DAL@CHI: Kahun haut Saads Rebound rein

NHL.com/de blickt auf bedeutende deutschsprachige Spieler zurück, die ihre Schlittschuhe für einzelne Franchises geschnürt haben. In dieser Folge die Chicago Blackhawks.

Als der Schweizer Reto von Arx am 7. Oktober 2000 im Trikot der Chicago Blackhawks auf dem Eis stand, deutete zunächst wenig daraufhin, dass er an diesem Abend einen historischen Moment erleben würde. Das Spiel bei den Columbus Blue Jackets hatte für ihn und seine Mannschaft denkbar schlecht begonnen. Nach 20 Minuten lagen die Blackhawks mit 0:3 hinten. In der 27. Minute hatte von Arx dann seinen großen Auftritt. Er erzielte den 1:3-Anschlusstreffer und ging damit als erster Torschütze aus der Schweiz in die NHL-Geschichte ein.
Für Chicago war der Treffer das Startsignal für eine fulminante Aufholjagd. Noch im zweiten Durchgang gelang dem Team der Ausgleich. Kurz nach Beginn des letzten Abschnitts war von Arx erneut zur Stelle. Mit dem 4:3 in der 43. Minute machte er sein Doppelpack perfekt. Das Tor war zugleich der Game-Winner. Am Ende hieß es 5:3 für die Blackhawks.
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Für von Arx war es erst das zweite Spiel in der NHL gewesen. Zwei Tage zuvor hatte er in der Auswärtsbegegnung bei den Buffalo Sabres sein Debüt gefeiert. Trotz der bemerkenswerten Vorstellung in Columbus blieb dem Angreifer der Durchbruch im Team und in der Liga verwehrt. Nur noch 17 Mal trug er danach das Trikot der Blackhawks. In den insgesamt 19 Einsätzen während der Saison 2000/01 brachte es Chicagos Neuntrundenpick aus dem NHL Draft 2000 (Gesamtposition 271) auf vier Scorerpunkte (drei Tore, eine Vorlage).
Nach seiner Rückversetzung ins Farmteam nach Norfolk verabschiedete sich von Arx im Oktober 2001 von der Organisation der Blackhawks. Er kehrte zum HC Davos zurück, wo er schon vor seinem Trip nach Nordamerika unter Vertrag stand.
Eine besondere Rolle spielten die Blackhawks auch für die beiden Deutschen Dominik Kahun und Christian Ehrhoff. Für Kahun waren sie die erste Station in der NHL, für Ehrhoff die letzte.

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Durch seine starken Leistungen beim EHC Red Bull München, mit dem er dreimal den Meistertitel in der DEL holte, und dem Gewinn der Silbermedaille bei den olympischen Spielen 2018 mit der deutschen Nationalmannschaft, hatte Kahun das Interesse der NHL-Scouts geweckt. Mehrere Vereine bekundeten Interesse an dem flinken und wendigen Stürmer. Die Blackhawks machten schließlich das Rennen. Im April 2018 einigten sie sich mit Kahun auf einen Zweijahresvertrag.
Bereits im Trainingscamp und den Vorbereitungsspielen für die Saison 2018/19 wurde deutlich, dass die Blackhawks eine gute Wahl getroffen hatten. Kahun kam in fünf der sechs offiziellen Testmatches zum Einsatz, schoss zwei Tore und bereitete zwei Treffer vor. Er sicherte sich nicht nur einen Platz im NHL-Kader, sondern begann sogar in der Top-Reihe. Als Rechtsaußen spielte er zusammen mit Kapitän und Center Jonathan Toews und Linksaußen Alex DeBrincat.
Kahun absolvierte in seiner Rookie-Saison alle 82 Hauptrunden-Begegnungen und sammelte 37 Scorerpunkte (13 Tore, 24 Assists). Dennoch war für ihn nach einem Jahr Schluss bei den Blackhawks. Im Zuge von Umbaumaßnahmen im Kader wurde er zu den Pittsburgh Penguins getradet. Trotzdem zog Kahun ein rundum positives Fazit seines Aufenthalts bei den Blackhawks. "In Chicago hatte ich ein super Jahr. Ich bin sehr dankbar für die Zeit", sagte er vor einigen Monaten in einem Gespräch mit NHL.com/de.
Als Verteidiger Ehrhoff Ende Februar 2016 von den Los Angeles Kings zu den Blackhawks wechselte, zeichnete sich das Ende seiner NHL-Laufbahn bereits ab. Die Kalifornier hatten ihn ins AHL-Farmteam nach Ontario abgeschoben. Im Zuge der NHL Trade Deadline sicherte sich Chicago die Dienste des Routiniers. Anfangs gehörte er regelmäßig zu den Auserwählten von Trainer Joel Quenneville. Doch dann verlor er auch bei den Blackhawks seinen Stammplatz. Letztendlich brachte er es auf acht Spiele in der regulären Saison und zwei Assists.
Sieben in Deutschland, der Schweiz und Österreich geborene Spieler haben die Blackhawks in ihrer Klubhistorie gedraftet. Der erste war mit Andreas Lupzig (1988, 12. Runde, Position 239) ein Deutscher. Ein NHL-Einsatz blieb ihm allerdings verwehrt. Gleiches gilt für seinen Landsmann Mirko Höfflin (2010, 6. Runde, 151. Stelle), die Schweizer Lars Weibel (1994, 10. Runde, 248. Stelle) und Arne Ramholt (2000, 9. Runde, 291. Stelle) sowie den Österreicher Matthias Trattnig (1998, 4. Runde, 94. Stelle).
Für Philipp Kurashev (2018, 4. Runde, 120) stehen die Vorzeichen dagegen gut, nach von Arx der zweite Schweizer Draftpick der Blackhawks zu werden, der dort auch zu NHL-Ehren kommt. Der Angreifer unterzeichnete im März 2019 einen Vertrag in Chicago und überzeugte zuletzt in der AHL-Filiale in Rockford.