Grubauer

Während der Saison 2017/18 bringt NHL.com/de jeden Mittwoch ein Feature mit dem Titel "Breaking the Ice". Darin präsentieren wir jeweils einen Spieler, der in der Liga zuletzt von sich Reden gemacht hat - auf oder abseits des Eises.
In dieser Folge: Philipp Grubauer (Washington Capitals)

Im ersten Match nach der Weihnachtspause gegen die New York Rangers zeigte Philipp Grubauer seine ganze Klasse. So sehr sich die Abteilung Attacke des Kontrahenten in den 65 Spielminuten auch bemühte, der Schlussmann der Washington Capitals war nicht zu überwinden. 37 Schüsse wehrte er an diesem Abend im Madison Square Garden ab und sicherte sich und seiner Mannschaft damit den bislang einzigen Shutout in dieser Saison.
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Seit geraumer Zeit gilt der 26-jährige Rosenheimer als einer der besten Backups auf der Torhüterposition in der NHL. Sein Debüt im Trikot der Capitals feierte er in der Spielzeit 2012/13. Seitdem bestritt er 84 Spiele für das Team aus der US-Hauptstadt. 65 Starts, 32 Siege und vier Shutouts stehen dabei für ihn zu Buche. Nach Meinung vieler Experten bringt Grubauer alles mit, um in naher Zukunft zur Nummer eins bei einem Klub aufzusteigen. Genau dieses Ziel verfolgt der deutsche Nationalspieler mit Nachdruck, wie er in einem exklusiven Interview mit NHL.com/de für die Rubrik "Breaking the Ice" bekräftigte.
Von der Hauptrunde 2017/18 sind zwei Drittel gespielt. Wie fällt dein Fazit aus?
Wenn man die letzten Jahre zum Vergleich nimmt, ist diese Saison gerade am Anfang schwieriger für uns verlaufen. Wir hatten im Sommer viele Wechsel. Einige erfahrene Leute waren nicht mehr dabei. Deren Routine fehlte uns in manchen Spielen. Für die jungen Spieler war es nicht einfach, gleich in die Fußstapfen ihrer Vorgänger zu treten. Deshalb haben wir eine Weile gebraucht, um uns als Team zu finden. Es ist aber auch ganz normal, dass nicht immer alles perfekt läuft. Und gerade die schwierigen Zeiten machen einen besser.
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Was war dein persönliches Highlight in der laufenden Spielzeit?
Ich würde sagen, der Shutout gegen die New York Rangers am 27. Dezember. Das war auf jeden Fall eines meiner besten Spiele, die ich bislang in dieser Saison gezeigt habe. Grundsätzlich ist es natürlich mein Anspruch, immer konstant gute Leistungen abzurufen. Leider habe ich dieses Jahr noch nicht viele Spiele gewonnen. Aber das liegt nicht allein in der Macht des Torhüters. Damit das klappt, müssen die Vorderleute die wichtigen Tore schießen und ich sie hinten verhindern.

Du bist in dieser Saison viermal von der Bank aus zum Einsatz gekommen. Spürt man das draußen, dass bald der Zeitpunkt gekommen sein könnte, um raus aufs Eis zu müssen?
Das Signal für einen Wechsel gibt einzig und allein der Trainer. Braden (Holtby - d. Red.) oder ich haben das nicht in der Hand. Wir würden von uns aus sowieso nicht einfach aufstecken. Das wäre zu einfach. Schließlich weiß man nie, was passiert und ob man ein Spiel nicht doch noch gewinnen kann. Klar ist die Wahrscheinlichkeit bei einem 0:3 oder 0:4 höher als bei einem Spielstand von 1:1, dass es zum Torhüterwechsel kommt. Nicht immer ist dafür übrigens eine schlechte Leistung der Grund. Die Trainer versuchen damit manchmal auch, das Team wachzurütteln und die letzten Reserven zu mobilisieren, um ein Match noch umzubiegen.
Was ist dein Rezept, um auf der Bank die Spannung während des Spiels hochzuhalten und für einen Einsatz bereit zu sein?
Ich bleibe einfach ganz locker an der Bank, schaue mir das Spiel an und versuche jede Aktion zu sehen. Wenn die Jungs dann hinten an der Bank irgendwelche Fragen haben, zum Beispiel wer frei war oder ob es andere Passmöglichkeiten gegeben hätte, stehe ich immer als Ansprechpartner zur Verfügung. So versuche ich, möglichst dicht am Match dranzubleiben. Andere Torleute wiederum führen Schuss- oder Bully-Statistiken. Jeder hat da seine spezielle Methode. Aber leicht ist es trotzdem nicht, wenn man dann nach 50 Minuten rein muss.
Was hast du dir persönlich als Ziel für den Rest der Hauptrunde gesetzt?
Das ist schwer zu sagen, weil ich ja nicht genau weiß, wie oft ich spielen darf. Ich werde jedenfalls immer mein Bestes geben, egal ob im Training oder im Spiel. Wichtig ist, dass wir als Team viele Siege einfahren. Im Moment sieht es mit der Playoff-Qualifikation ganz gut aus, aber es stehen noch 30 Partien an. Da sollte man lieber nicht zu weit nach vorne schauen, sondern von Spiel zu Spiel denken und sich auf jeden Gegner konzentrieren.

Dein Vertrag bei den Capitals läuft zum Ende der Saison aus. Machst du dir zum jetzigen Zeitpunkt schon Gedanken über die Zukunft, zumal auch die Trade-Deadline im März bevorsteht?
Ich versuche das im Moment so gut es geht auszublenden. Selbstverständlich weiß man um das Prozedere gerade bei der Trade-Deadline. Ich werde alles so nehmen, wie es kommt. Grundsätzlich bleibt es mein Ziel, die Nummer eins bei einem NHL-Klub zu werden. Dafür bin ich bereit, auch irgendwo anders hinzugehen. Ich könnte mir aber genauso gut vorstellen, noch ein Jahr bei den Capitals zu bleiben. Man wird sehen, wie sich die Dinge entwickeln.