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Ab dem 1. November nimmt NHL.com/de mit seiner 31 in 31 Serie jedes Team genauer unter die Lupe. Von den wichtigsten Geschehnissen und Spielern bis hin zu Stärken und Schwächen, bieten wir eine umfassende Bestandsaufnahme der Klubs in der Liga.
In dieser Ausgabe geht es um die Colorado Avalanche.

In der regulären Saison lief alles wie am Schnürchen für die Mannschaft von Jared Bednar. 42 Siege (92 Punkte) aus 70 Partien sammelten die Avalanche. Nur wenige Mannschaften hatten dem Offensivdrang der Franchise aus Denver etwas entgegenzusetzen. Als Belohnung gab es für Nathan MacKinnon und Co. Platz zwei in der Western Conference hinter den St. Louis Blues.
Doch in der Postseason in der Blase von Edmonton lief es nur noch in den Auftaktspielen und der ersten Runde gegen die Arizona Coyotes rund. Mit einem 4:1 in der Serie schlug Colorado die Coyotes. In der Runde darauf war allerdings in sieben Spielen gegen die Dallas Stars Schluss.

COL@DAL, Sp6: Rantanen trifft nach Pass von MacKinnon

Bilanz 2019/20: 42-20-8, 2. Platz in Western Conference
Postseason 2020:2. Runde, 3:4 gegen Dallas Stars
Trainer: Jared Bednar, 5. Saison
Zugänge: LW Brandon Saad, D Dennis Gilbert, D Devon Toews
Abgänge: D Nikita Zadorov, D Anton Lindholm, C Vladislav Namestnikov
Es war ganz knapp: Erst in Spiel sieben der zweiten Runde der Playoffs der Western Conference mussten sich die Avalanche den Stars geschlagen geben. Der Hauptgrund: Die Mannschaft aus Denver war in den entscheidenden Situationen einfach nicht abgezockt genug. Dazu kam Verletzungspech auf der Torhüterposition.
In Sachen Playoff-Erfahrung hat General Manager Joe Sakic in der Offseason nachgerüstet. Den ganz großen Namen hat Sakic, der als Spieler zweimal mit den Avalanche den Stanley Cup gewonnen hat, nicht an Land gezogen. Doch mit Brandon Saad kam genau der Akteur, den man bei Colorado während der Postseason in der Blase von Edmonton so schmerzlich vermisst hatte.
Saad kommt mit der Empfehlung von zwei Stanley Cup-Siegen mit den Chicago Blackhawks (2013 und 2015) nach Colorado. Doch der 28-Jährige bringt nicht nur Erfahrung für die Mannschaft von Coach Bednar. Er gibt dem in der Offensive ohnehin schon gut besetzten Kader noch mehr Tiefe. Fünfmal hat er bereits die 20-Tore-Marke geknackt, einmal hat er sogar schon mehr als 30 Treffer in einer Spielzeit verbucht.
Saads Dienste waren Sakic einiges wert. Im Tausch für den Stürmer und Verteidiger Dennis Gilbert gingen die Verteidiger Nikita Zadorov und Anton Lindholm in die Windy City. Damit hat der Kader scheinbar viel an physischer Präsenz in der Verteidigung eingebüßt. Das will man in Colorado im Verbund auffangen. Ian Cole, Erik Johnson und Ryan Graves sollen das in die Hand nehmen. Der Verlust von Zadorov lässt sich außerdem verschmerzen, da die Avalanche mit Bowen Byram und Connor Timmins schon die nächsten beiden jungen Verteidiger im Fahrwasser von Cale Makar in der Warteschlange haben. Zudem angelte sich Sakic Abwehrspieler Devon Toews im Tausch für zwei Draftpicks von den New York Islanders und stattete den 26-Jährigen gleich mal mit einem Vierjahresvertrag aus.

Devon Toews New York Islanders

Timmins schnupperte in den Playoffs gegen die Stars bereits zweimal NHL-Luft. Die Avalanche zogen den 22-Jährigen 2017 im NHL Draft in der zweiten Runde an 32. Stelle. Byram ist sogar noch mit mehr Vorschusslorbeeren dekoriert. Ihn zog Colorado 2019 beim Draft schon an vierter Stelle in der ersten Runde. Beide sollen laut Sakic die Möglichkeit haben, um den Platz von Zadorov im Kader zu kämpfen.
Ansonsten legte Sakic vor allem Wert darauf, das intakte Team zusammenzuhalten. Die Stürmer Andre Burakovsky und Valeri Nichushkin sowie Abwehrrecke Ryan Graves bekamen neue Arbeitspapiere. Burakovsky hat sich mit den besten Offensivleistungen seiner Karriere für eine Weiterbeschäftigung in Denver empfohlen. Zum ersten Mal schaffte er in einer Spielzeit 20 Tore, mehr als 20 Vorlagen (25) und mehr als 40 Scorerpunkte (45). Und das in gerade mal 58 Spielen. Nichushkin hat mit 13 Treffern und 14 Assists in seiner ersten Saison im Trikot der Organisation ebenfalls überzeugt. Und Graves war mit einem Wert von plus 40 in seiner ersten vollen NHL-Saison gleich mal der beste Spieler der Liga in dieser Statistik.
Die Problemzone der Colorado Avalanche ist das Tor. Der Rosenheimer Philipp Grubauer hatte mit Verletzungen zu kämpfen. Und der Tscheche Pavel Francouz, ursprünglich als Backup für Grubauer vorgesehen, hatte am Ende sogar die besseren Statistiken als der Deutsche. Grubauer kam in 36 Spielen in der regulären Saison (18-10-4) auf einen Gegentorschnitt von 2,63 und eine Fangquote von 91,6 Prozent. Francouz hatte bei 34 Einsätzen (21-7-4) einen Gegentorschnitt von 2,41 und eine Fangquote von 92,3 Prozent.
Die derzeitige Nummer drei, Hunter Miska, hat gerade mal 18:16 Minuten NHL-Erfahrung vorzuweisen. Macht Sakic also doch noch mal etwas auf dem Transfermarkt? Kommt noch ein Torwart? Vielleicht sogar eine neue Nummer eins? Und wer müsste dafür gehen?
Fest steht, dass der Vertrag von Grubauer am Ende der Saison ausläuft. Er wird dann unrestricted Free Agent. Das trifft auch auf Verteidiger Cole zu. Doch das wird noch nicht einmal die größte Baustelle, die Sakic abarbeiten muss. Denn auch Kapitän Landeskog hat nur noch für die kommende Spielzeit einen Vertrag in Denver. Seine Weiterverpflichtung dürfte wohl Priorität haben.