Die längste Siegesserie in der NHL haben aktuell die Tampa Bay Lightning. Seit neun Spielen ist die Mannschaft von Trainer Jon Cooper nicht als Verlierer vom Eis gegangen. Das jüngste Opfer: die Philadelphia Flyers. Am Samstagabend gewannen die Lightning bei den Flyers in der Xfinity Mobile Arena mit 7:2. Dabei war einmal mehr auf Superstar Nikita Kucherov verlass, der seine eigene Scoringserie in beeindruckender Manier fortsetzte.

„Es läuft gerade.“ Das klingt nach drei lapidaren Worten, aber der Coach der Lightning brachte es nach dem Sieg in Philadelphia einfach auf den Punkt. Sein Team funktioniert wie der sprichwörtlich geölte Blitz und agiert auch mit dem dafür nötigen Tempo. Das wiederum war notwendig, weil die Partie gar nicht so deutlich war, wie es beim Blick auf das Ergebnis scheint. „Das war eines dieser Spiele. Philadelphia ist ein gutes Team. Ihnen fehlen gerade ein paar Spieler. Aber sie arbeiten und verteidigen gut. Wir haben unsere Chancen genutzt. Die frühen Tore von Kucherov haben geholfen. Solche Phasen gibt es. Manchmal hat man dieses Glück nicht. Das kann dann frustrierend sein. Wir sind am Ende für die Dinge belohnt worden, die wir gut gemacht haben“, sagte Cooper nach der Partie.

Kucherovs frühe Tore

Womit der Coach schon einen der ausschlaggebenden Faktoren genannt hat: Kucherov trug die Lightning mal wieder auf seinem Rücken. Er gab mit seinen frühen Treffern, dem 0:1 (2.) und dem 1:2 (7.) gleich mal den Ton an. Der Russe bereitete auch noch zwei weitere Tore vor. Damit hat er seit neun Spielen immer mindestens einen Scorerpunkt abgeliefert (neun Tore, 14 Vorlagen). Doch bei einem Punkt belässt er es in der Regel nicht. Zum achten Mal in Serie sammelte er mindestens zwei Zähler. Damit ist er erst der dritte aktive Spieler, dem so etwas gelungen ist. Die anderen beiden sind Steven Stamkos (neun Spiele in der Saison 2021/22) und Connor McDavid (acht, 2018/19). Sein 36. Vier-Punkte-Spiel bedeutet in dieser Statistik Platz drei unter den Aktiven – hinter McDavid (45) und Sidney Crosby (43). Zum dritten Mal hat er in aufeinanderfolgenden Auswärtsspielen vier Punkte oder mehr gesammelt. Das haben in der Geschichte der Liga lediglich Wayne Grtezky (neunmal) und Mario Lemieux (dreimal) geschafft. Und er ist erst der fünfte unter den aktiven Spielern in der NHL, der in 115 Partien oder mehr drei Scorerpunkte verbucht. Auch das ist eine erlesene Liste mit Sidney Crosby (189), Connor McDavid (146), Alex Ovechkin (141) und Evgeni Malkin (119).

„Es überrascht mich nicht, was er da abliefert. Aber ich muss zugeben, dass ich sehr beeindruckt bin“, gestand Kucherovs Sturmpartner Brayden Point, der gegen Philadelphia selbst drei Treffer vorbereitete. „Das passiert ja jede Saison. Vieles davon ist nicht einfach Talent, sondern seine Hingabe und seine Einstellung. Er ist unser bester Spieler und derjenige, der am härtesten arbeitet.“ Seine Fähigkeiten habe er nicht einfach geschenkt bekommen. Er hat hart dafür gearbeitet, um einer der besten Spieler in der Liga zu werden.

Coach begeistert

Gage Goncalves, der ebenfalls mit Kucherov in einer Reihe agiert, ging nach dem Spiel sogar noch einen Schritt weiter: „Er ist der beste Spieler der Welt. Das habe ich immer wieder gesagt.“ Er selbst profitiere sehr davon, mit Point und Kucherov in einer Reihe zu agieren. Gegen die Flyers drückte sich das in zwei Toren im dritten Drittel aus.

Kein Wunder, dass auch der Trainer begeistert ist von seinem Superstar, aber auch von seinem Team, das während der Siegesserie eine Torbilanz von 45:24 vorzuweisen hat. „Es gibt so viele gute Spieler in der Liga. Jedes Team hat welche. Aber Kucherov ist einzigartig. Seine Fähigkeit, das Eis zu sehen, die Situationen zu erfassen, bevor sie passieren. Er weiß, was der Verteidiger macht, bevor der es selbst weiß. Ich bin jetzt zehn Jahre oder so hier dabei. Als Trainer hofft man, dass man das Glück hat, mal so einen Spieler trainieren zu dürfen“, meint er. Goncalves sei nach einem nicht so guten Saisonstart zurückgekommen und habe sich zu einem guten Flügelspieler an der Seite von Kucherov und Point entwickelt.

TBL@PHI: Kucherov schießt sein Zweites

Spielstil nicht verändert

Der entscheidende Faktor für die aktuelle Siegesserie seines Teams, ist dem Trainer zufolge auch ganz einfach zu erklären: „Die Hauptsache ist, dass wir, als wir mal sieben von neun Spielen verloren haben, nicht unseren Spielstil geändert haben. Jetzt werden die Jungs dafür belohnt, dass sie die kleinen Dinge richtig machen.“

„Wir mussten lernen, wie wir spielen sollen. Wenn wir in einer bestimmten Art und Weise spielen, haben wir auch Erfolg. Wir spielen offensiv, aber auch klug mit der Scheibe“, ergänzte Point.

Mit dem 7:2 in Philadelphia haben die Lightning zum sechsten Mal in dieser Saison auswärts sechs Tore oder mehr geschossen. Das ist Ligaspitze vor San Jose (fünfmal). Tampa Bay hat außerdem zum ersten Mal in der Franchisegeschichte in zwei aufeinanderfolgenden Auswärtsspielen sieben Tore geschossen. Das letzte Team, dem das bisher gelang, waren die Seattle Kraken 2024.

Mosers 300. NHL-Spiel

Wenn es mal so gut läuft und wenn man dabei auch noch so viele Tore schießt, kommen automatisch auch noch andere Spieler zu ihren persönlichen Erfolgserlebnissen. Jake Guentzel baute mit der Vorlage zu Brandon Hagels 1:5 seine Serie mit Spielen mit mindestens einem Scorerpunkt auf vier aus (ein Tor, fünf Vorlagen). Hagel selbst ist mittlerweile bei fünf solcher Partien angelangt (drei Tore, fünf Assists), ebenso wie Verteidiger Darren Raddysh (vier Tore, sechs Assists), der an Goncalves‘ 1:4 beteiligt war. Der Schweizer Verteidiger J.J. Moser bestritt gegen Philadelphia sein 300. NHL-Spiel. Er blieb darin ohne Scorerpunkt, beendete den Abend aber mit einer Bilanz von plus drei.

Für Cooper war es übrigens der 599. Sieg als Coach in der NHL. Noch einen braucht er, um als 25. Trainer in der Geschichte der Liga auf 600 zu kommen. Es spricht derzeit vieles dafür, dass seine Schützlinge ihm dieses Geschenk sehr bald machen werden. Vielleicht schon am Montag, wenn die Mannschaft ein weiteres mal bei den Flyers antreten muss.

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