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Sie hoffen und bangen und ein ganzes Land fiebert mit. Jedes Frühjahr heißt es: The same procedure as every year! (Die gleiche Prozedur wie jedes Jahr!) Selbst Rivalitäten zwischen kanadischen Teams werden bei den Fans häufig vergessen, wenn es darum geht, dass der Stanley Cup erstmals seit 1993 in das Mutterland des Eishockeys gehen soll. Egal, welche Mannschaft es letztendlich schafft, Hauptsache der NHL-Pokal findet sich endlich wieder einmal im True North, dem wahren Norden, ein.

Seit dem 9. Juni 1993, als die Montreal Canadiens im Montreal Forum Spiel 5 im Stanley Cup Finale und damit die Best-of-Seven-Serie mit 4:1 gegen die Los Angeles Kings für sich entschieden und ihren NHL-Rekord auf 24 Titel ausbauten, blutet die kanadische Eishockeyseele.

Die Hoffnung stirbt zuletzt und sie war, wie schon in den vergangenen Jahren groß, dass es zum 30. Jahrestag ein Ende des Wartens geben könnte. Nicht zuletzt die Tatsache, dass die Toronto Maple Leafs in diesem Jahr ihr seit 2004 vorherrschendes Erstrunden-Trauma ausgerechnet gegen die Tampa Bay Lightning, ihres Zeichens Stanley Cup Sieger 2020 und 2021 sowie Endspielteilnehmer 2022, beenden konnten, schürte sie weiter. Doch die Ernüchterung in Toronto und größtenteils landesweit folgte mit der 1:4-Niederlage in der Zweitrundenserie gegen die Florida Panthers auf dem Fuß.

Schließlich waren die Edmonton Oilers als letzte kanadischer Vertreter gefragt. Doch sie zogen am Freitag kurz nach dem Scheitern der Maple Leafs ihrerseits in Spiel 5 der Serie gegen die Vegas Golden Knights den Kürzeren und lagen so in der Serie mit 2:3 hinten. Mit ihrem Scheitern am Sonntag in Spiel 6 ist die Hoffnung in diesem Jahr, dem Jubiläumsjahr, erneut vorzeitig gestorben. Alle sieben kanadischen Teams sind noch vor den Conference Finals in der Sommerpause. Das Warten geht auch im 30. Jahr weiter.

Ist es ein Fluch? Ist es eine Verschwörung? Pech? Oder sind die Teams vielleicht einfach nicht gut genug, fragte daher kürzlich der kanadische Sender CBC. Es sind alles nur Spekulationen und niemand kann es genau sagen. Am Ende steht aber immer nur der nüchterne Fakt, dass es nicht gereicht hat.

Die wirtschaftlichen Probleme, die fast alle kanadischen Teams Ende der 1990er-Jahre bis zur Einführung des Salary Caps (Gehaltsobergrenze) im Jahr 2005 hatten, sind lange vergessen und die sportliche Wettbewerbsfähigkeit ist bereits seit einiger Zeit zurück.

Trotz aller Widrigkeiten waren kanadische Teams in den vergangenen drei Jahrzehnten etliche Male nahe, teilweise sogar sehr nahe dran am ultimativen Erfolg. Ein Jahr nach den Canadiens verloren die Vancouver Canucks das Stanley Cup Finale 1994 in Spiel 7 gegen die New York Rangers. Danach dauerte es zehn Jahre, ehe die Calgary Flames nach einer 3:2-Serienführung ebenfalls in Spiel 7 beim Stanley Cup Finale 2004 den Lightning unterlagen.

2006 ging es erneut über sieben Spiele, als die Oilers gegen die Carolina Hurricanes verloren und 2007 mussten die Ottawa Senators nach fünf Spielen gegen die Anaheim Ducks die Segel streichen. 2011 ging es wieder über die volle Distanz, als die Canucks gegen die Boston Bruins das entscheidende Spiel 7 zu Hause mit 0:4 abgaben.

07-Cup-Clincher

Danach dauerte es abermals zehn Jahre, ehe die Canadiens im Stanley Cup Finale 2021 aufgrund der Covid19-Pandemie mit reduzierten Zuschauerzahlen den Lightning in fünf Spielen unterlagen.

Seit 1994 war Montreal mit 17 Teilnahmen mehr als jedes andere kanadische Team in den Playoffs vertreten. Es folgen die Senators und Maple Leafs mit jeweils 16, die Canucks mit 15, die Flames mit 13 und die Oilers mit 11 Qualifikationen. Die Winnipeg Jets können seit ihrer Rückkehr nach Kanada im Jahr 2013 sechs Teilnahmen vorweisen.

Die Jets waren neben Toronto und Edmonton auch in diesem Jahr in den Playoffs vertreten. Doch für sie war bereits in der ersten Runde nach fünf Spielen gegen Vegas Schluss.

Zwischenzeitlicher historischer Tiefpunkt des kanadischen Eishockeys war die Saison 2015/16, als keines der sieben kanadischen Teams die Stanley Cup Playoffs erreichen konnte. Von solchen Vorkommnissen sind die Vertreter aus dem Norden aufgrund größerer Wettbewerbsfähigkeit mittlerweile weit entfernt, aber zum großen Coup reicht es irgendwie trotzdem nicht.

Ansonsten stehen in den vergangenen 30 Jahren neben den geschilderten vergeblichen sechs Teilnahmen an einem Stanley Cup Finale noch acht Qualifikationen von kanadischen Teams für ein Conference Finale zu Buche. Zuletzt scheiterten die Oilers im Western Conference Finale 2022 am späteren Titelgewinner Colorado Avalanche in vier Spielen.

Das Mitfiebern mit den kanadischen Teams ist in diesem Jahr mal wieder vorzeitig nach zwei Runden beendet. Das Hoffen und Bangen wird daher zumindest ein weiteres Jahr anhalten.