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Le capitaine - ein Teufelskerl

Canadiens Max Pacioretty erzielte die vierte Saison in Folge 30 Tore und ist ein Vorbild

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Wo stünden die Montreal Canadiens nur wenn sie diesen Mann nicht hätten? Wenn gar nichts mehr geht, dann ist er halt zur Stelle, so wie in der Nacht von Montag auf Dienstag im Prudential Center von Newark. Mit 1-3 lag Max Paciorettys Mannschaft im Schlussabschnitt gegen die New Jersey Devils hinten. Zwei Drittel lang hatten die Canadiens in der Offensive keine Akzente setzen können, und nun standen nur noch knapp zwölf Minuten auf der Uhr. Doch wenn der Canadien-Fan meint 'das war's dann halt', dann gibt ihr Teamkapitän noch ein Lebenszeichen von sich, oder wie Montagnacht sogar deren zwei. Beim Abpraller von Nathan Beaulieus Fernschuss stand Pacioretty goldrichtig und schloss aus kurzer Distanz unhaltbar ab - es war der 30. Saisontreffer des US-Amerikaners. In der Schlussminute der regulären Spielzeit setzte der 28-jährige Außenstürmer noch einen drauf und rettete damit sein Team in die Verlängerung, in der sich die Canadiens den Zusatzpunkt sichern konnten.

Die Frankokanadier befinden sich in einer schwierigen Phase. Nach einem furiosen Saisonstart mit 13 Siegen in 15 Partien waren die Canadiens aus dem Tritt gekommen. Im Februar verloren sie sechs ihrer ersten sieben Partien und zogen mit der Entlassung von Cheftrainer Michel Therrien die Reißleine. Einer ihrer wenigen Spieler, der konstant punktete war Pacioretty. In sechs seiner letzten acht Auftritte zwischen dem 9. und 27. Februar fand sich der Linksaußen als Scorer auf dem Spielberichtsbogen wieder.

Video: MTL@NJD: Pacioretty erzielt seinen 30. Saisontreffer

In den vergangenen vier Spielzeiten erzielte Pacioretty mindestens 30 Tore und befindet sich damit in einem illustren Kreis namhafter Stürmer aus Montreals Historie. Ein Maurice Richard vollbrachte zwischen 1953 und 1957 dieses Kunststück und ein Yvan Cournoyer machte es ihm in den Jahren 1970 bis 1974 gleich. Es ist Pacioretty sogar zuzutrauen, dass er Guy Lafleur, der zwischen 1974 und 1980 in sechs Spielzeiten hintereinander die 30 voll machen konnte, einholt. Lafleurs langjähriger Sturmkollege Steve Shutt gelangen von 1974 bis 1983 neunmal hintereinander mindestens 30-Tore pro Saison für die Canadiens - er ist damit unangefochtener Spitzenreiter in Montreals ruhmreicher Franchisegeschichte.

In der Gegenwart backen die Canadiens etwas kleinere Brötchen, von einem 25. Stanley Cup Gewinn mag niemand träumen, doch ohne ihren 97-Kilo Vorzeigestürmer hätten die Canadiens nicht einmal annähernd die Chance auf eine Playoffteilnahme. Pacioretty schoss mindestens doppelt so viele Treffer wie jeder einzelne seiner Teamkollegen und er war für fast 18 Prozent aller Canadiens Tore in dieser Saison verantwortlich.

Nach der Partie in Newark gab sich Pacioretty gegenüber seiner eigenen Leistung bedeckt und hob lieber seinen Sturmpartner Alexander Radulov hervor. "Radulovs Tor, eine großartige Einzelleistung, war der Wendepunkt im Spiel", sagte Pacioretty NHL.com und fügte hinzu: "Wenn du an einem Punkt angelangt bist, an dem du nicht mehr an dich selbst glaubst, dann braucht es eine solche Aktion. Darum haben wir ihn verpflichtet. ´Er ist der Mann, der den Unterschied ausmachen kann. Das hat er heute gezeigt."

Pacioretty ist ein ganz ruhiger Kapitän, der in der Kabine nicht laut werden muss. Er verdient sich den Respekt seiner Teamkollegen durch seine Leistung auf dem Eis. Nicht von ungefähr wurde der Flügelstürmer vor zwei Jahren von seinen Mitspielern zum Mannschaftskapitän gewählt und nicht, wie bei einigen Franchises üblich, vom Management oder der sportlichen Führung bestimmt. Er füllt diese, ihm zugetragene Rolle verantwortungsvoll aus. Er kümmert sich um die neu hinzugekommenen Spieler, versucht ihnen dabei zu helfen, sich in Montreal zurechtzufinden und erklärt ihnen, wie sie sich am Besten in diesem eishockeyverrückten Umfeld der frankokanadischen Metropole bewegen.

Pacioretty weiß die Unterstützung seiner Kollegen zu schätzen, wie er NHL.com erzählte: "Es ist wichtig zu wissen, dass die Teamkameraden hinter einem stehen. Ich möchte ein guter Kapitän für sie sein und werde dadurch besser. Man kann auf dem Eis durch den Spielstil das Tempo vorgeben, doch man braucht alle Spieler um zu gewinnen. Im Eishockey brauchst du immer fünf Mann, die gleichzeitig zusammen agieren. Es ist etwas einzigartiges Kapitän in einer Mannschaftssportart zu sein, denn man muss es schaffen, dass alle an einem Strang ziehen."

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