehmen dessen herausragende Karriere unter die Lupe.
Vaneks Einfluss im Schatten von Ovechkins Rekord
Ein Rückblick auf das Vermächtnis des Österreichers als bislang erfolgreichster deutschsprachiger NHL-Torjäger

Geboren wurde Vanek am 19. Januar 1984 als Sohn eines tschechischen Eishockeyspielers und einer Slowakin in Baden. Aufgewachsen ist das Sporttalent in Zell am See und in Graz, wo sein Vater aktiv war und er seine ersten Schritte auf dem Eis machte.
Bereits in seinen jungen Jahren war für Vanek klar, dass er in der NHL spielen möchte. Sein Vater Zdenek hatte schon vor der Geburt von Thomas ein Angebot in Nordamerika zu spielen, entschied sich allerdings auf Intervention seiner Frau dagegen. Dieses Ziel wollte der Sohn nun im Gegensatz unbedingt erreichen.
Der internationale Durchbruch gelang Vanek 1998 beim "Pee Wee", dem größten Nachwuchsturnier der Welt in Quebec, Kanada, wo er in 14 Spielen 21 Treffer erzielte und damit die internationalen Scouts auf sich aufmerksam machte. Vanek wurde aufgrund seiner überragenden Leistungen ins All-Star Team gewählt und die kanadische Presse zog bereits Vergleiche mit Mario Lemieux, dem damaligen Superstar der Pittsburgh Pinguins.

© Bill Wippert/Getty Images
Um sich seinen Traum zu verwirklichen, wagte er bereits im Alter von 14 Jahren den Schritt nach Übersee. Seine erste Eishockeystation führte ihn zu den Lacoka Wolves in der AAA-Liga von Kanada, wo er in 40 Spielen sage und schreibe 76 Tore und 36 Assists verzeichnen konnte. Anschließend spielte er in der USHL - der höchsten Junioren Universitätsliga bei den Sioux Falls Stampede. Dort konnte Vanek in drei Spielzeiten und in insgesamt 108 Auftritten, beachtliche 80 Tore und 73 Assists für sich verbuchen. In seiner letzten Saison (2001/02) stellte er mit 46 Toren und 45 Assists sogar einen neuen Klubrekord auf.
Nach diesen überragenden Leistungen weckte Vanek aufgrund seiner familiären Herkunft auch das Interesse des slowakischen Nationalteams und aus diesem Grund bekam er eine Einladung für ein Trainingslager. Das junge Talent sagte aber ab und hielt seinem Heimatland Österreich die Treue.
Mit der Entscheidung, das College in Minnesota zu besuchen, spielte er für das Traditionsteam von Minneapolis/St. Paul, den Golden Gophers in der NCAA. Als erster europäischer Spieler der Einrichtung überhaupt, führte er die Mannschaft 2002/03 zum College-Titel und wurde zum besten Spieler des Finalturniers in Buffalo gewählt. In beiden Spielzeiten an der Universität führte Vanek die Scorerliste seines Teams an.
Beim Frozen Four, dem Universitäts-Finalturnier 2003 in Buffalo befand sich auch Sabres-Chefcoach Lindy Ruff unter den Zuschauer, der sich dadurch von den spielerischen Qualitäten des Österreichers persönlich überzeugen konnte. Unter den Scouts war zu diesem Zeitpunkt schon klar, dass Vanek im kommenden Draft in der ersten Runde verpflichtet werden würde und so kam es dann auch. Als höchster österreichischer Draftpick aller Zeiten sicherten sich die Buffalo Sabres die Rechte an Vanek und pickten ihn am 21. Juni 2003 an 5. Stelle. Übrigens wurde der kanadische Torhüter Marc-Andre Fleury damals an erster Stelle von den Pittsburgh Penguins gedraftet.
Vanek stand nun kurz vor der Verwirklichung seines Traumes, spielte noch eine Saison auf dem College in Minnesota (45 Spiele - 26 Tore und 25 Assists), ehe er einen Dreijahres-Vertrag bei den Sabres unterzeichnete. Auf sein Debüt in der höchsten Spielklasse musste er jedoch noch warten. Aufgrund des Ausfalls der NHL-Saison (Lockout) verbrachte er das erste Profijahr beim Farmteam Rochester Americans in der AHL. Dass er für die NHL bereit war, zeigte sich anhand seiner überragenden Leistungen. Er avancierte in seinem ersten Profijahr mit 42 Toren und 26 Assists in 74 Spielen gleich zu einem Schlüsselspieler seines Teams und wurde zweitbester Torschützen der gesamten Liga.
Am 5. Oktober 2005 kam es zu seinem Debüt in der NHL. Vanek gewann mit den Sabres das Saison-Auftaktspiel gegen die New York Islanders 6:4 und steuerte zum Heimsieg vor 15.702 Zuschauern in der HSBC Arena einen Assist bei. Sein erstes Tor in der NHL erzielte Vanek in seinem 14. Saisonspiel am 9. November 2005 gegen die Carolina Hurricanes. Seine erste NHL-Saison beendete er mit 25 Toren und 23 Assists und damit als zweitbester Torschütze der Sabres.

© Bill Wippert
Vanek hatte seinen Traum verwirklicht und war in der NHL mehr als angekommen.
"Wenn ich heute einem Kind drei Dinge mit auf den Weg geben müsste, dann die: 'Hab' immer ein Ziel.' Ich hatte immer eines vor Augen, ob man es erreicht, ist eine andere Sache. Dann: 'Arbeite hart, um dein Ziel zu erreichen.' Und: 'Habe Spaß an dem, was du tust.'", so wird Vanek auf der Website der emotiongroup zitiert.
Der endgültige Durchbruch gelang ihm in seiner zweiten NHL-Saison, als er mit 43 Toren zum besten Torjäger der Sabres wurde und seine punktbeste Spielzeit (84 Zähler) ablieferte. Im gleichen Jahr konnte Vanek mit einer Bilanz von +47 auch den besten Plus/Minus-Wert vorweisen. Die Merchandise-Artikel der Nummer 26 erfreuten sich nicht nur in Buffalo äußerster Beliebtheit. In ganz Österreich gab es keine Eishalle, Trainingshalle oder zugefrorenen See, auf dem nicht irgendwo das Logo der Sabres hervorkam. Ja, es entwickelte sich ein richtiger Hype um die Person von Vanek und nicht nur Kinder sahen zu ihm auf und betrachteten ihn als ein großes Vorbild. Plötzlich wurde auch der Fokus der medialen Berichterstattung etwas mehr auf die NHL gelegt. Die beste Eishockeyliga der Welt rückte immer weiter an den europäischen Fan heran und man war dem Spielgeschehen und den aktuellen Ereignissen rund um den österreichischen Youngster näher.
Im Juli 2007 endete der Entry-Level-Vertrag und Vanek wurde ein Restricted Free Agent. Von den Edmonton Oilers erhielt er ein Angebot über eine Summe von 50 Millionen US-Dollar, welches ihm für sieben Jahre an den Klub binden sollte. Trainerstab und Management der Sabres waren sich aber sicher, dass Vanek mit seinen ausgeprägten Scorer-Qualitäten eine ideale Besetzung ist und zogen mit dem Angebot der Oilers gleich. Vanek unterzeichnete deswegen im Sommer 2007 um die gleiche Summe einen neuen 7-Jahres-Vertrag in Buffalo. Dadurch wurde er der bestbezahlteste Sportler Österreichs und einer der höchstbezahltesten Profis der gesamten NHL.
Im Oktober gleichen Jahres wurde er als erster Eishockeyspieler zum österreichischen Sportler des Jahres gewählt. "Das ist eine große Ehre. Ich habe nicht gedacht, dass sich ein österreichischer Eishockeyspieler gegen die vielen Ski-Asse durchsetzen könnte. Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet", sagte der in der Steiermark aufgewachsene NHL-Crack damals voller Stolz gegenüber Sports Media Austria (SMA).
In der darauffolgenden Saison gelang ihm am 12. Februar 2008 im Spiel bei den Ottawa Senators sein erster Hattrick in der NHL. In der gleichen Spielzeit erzielte er noch zwei weitere Hattricks gegen die Tampa Bay Lightning und Boston Bruins. Für einen besonderen Meilenstein sorgte Vanek am 13. Dezember 2008, als er das 10.000 NHL-Tor in der Vereinsgeschichte der Sabres erzielte. In der laufenden Saison wurde er aufgrund seiner hervorragenden Leistungen als erster Österreicher überhaupt zum 57. NHL All-Star Game 2008 nach Montreal einberufen.
Im Februar 2009 erfolgte ein herber Rückschlag, als er beim Spiel gegen die Senators unglücklich von einem Puck getroffen wurde und sich den Kiefer brach.
In sieben Spielzeiten schloss Vanek sechsmal als bester Torschütze der Sabres ab, von 2006/07 bis 2010/11 sogar fünfmal in Folge. Lediglich in der Saison 2011/12 musste er sich seinem Teamkollegen Jason Pominville um vier Treffer geschlagen geben.
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Aufgrund des NHL-Lockouts zum Beginn der Saison 2012/13 kam es aus Sicht der österreichischen Eishockeyfans zu einem absoluten Highlight. Vanek spielte ab Oktober 2012 für die Graz 99'ers in der EBEL, der höchsten österreichischen Eishockeyliga. Dieses Engagement war auf einen Monat oder bis zum Wiederbeginn der NHL-Saison befristet.
Als amtierender Teamkapitän wurde Vanek am 27. Oktober 2013 nach nur 13 Spielen in der Saison 2013/14 zum ersten Mal in seiner Karriere getradet und zu den New York Islanders transferiert, für die er es in 47 Partien bis zu seinem Trade nach Montreal auf 44 Punkte (17 Tore, 27 Assists) brachte. Er verhalf den Canadiens mit 15 Punkten (6 Tore, 9 Assists) in 18 Partien zur Qualifikation für die Stanley Cup Playoffs 2014 und in diesen mit weiteren zehn Punkten (5 Tore, 5 Assists) zum Einzug in das Eastern Conference Finale, in dem sie sich den New York Rangers in sechs Spielen geschlagen geben mussten. In den Folgejahren bis zur Saison 2018/19 schnürte Vanek seine Schlittschuhe unter anderem für die Minnesota Wild, Detroit Red Wings, Florida Panthers, Vancouver Canucks und Columbus Blue Jackets.
Nachdem er zu Saisonbeginn 2019/20 vergeblich auf ein passendes Vertragsangebot gewartet hatte, sagte Vanek zur Trade Deadline im Februar 2020 in der US-Radioshow "The Instigators": "Wenn ich heute nicht irgendwo unterkomme, dann war's das für mich." So kam es schließlich auch...
"Ich bin glücklich mit dem, was ich erreicht habe", betonte er. Das vergangene Jahr habe ihm viel Spaß gemacht. "Zu Hause zu sein und meine Buben zu trainieren war toll". Vanek berichtete, dass er das Familienleben mit seiner Frau Ashley und den drei Söhnen Blake sowie den Zwillingen Luka Robert und Kade Ashton in Stillwater, Minnesota richtig genieße. "Deshalb werde ich nicht weiter trainieren und versuchen, nächstes Jahr zurückzukommen", bekräftigte er seinen Entschluss.
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Vanek will dem Eishockey und vor allem der NHL aber erhalten bleiben.
Sein Rücktritt bedeute nicht seinen Abschied vom Eishockey. "Mein großer Traum ist es, weiter in dem Spiel zu bleiben. Eishockey ist mein Leben. Jetzt ist es mir wichtig, für meine Kinder da zu sein und sie zu trainieren. Aber es ist mein Traum, irgendwann ein General Manager in der NHL zu sein. Der nächste Schritt wäre es, mit einer NHL-Mannschaft zu arbeiten, ob nun im Players Development, als Scout oder was auch immer. Ich hoffe, in den nächsten Jahren passiert etwas."
Am 4. Januar 2019 bestritt Vanek sein 1.000 NHL-Spiel in der regulären Saison, ehe er am 23. März das Jersey der Red Wings überstreifte und zum letzten Mal in seiner großartigen Laufbahn in der NHL auf dem Eis stand.
Österreichs erfolgreichster Eishockeyspieler kann auf eine beachtliche Karriere zurückblicken. In 1.029 NHL-Spielen verbuchte er 789 Scorerpunkte (373 Tore, 416 Assists). In den Playoffs legte er nochmals 36 Punkte (21 Tore, 15 Assists) drauf.
Mit seinen 373 Toren in der regulären Saison rangiert Vanek auf Platz 22 der besten europäischen Torschützen aller Zeiten in der NHL.
Auf internationaler Ebene vertrat er die österreichische Nationalmannschaft unter anderem bei den Olympischen Winterspielen 2014 sowie bei vier Weltmeisterschaften. Sein Debüt in der österreichischen Nationalmannschaft. gab Vanek am 15. April 2004. Das Freundschaftsspiel gegen Deutschland ging damals mit 1:2 verloren.
Vanek hatte laut eigener Aussage auch das Angebot für die USA aufzulaufen, doch er blieb seinem Heimatland treu. "Der US-Verband bot mir an, sich dafür einzusetzen, schneller einen US-Pass zu bekommen - wenn ich für Amerika spiele", schilderte er gegenüber der Kleinen Zeitung im Jahr 2012. "Auch Teamspieler haben angerufen, um mich dazu zu überreden. Es wäre reizvoll gewesen, weil die Chancen auf eine olympische Goldmedaille größer sind als mit Österreich."
Doch die Verbundenheit mit daheim habe ihn zurückgehalten. "Ich kenne die meisten US-Teamspieler", führte er weiter aus. "Ich hätte kein Problem gehabt, hart und leidenschaftlich zu spielen. Aber ich hätte mich nicht gut gefühlt. Ich spiele lieber für Österreich, auch wenn es nur die B-Liga ist und ich weniger Mitspieler kenne als in Amerika. Es ist richtig so."
Neben seiner sportlichen Leistung erreichte Vanek in Österreich mit Aussagen wie diesen Kultstatus: "Meine Heimat ist Österreich. Wenn ich zu Hause" sage, dann ist das Graz für mich. Und auch wenn ich schon mehr als die Hälfte meines Lebens in Amerika verbracht habe, auch wenn meine Frau Amerikanerin ist und unsere drei Kinder in Buffalo geboren sind: Ich werde immer Österreicher bleiben."
Bleibt zu hoffen, dass bald wieder mehr von Vanek im Zusammenhang mit der NHL zu hören sein wird.
Der freie Mitarbeiter Martin Stichauner hat zu diesem Bericht beigetragen.

















