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Das Jahr 2020 ist ein spezielles Jahr und wird als dieses auch in die Geschichtsbücher der NHL eingehen. Unter besonderen Umständen werden die Stanley Cup Playoffs 2020 in den zwei Hub-Cities Toronto und Edmonton ausgetragen und die Liga vollzieht die entscheidende Phase der Saison 2019/20 so spät wie noch nie in ihrer über einhundertjährigen Geschichte. Moderne Hallen machen es möglich, im Sommer überhaupt noch Eishockey zu spielen.

Nach der knapp einwöchigen Stanley Cup Qualifikation begannen am Dienstag für die verbliebenen 16 Mannschaften die Stanley Cup Playoffs mit der Partie der ersten Runde in der Eastern Conference zwischen den Tampa Bay Lightning und Columbus Blue Jackets. Spielbeginn war kurz nach 15 Uhr Ortszeit am Nachmittag und niemand konnte zu diesem Zeitpunkt erahnen, dass die K.o.-Runde mit einem Paukenschlag beginnen würde.

151 Schüsse kamen insgesamt auf die beiden Tore, inklusive 88 von den Lightning zu einem neuen Stanley Cup Playoff Rekord, seitdem diese Kategorie mit der Saison 1959/60 in die offizielle Statistik aufgenommen wurde. Dementsprechend verbuchte Columbus Torhüter Joonas Korpisalo 85 Saves und damit so viele in einer Begegnung wie noch nie ein Schlussmann zuvor. Der bisherige Rekordhalter Kelly Hrudy schaffte am 18.4.1987 im Spiel seiner New York Islanders gegen die Washington Capitals, einem 3:2-Sieg in der vierten Overtime, 73 Saves. Lightning-Torhüter Andrei Vasilevskiy stellte mit 61 Saves eine neue Bestmarke für seinen Klub auf.

Point in 5.OT zum Sieg der Lightning in Spiel 1

Columbus' Verteidiger Seth Jones stand 65:06 Minuten auf dem Eis und stellte damit natürlich einen NHL-Rekord auf. Die Eiszeit wird allerdings erst seit 1997/98 offiziell erfasst.

"Es gibt keine Energie zum Konservieren", sagte der Ironman Jones. "Man muss einen Weg finden, jeden Einsatz mit Energie zu spielen. Deswegen haben wir uns während des Trainingscamps Kondition erarbeitet. Wir haben unsere Körper in Stellung gebracht, von daher können wir solche Sachen machen und das Niveau bis zu dieser Extreme halten."

Die Extreme war ein Spiel 1, das von der Dauer sechs Stunden und 13 Minuten und effektiv 150 Minuten und 27 Sekunden lief, ehe Lightning-Stürmer Brayden Point mit einem Handgelenkschuss Korpisalo nach 10:27 Minuten in der fünften Verlängerung zum 3:2-Siegtreffer für Tampa Bay überwand. Das viertlängste Spiel in der NHL-Geschichte war zu Ende.

"Du versuchst nur von Save zu Save zu gehen und nicht zu viel darüber nachzudenken und es nicht so sehr arbeiten zu lassen", erzählte Korpisalo aus seiner Gefühlswelt. "Ich denke, dass ich mich die ganze Zeit gut gefühlt habe und die Jungs haben vor mir großartig gekämpft. Von daher nicht so schlecht. Natürlich haben wir nicht gewonnen, aber es war nur ein Spiel. Wir werden für das Nächste bereit sein."

Ein so langes Spiel hatten sich zuletzt am 4. Mai 2000 die Philadelphia Flyers und Pittsburgh Penguins geliefert, als nach 12:01 Minuten in der fünften Overtime der 4:3-Siegtreffer durch Keith Primeau fiel. Diese Partie steht als drittlängste in den Annalen. Nur am 3. April 1933 zwischen den Boston Bruins und Toronto Maple Leafs (104:46 Min. OT; 1:0 Leafs) und am 24. März 1936 zwischen den Detroit Red Wings und Montreal Maroons (116:30 Min. OT; 1:0 Wings) ging es bis in die sechste Verlängerung.

"Bei acht Dritteln Eishockey dabei zu sein und immer noch die Spielzüge zu machen, die die Spieler gezeigt haben, war schon beeindruckend", äußerte sich Tampa Bays Trainer Jon Cooper. "Natürlich bin ich froh, dass es sich für uns ausgezahlt hat, aber es war ein unglaublicher Einsatz von beiden Mannschaften."

Weitere beeindruckende Zahlen dieser "Schlacht" sind 92 geblockte Schüsse und 105 ausgeteilte Checks. Die Akteure auf dem Eis schienen nicht müde zu werden, wobei ihnen der frühe Beginn am Nachmittag sicher in die Karten gespielt hatte.

CBJ@TBL, Sp1: Korpisalo mit 74. Save neuer Rekord

Die besonderen Umstände dieses Jahres sind es also, die auch fünf Verlängerungen intensives Eishockey ermöglichen. Obwohl solche langen Spiele immer spektakulär sind, war es dieses Mal noch beeindruckender, weil die Spieler eben aufgrund der über viermonatigen Pause seit der Saisonunterbrechung am 12. März derzeit frischer sind, als das in "normalen" Playoffs nach einer kraftzehrenden regulären Saison der Fall ist. Und ein Spielbeginn zur Tagzeit kommt in diesem Fall auch entgegen, als wenn es erst am Abend beginnt und erst tief in der Nacht endet.

Wie die Akteure den Marathon schließlich verkraftet haben, wird sich bereits am Donnerstag (3 p.m. ET; 21 Uhr MESZ; Sport1+, Teleclub, NHL.TV) zeigen, wenn sie zu Spiel 2 erneut in der Scotiabank Arena von Toronto auf dem Eis stehen werden.

"Ich bin sicher, dass jeder eine persönliche Rekordzeit an Minuten gespielt hat", sagte Jones. "Wir werden morgen unsere Körper schonen und danach für Spiel 2 bereit sein."

CBJ@TBL, Sp1: Points Overtime-Siegtor

Und dann wird weiter Geschichte geschrieben, auch wenn nicht jedes kommende Spiel in diesem besonderen Jahr, die Erlebnisse des ersten kaum toppen wird können.