Einst waren Rick Tocchet, Trainer der Philadelphia Flyers, und Craig Berube, Trainer der Toronto Maple Leafs, Teamkollegen bei den Flyers. Doch das ist mittlerweile Jahrzehnte her. Beide sind der NHL treu und auch Freunde geblieben. Und so begegnet man sich regelmäßig, wenn die jeweiligen Teams gegeneinander spielen. Das jüngste Duell am Montagabend (Ortszeit) ging an Tocchets Flyers, die 3:2 nach Penaltyschießen in der Scotiabank Arena zu Toronto gewannen. Ein Ergebnis, das der Freundschaft keinen Abbruch tun wird, aber unterschiedliche Auswirkungen für jede der zwei Mannschaften hat.

Eishockey-Freundschaft seit 40 Jahren

Tocchet und Berube kennen sich mittlerweile seit 40 Jahren. Ersterer hatte bei den Flyers bereits drei Jahre in der NHL gespielt, ehe Berube in der Saison 1986/87 als Rookie zu den Flyers kam. Fünf Spielzeiten lang waren die beiden Teamkollegen in Philadelphia, ehe Berube nach Edmonton getradet wurde. Die Wege führten die beiden noch mal in der Saison 1996/97 bei den Washington Capitals und erneut bei den Flyers in der Saison 1999/2000 zusammen.

Tocchets Trainerkarriere begann 2002/03 als Assistenztrainer bei den Colorado Avalanche. Hauptverantwortlich war er zum ersten Mal in der Spielzeit 2008/09 bei den Tampa Bay Lightning. Sein größter Erfolg war bislang der Jack Adams Award als Trainer des Jahres 2023. Da hat ihm Berube etwas voraus. Denn er hat schon den Stanley Cup gewonnen – mit den St. Louis Blues 2019. Seine Trainerkarriere begann passenderweise in Philadelphia, allerdings 2004 bei den Phantoms in der AHL. 2013/14 war er aber auch zum ersten Mal in Philadelphia in der NHL in Verantwortung.

Doch wer den Stanley Cup gewinnen will, der muss es erstmal in die Playoffs schaffen. Und da sieht es sowohl für die Flyers als auch die Maple Leafs derzeit nicht so gut aus. Beide Teams sind noch unter dem Strich in der Eastern Conference, also außerhalb der Playoff-Ränge, und haben die Boston Bruins im Visier. Diese stehen auf dem zweiten Wild Card Platz. Die Flyers sind dem Team des deutschen Trainers Marco Sturm durch das Ergebnis am Montag wieder etwas näher gekommen. Nach dem dritten Sieg in Folge haben sie nur noch vier Punkte Rückstand auf die Bruins. „Das war

irgendwie schon ein Playoffspiel“, meinte Flyers-Stürmer Noah Cates nach dem Partie. Er hatte die Gäste 2:1 in Führung gebracht (55.) und damit seine Serie mit Spielen mit mindestens einem Scorerpunkt auf vier verlängert (zwei Tore, drei Vorlagen). „Wir kämpfen hart und finden Wege, zu gewinnen und dem Team zu helfen.“ Die Olympia-Pause sei gerade recht gekommen. „Wir wissen, wo wir stehen.“

PHI@TOR: Brink und Cates im Zusammenspiel zur Führung

Flyers beweisen Comeback-Qualitäten

Dabei sah es zunächst gar nicht gut aus für die Flyers, die nach fünf Jahren ihren Fans endlich mal wieder Playoff-Eishockey bieten wollen. Dakota Joshua brachte mit seinem ersten Tor seit 16. Dezember die Gastgeber in Führung. Er hatte zwischenzeitlich 20 Spiele mit einer Nierenruptur verpasst. Von dem Treffer erholten sich die Flyers allerdings schnell und kamen durch Christian Dvorak in Überzahl aus dem Gewühl vor dem Tor heraus zum Ausgleich (19.). Nach torlosem Mitteldrittel war zuerst Cates an der Reihe, ehe William Nylander in Überzahl den Gastgebern wenigstens noch einen Zähler rettete (58.). Er war auch der einzige Akteur der Maple Leafs, der nach der Verlängerung im Shootout traf. Bei den Flyers trafen Matvei Michkov und Trevor Zegras.

„Das sind zwei verzweifelte Teams. Beide brauchten den Sieg wirklich dringend. Es war also klar, dass nicht viele Tore fallen würden und es ein enges Spiel geben würde“, meinte Flyers-Center Dvorak. Sein Team habe einen guten Start gehabt und sei nach einem starken zweiten Drittel der Maple Leafs im Schlussabschnitt gut zurückgekommen.

PHI@TOR: Flyers bezwingen Maple Leafs im Penaltyschießen

„Man braucht eine Top-Leistung über 60 Minuten, gerade jetzt. Wir können es uns nicht erlauben, einen Wechsel zu verschenken. Es ist mein Job, dafür zu sorgen, dass die Jungs das abrufen können“, sagte Berube nach der Partie. Konkret war er mit dem Auftritt seines Teams im ersten Drittel nicht zufrieden. „Wir müssen verstehen, dass wenn wir so spielen wie im zweiten und dritten Drittel, wir eine bessere Chance haben, das Spiel zu gewinnen. Wir sind in der Lage, das zu leisten. Wir haben keine Zeit mehr, einen Wechsel oder ein Drittel zu verschenken“, betonte er den Ernst der Lage für die Maple Leafs.

Maple Leafs verlieren Playoff-Ränge aus den Augen

Für sie stand eigentlich auf der Agenda, zum zehnten Mal in Folge in die Playoffs zu kommen und wieder eine Chance zu haben, den Stanley Cup endlich mal wieder ins Mutterland des Eishockeys zu bringen. Doch nach der vierten Niederlage (0-3-1) in Folge beträgt der Rückstand auf die besagten Bruins bereits sieben Punkte. Die Formkurve zeigt mit drei Siegen aus den vergangenen 13 Partien (3-8-2) auch eher nach unten. „Es ist schwierig, die Zuversicht zu bewahren. Es ist mein Job, dass die Jungs zuversichtlich sind. Ich selbst bin weiter zuversichtlich. Ich weiß, was die Jungs leisten können, mein Job ist es, es aus ihnen rauszukitzeln“, sagte Berube selbstkritisch. Sein Top-Star, Auston Matthews, meinte dass in der Mannschaft das entsprechende Level an Energie und Verzweiflung da sein müsse. „Aber wir brauchen mehr Verzweiflung, mehr Feuer. Wir brauchen diese Energie über die vollen 60 Minuten“, bekräftigte Matthews.

Den Worten Taten folgen lassen können die Maple Leafs am Mittwoch und Donnerstag. Dann stehen an zwei Abenden in Folge zwei Partien bei den New Jersey Devils und den New York Rangers an, den beiden Schlusslichtern in den Eastern Conference. Stichwort: Verzweiflung.

Die Flyers versuchen am Donnerstag im Heimspiel gegen die Utah Mammoth, ihre Siegesserie auszubauen, ehe es am Sonntag nach Pittsburgh zur erneuten Auflage der Schlacht um Pennsylvania

geht. Tocchet und Berube werden dann bestimmt auch noch Freunde sein. Doch ob es diesmal für beide reicht, in die Playoffs einzuziehen?

Verwandte Inhalte